Der kubanische Arzt Magdiel Baptistin Vaillant aus Ebenhausen Vaillant besucht in Bad Kissingen einen Deutschkurs. Er erzählt auf Deutsch, wie und warum er nach Deutschland kam. Selten fehlt ihm ein Wort, wenn doch, dann sagt er es auf Englisch oder Spanisch.

Der Kubaner kam im Juni 2019 mit einem Visum nach Deutschland. Er gehörte dem kubanischen Gospelchor "El coro gospel de Cuba" an. Der Chor trat auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund auf. Es folgte eine Tournee durch verschiedene Städte. Mit ihm reisten zwölf andere Musiker, unter anderem sein Freund Dayron Daniel Mena Medrano.

Vorwurf Spendenbetrug

Auf der Tournee seien Spendengelder für die Musiker gesammelt worden. "Das gesammelte Geld ist aber nie bei uns angekommen", sagt Vaillant. Die Musiker hätten lediglich Verpflegung, Unterkunft und 100 Euro erhalten.

Kritik an Tournee-Leiterin

Deshalb warf Vaillant der Leiterin der Tournee vor, die Musiker betrogen zu haben. Diese habe geantwortet: "Wir diskutieren dieses Thema nicht hier in Deutschland, sondern klären das in Kuba." Diese Aussage einer Frau, die für den kubanischen Staat arbeite, verstand Vaillant als Drohung.

Seine weitere Geschichte lässt sich in Vaillants abgelehntem Bescheid zum Asylverfahren nachlesen. Die Leiterin der Tournee habe gesagt, er solle alles so annehmen, wie es sei, wenn er das nicht tue, werde er Probleme nach seiner Rückkehr in Kuba haben.

Vorladung der Polizei

Er habe eine Vorladung von der Polizei erhalten, berichtet Vaillant. Er sollte sich baldmöglichst beim Polizeirevier in Havanna vorstellen. Der Kubaner befürchtete, bei der Rückkehr nach Kuba keine Arbeit mehr zu bekommen und von der Polizei festgenommen zu werden.

"Ich habe Angst, ins Gefängnis zu müssen", sagt Vaillant. Und ergänzt auf Spanisch: "Pueden terminar mi vida." Das heißt auf Deutsch: "Sie können mein Leben beenden." Das sei die kubanische Wahrheit, auch wenn ihm das in Deutschland nicht jeder glaube. Kuba sei eine Diktatur.

Flucht

Mit seinem Freund Dayron Daniel Mena Medrano, mit dem er in Ebenhausen zusammenwohnt, flüchtete er am letzten Tag der Tournee zu einem kubanischen Pfarrer nach Bonn. Ende Juli 2019 stellten beide einen Asylantrag. Auch Medrano plant, seine Freundin aus Schweinfurt zu heiraten.

Die Verwaltung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg lehnte Vaillants Antrag neun Tage später ab. Die Begründung: Vaillant sei kein Flüchtling im Sinne des Paragrafen 3 des Asylgesetzes.

So definiert das Gesetz einen Flüchtling

Im Bescheid des Amtes heißt es in etwas umständlichem Amtsdeutsch: Ein Ausländer sei ein Flüchtling, wenn er sich aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt und dessen Schutz er nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht nicht in Anspruch nehmen will.

Klage gegen Bescheid

Vaillant und sein Freund Medrano erhoben Klage gegen den Bescheid. 1000 Euro für die Anwaltskosten, das sei viel. "Der Pastor aus Bonn und die Gemeinde haben uns geholfen." Eine Rechtsanwältin aus Leipzig kümmerte sich um ihren Fall. Während ihr Fall bearbeitet wurde, lebten sie im Anker-Zentrum in Nürnberg.

Etwa sechs Monate später entschied das Verwaltungsgericht in Ansbach, die Klage abzuweisen. Es hätte zwar die Möglichkeit gegeben, zu widersprechen, aber die Anwältin habe ihnen gesagt, dass sie nur Zeit verlieren würden und "man nichts machen könne", sagt Vaillant. "Es ist rechtskräftig entschieden worden, dass keine Fluchtgründe vorliegen", sagt Pressesprecher Johannes Hardenacke von der Regierung von Unterfranken.

Er lernt Alexandra kennen

Dann, im Februar 2020, kam Corona und Magdiel lernte seine Verlobte Alexandra Vildosola in der Hochschule für Musik in Nürnberg kennen. Im März erhielt er eine Duldung. Die gesetzte Ausreisepflicht verstrich, ohne dass der kubanische Arzt ausreiste. Seit März habe er in dreimonatigen Abständen eine Duldung erhalten, sagt Vaillant.

Weiterlesen geht hier:

Wie sich der kubanische Arzt Vaillant um Integration bemühte, lesen Sie hier: https://www.infranken.de/lk/bad-kissingen/nur_saalezeitung/landkreis-bad-kissingen-arzt-soll-abgeschoben-werden-art-5183033

Wie die Asylbehörde begründet, warum der kubanische Arzt nicht bleiben darf, lesen Sie hier: https://www.infranken.de/lk/bad-kissingen/nur_saalezeitung/landkreis-bad-kissingen-ehe-schuetzt-nicht-vor-abschiebung-art-5183038

Ein Kommentar zum Fall lesen Sie hier: https://www.infranken.de/lk/bad-kissingen/nur_saalezeitung/kommentar-zum-text-arzt-soll-abgeschoben-werden-herz-sagt-ja-recht-sagt-nein-art-5183039