24 Jahre führte er die Gemeinde Oerlenbach. Jetzt geht Siegfried Erhard in den Ruhestand. Mit uns hat er über seine Pläne gesprochen, aber auch über seine Zeit als Gemeindeoberhaupt.

Herr Erhard, jeder hat gedacht, Sie treten noch einmal als Bürgermeister von Oerlenbach an, und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wären Sie auch gewählt worden.
Wie schwer ist es Ihnen gefallen, nach 24 Jahren aufzuhören und was war letztendlich der ausschlaggebende Auslöser?

Siegfried Erhard: Mir ist die Entscheidung sehr schwer gefallen und ich habe lange mit mir gerungen. Sie ist auf einer Reha-Maßnahme in Sankt- Peter- Ording gefallen. Ausgehend vom Rat der Ärzte, kürzer zu treten und der Erfahrung, dass ich mich von meiner Aufgabe nur schwer lösen konnte. Dazu kam die Erkenntnis, dass ich mittlerweile über 62 Jahre alt bin und sechs Jahre bei nachlassender Fitness und Spannkraft sehr lang werden können. Ich war mir einfach nicht mehr sicher, den Ansprüchen auf die Dauer der Wahlperiode gerecht zu werden. Außerdem wird es mit zunehmenden Alter immer schwieriger sein Leben neu zu ordnen.

Dass Sie Außerordentliches geleistet und für die Großgemeinde Oerlenbach erreicht haben, ist unumstritten und wird jetzt, am Ende Ihrer Amtszeit, allenthalben gewürdigt. Wenn Sie zurückschauen: Was war Ihrer Meinung nach die weitreichendste Entscheidung, die Sie in ihrer Amtszeit - sicher in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat - getroffen haben?
Siegfried Erhard:In 24 Jahren gibt es in einer Gemeinde viele Dinge die angegangen werden müssen. Wie weitreichend Entscheidungen waren zeigt sich oft erst spät. Wichtige Entscheidungen, die wir mit in Angriff nahmen, war in den ersten Jahren wohl der Erhalt des Bundesgrenzschutzstandorts, die Inangriffnahme der Städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen in Ebenhausen, und die Innerörtlichen Gestaltungsmaßnahmen. Dazu gehören ebenso die Einrichtung des Seniorenheims, die vielfältigen Entwicklungen in der interkommunalen Zusammenarbeit, wie der Gewerbepark an der A 71 und zuletzt die Entscheidung zur umfassenden Generalsanierung der Heglerhalle. Entscheidend war immer auch, dass der Gemeinderat mitzog und auch Verbündete von außen gewonnen wurden.

Sie waren immer bestens informiert, sehr gut vernetzt und haben Entwicklungen früher als andere vorhergesehen. Was hat Sie angetrieben?
Siegfried Erhard: Für mich galt immer, dass Entwicklungen rechtzeitig erkannt und angegangen werden müssen. Dabei ist es immer hilfreich, wenn man mit anderen nach Lösungen sucht. Mein Engagement im Bayerischen Gemeindetag und im Deutsche Städte und Gemeindebund, in der Interkommunalen Allianz und im Regionalen Planungsverband ermöglichte mir immer auch frühzeitige Informationen, die Auseinandersetzung damit und die Entwicklung neuer Zielsetzungen. Allerdings ging das manchmal auch zu Lasten der Freizeit und des Tagesgeschäfts. Ein Antrieb war natürlich auch immer der Wunsch, dass meine Gemeinde, Oerlenbach gut dasteht.

Gab es jemals einen Moment, an dem Sie am liebsten alles hingeschmissen hätten?
Siegfried Erhard: In einem Vierteljahrhundert in der Verantwortung gab es auch viele Enttäuschungen, auch Vorwürfe und Missverständnisse. Manchmal auch schlaflose Nächte. Zweifel gab es, aber hinschmeißen wollte ich nie, denn nur in schwierigen Situationen ist es möglich, anderen und auch mir selbst zu beweisen, dass ich es kann. Außerdem wollte ich Bürgermeister werden, um gestalten zu können und meine Gemeinde dahin zu bringen, wo ich es haben wollte. Auch das Bürgermeisterleben ist nicht anders wie beim Radfahren, wenn´s immer nur eben geht wird´s öd. Auf eine anstrengen Steigung folgt meist eine besonders schöne Abfahrt. Je schwieriger eine Sache war umso schöner, wenn man´s geschafft hat.

Erinnern Sie sich an Begebenheiten, über die Sie heute noch lachen müssen?
Siegfried Erhard: Da gibt´s eine ganze Reihe Begebenheiten, wo andere Anlass gaben und manchmal muss man auch über sich selbst lachen, sei es bei Versprechern, Verwechslungen Ungeschicklichkeiten und Missverständnisse.

Sie waren fast ihr halbes Leben lang praktisch jeden Abend unterwegs, kaum ein Wochenende zu Hause - befürchten Sie nicht, dass Sie am 1. Mai in ein tiefes Loch fallen werden?
Siegfried Erhard: Ja, diese Sorge habe ich schon ein wenig. Die Kreistagstätigkeit wird kein ausreichender Ersatz sein können. Die Bürgermeisterei war schon Lebensinhalt, ein ganz erheblicher Teil meiner Identität, hat meinen Kalender bestimmt und auch das Familienleben beeinflusst und meine früheren Hobbys vernachlässigen lassen.
Ich werde in den nächsten Monaten versuchen, einerseits liegen gebliebene Arbeiten zu erledigen und andererseits bei Tageswanderungen und Radtouren, den Kopf leer zu bekommen und mir intensiv Gedanken machen, wie ich meinen Tagen künftig eine Struktur gebe und wo ich meine Schwerpunkte setze. Vor allem aber will ich meine drei Enkelkinder genießen und meiner Frau und meiner Familie ein wenig von dem zurückgeben, worauf sie verzichtet haben.