Üblicherweise werden Bauanträge, sofern sie den Vorgaben des je nach Baugebiet gültigen Bebauungsplans weitestgehend entsprechen und nur geringfügige Befreiungen erforderlich sind, vom Gemeinderat einvernehmlich durchgewunken. Zumal nicht die Gemeinde, sondern das Landratsamt die zuständige Genehmigungsbehörde ist. So war es jüngst auch beim Antrag zum Anbau eines Wintergartens an ein altes Fachwerkhaus in Aschach, bei dem lediglich die geringe Abweichung von der zulässigen Bebauungsgrenze und das beantragte Flachdach statt des eigentlich geforderten Satteldaches den amtlichen Vorgaben widersprachen.

Diskussion: Kies statt Ziegel

Anlass zu längerer Beratung lieferte aber der geplante Neubau eines Einfamilienhauses in der Bad Bockleter Frühlingstraße. Dessen Dach soll mit gewaschenem, grauen Rollkies statt mit vorgeschriebenen roten, rotbraunen oder anthrazitgrauen Ziegeln gedeckt werden. Während sich Gemeinderat Christian Horn (CSU) über die Bebauung einer weiteren Lücke in diesem wegen seiner Hanglage schwierigen Baugebiet freute, regte seine Ratskollegin Martina Faber (Grüne) an, statt Rollkies eine Dachbegrünung vorzunehmen, und diesen Vorschlag als Empfehlung an die Antragsteller weiterzugeben. Dies stieß auf Widerwillen beim dritten Bürgermeister Uto-Paul Schmitt (FCW): "Wir haben noch nie eine Empfehlung ausgesprochen und sollten willigen Bauherren keine zusätzlichen Vorschriften machen." Doch Faber ließ dies nicht gelten: "Noch nie gemacht, ist für mich kein Argument. Man kann auch mal was ändern." Helmut Wischang (SPD-UB) setzte dem allerdings einen baurechtlichen Einwand entgegen: Fabers Wunsch hätte sicher Einfluss auf die Statik des geplanten Gebäudes, weshalb eine Neuberechnung des Architekten und ein völlig neuer Bauantrag erforderlich wäre. Dies aber sei nicht Punkt der Tagesordnung. Letztlich verlief die längere Diskussion ergebnislos, weshalb dann doch dem vorliegenden Antrag das gemeindliche Einvernehmen einstimmig ausgesprochen wurde.

Radwegenetz überprüfen

Im Rahmen der Fortschreibung des landkreisweiten Radwege-Programms ist die Gemeinde Bad Bocklet aufgefordert, das Radwegenetz innerhalb ihrer Gemarkungsgrenzen zu überprüfen und dem Landratsamt mitzuteilen, welche Baumaßnahmen zum Ausbau gewünscht sind. Geschäftsleiter Thomas Beck informierte deshalb den Gemeinderat über die Absicht, in erster Linie eine gute Nord-Süd-Verbindung zwischen den Gemeindeteilen von Nickersfelden bis Aschach herzustellen. Hierzu sei es erforderlich, teilweise neu zu bauende Streckenabschnitte zu bestimmen, Teilabschnitte zu sanieren und bestehende Schotterwege zu asphaltieren.

Deshalb schlug Beck dem Gemeinderat vor, seitens der Marktgemeinde ein Gesamtkonzept zu erstellen. Dabei sei zu beachten, dass manche Streckenabschnitte entlang der Kreis- und Staatsstraßen verlaufen, weshalb nicht die Gemeinde, sondern Bund und Landkreis die Vorhabens- und Kostenträger seien. Dieses Konzept müsse, so rief der Geschäftsleiter zur Eile auf, noch im Herbst vorliegen, um entstehende Kosten in den Haushalt 2021 aufnehmen zu können. Zur Erarbeitung eines solchen Konzepts meldeten sich in der Sitzung einige Räte, die von der Verwaltung demnächst zu einer Ortsbesichtigung eingeladen werden.

Bauarbeiten stören Mittagsruhe

Der Bad Bockleter Gemeinderat Martin Eisenmann (Grüne), zugleich Vorsitzender des Kur- und Fremdenverkehrsvereins, meldete Beschwerden von Vermietern im Staatsbad, wonach die lärmende Baumaßnahme an der Bruchsteinmauer im Kurgarten die Mittagsruhe erheblich stört. Während die offizielle Mittagsruhe im Staatsbad auf 13 bis 15 Uhr festgelegt ist, machen die Bauarbeiter bereits von 12 bis 13 Uhr Mittagspause und ausgerechnet während der offiziellen Ruhezeit ihre lärmende Arbeit fort.

Geschäftsleiter Thomas Beck bestätigte diese Tatsache. Es sei nach Rücksprache mit touristischen Anliegern mit der Baufirma vereinbart worden, statt bereits wie üblich um 7 Uhr erst um 9 Uhr im Kurgarten mit der Arbeit zu beginnen, dafür aber die zwei Ruhestunden zwischen 13 und 15 Uhr zu opfern. Die befragten Vermieter hätten die Ruhe bis 9 Uhr der Mittagspause vorgezogen. Es sei bei dieser Entscheidung das Bestreben von Bürgermeister Andreas Sandwall (CSU) und der Kurhalter gewesen, alle Arbeiten im Kurgarten spätestens bis zum Saisonbeginn 2021 abgeschlossen zu haben. Beck entschuldigte sich für das Versäumnis, nicht alle Vermieter im Staatsbad darüber informiert zu haben, und begründete dies mit dem Ausfall der eigentlich im März angesetzten Kurvereinssitzung.