"Die Polizei - dein Freund und Helfer" - diesen Satz kennt wahrscheinlich jeder. Was weniger bekannt ist: "Der Beruf des Polizisten gehört zu den TopTen der angesehensten Berufen in Deutschland und ist einer der vielfältigsten Berufe überhaupt", so der unterfränkische Polizeipräsident Detlev Tolle beim Expertentag auf dem Gelände der Polizeiinspektion Bad Kissingen.

Qualifizierte Beratung vor der Entscheidung - das ist das Ziel der bayerischen Polizei bei den Expertentagen, die von den Einstellungsberatern vor Ort organisiert werden. Hintergrund hierfür ist, dass viele Berufsmessen, Vorträge und geplante Praktika wegen den Corona-Maßnahmen nicht stattgefunden haben. Deshalb hat man sich entschieden, die Vielfalt der polizeilichen Aufgaben auf regionalen Veranstaltungen durch Kolleginnen und Kollegen zu präsentieren, die als Experten Rede und Antwort stehen können.

Für Wilfried Hofmann, Leiter der Nachwuchswerbung für die Bayrische Bereitschaftspolizei, sollen die Veranstaltungen in allen Regionen Unterfrankens bzw. Bayerns durchgeführt werden: "Wir wollen mit unseren 60 Einstellungsberatern*innen nach dem Corona-Lockdown wieder Fahrt aufnehmen." Und Polizeipräsident Detlev Tolle ergänzt: "Wir brauchen das Bewerberpotential, auch wenn wir im September mit 1050 Bewerbern in die Ausbildung gestartet sind."

In Bad Kissingen waren es bei strahlendem Sonnenschein 120 Jugendliche, die sich angemeldet hatten und die sich in drei Zeiteinheiten von jeweils zwei Stunden informieren konnten. Auf dem Freigelände gab es dann nicht nur Vorführungen durch einen Hundeführer, der zur Ausbildung und zum Einsatz seines Hundes Auskunft gab, sondern die Jugendlichen - oft begleitet von Eltern und Geschwistern - erhielten Einblicke in die Aufgaben der Wasserschutz- und Autobahnpolizei, der Kriminalpolizei und der Ermittlungsgruppe, des Unterstützungskommandos und der Verkehrserzieher. Insgesamt standen zwei Dutzend Ansprechpartner von den verschiedensten Dienststellen bereit, um die vielfältigen Fragen zu beantworten.

Von Vermisstensuche bis Drogenfund

Aus Münnerstadt angereist war Johannes Bohn mit seinem Vater. Der 16-Jährige Realschüler wollte eigentlich ein Praktikum bei der Polizei absolvieren. Nachdem dies nicht geklappt hat, nutzte er die Chance in Bad Kissingen. Besonders interessierte er sich für die Vorführungen von Hundeführer PHM Marko Metz, der auf dem Nebenplatz erläuterte, wie aufwendig die Ausbildung des Schäferhundes ist und wie vielfältig der Einsatzbereich von Vermisstensuche bis Drogenfund sein kann.

Für Mariella Mehler, 15 Jahre alt, steht auch ein Praktikum auf dem Plan - vorerst interessierte sich die zierliche junge Dame für das Motorrad der Autobahnpolizei, das mit 280 kg und 136 PS die jungen Menschen anzog und mit allerei technischen Finessen ausgestattet war. Gleiches Interesse galt dem Polizeieinsatzfahrzeug, dessen Martinshorn in regelmäßigen Abständen ertönte: "Den Knopf finden sie alle!", lautete der Kommentar, wenn wieder einmal eine Unterhaltung von dem durchdringenden Ton unterbrochen wurde.

Ein Hauch von "Tatort" erlebten vier junge Damen bei den Ausführungen der Ermittlungsstelle der PI Bad Kissingen, wo sie einen Einblick in die wichtige Hintergrundarbeit erhielten. Nicht weniger interessant waren die Ausführungen des Beamten vom Unterstützungskommando (USK), wo die Jugendlichen nicht nur von der Ausrüstung angetan waren, sondern auch mal selbst eine kugelsichere Schutzweste anlegen durften.

"Wie geht das mit dem Einstellungstest?" - "Wie verläuft die Ausbildung?" - "Welche Aufstiegschancen hat man?" - diese und andere Fragen hatte die 17-jährige Pia Stürzenberger aus Gemünden. In Ausbildungsberaterin Theresa Janiczek hatte sie eine Expertin, die nicht nur die Fragen beantworten konnte, sondern auch noch genügend Informationsmaterial bereitstellte. Den Wert einer fundierten Ausbildung erläuterte Dienststellenleiter Thomas Baumeister, denn einerseits repräsentiere man den Staat und andererseits gibt es die Erwartungshaltung der Bevölkerung. Neben den fachlichen Qualifikationen werde die psychologische Komponente immer wichtiger, denn man möchte stabile Persönlichkeiten im Einsatz, so Baumeister.

Hintergrundinfo:

Bewerbung/Ausbildung bei der Bayerischen Polizei

Die Voraussetzungen Gesund soll man sein, mind. 165 cm groß, zwischen 17 und 30 Jahre alt und sportlich - das sind einige der Voraussetzungen, um sich bei der Bayerischen Polizei zu bewerben. Tätowierungen sind kein Hinderungsgrund, wenn sie nicht sichtbar sind bzw. keine unzulässigen Inhalte zeigen. Wenn man also diese Hürden geschafft hat, dann steht ein zweitägiger Einstellungstest an, bei dem die Eignung mit Sportprüfung, ärztlicher Untersuchung, Bewerbungsgespräch, Gruppendiskussion und schriftlicher Prüfung getestet wird.

Die Ausbildung Bei entsprechender Eignung kommt es zur Einstellung im September oder März. Ausgebildet wird an verschiedenen Standorten in Bayern - "heimatnah" wie die Broschüren versprechen. Der erste Abschnitt der Ausbildung dauert zwei Jahre, woran sich ein dreimonatiges Praktikum sowie intensivere Übungseinheiten anschließen. Im letzten Halbjahr der dreijährigen Ausbildungszeit werden die Anwärter mit komplexen Einsatzlagen konfrontiert und im Umgang mit Stresssituation geschult. Den Abschluss bildet eine Qualifikationsprüfung. Danach geht es für 24 Monate bei der Bereitschaftspolizei weiter, bevor man sich bis zum Aufstieg in die 3. Qualifikationsebene durch ein Studium zum Polizeikommissar/in bzw. Diplom-Verwaltungswirt/in (FH) bzw. für den Einsatz in besonderen Einheiten.