Vor 70 Jahren eröffnete der aus Dresden stammende Kaufmann Karl Ludewig (1902 bis 1978) mit Ehefrau Luise in der Brunnengasse ein Wäschegeschäft für Damen. Seit 1999 führt Enkel Ralf Ludewig (50) das Modehaus mit auf 250 Quadratmeter verdoppelter Verkaufsfläche, unterstützt von zehn Mitarbeiterinnen und zwei Auszubildenden.


Zunächst nur für Damen

Schon 15 Jahre lang hatte Karl Ludewig in Dresden am Altmarkt ein florierendes Wäschegeschäft. Nach Bombardierung der Stadt und sowjetischer Besetzung suchte der Kaufmann im Westen eine neue Heimat. Nur ein Zufall hielt ihn auf dem Weg nach München in Bad Kissingen fest, wo er zur Weihnachtszeit 1948 im Haus Brunnengasse 1 sein Wäschegeschäft für Damen aufmachte.
Nach Einstieg seines Sohnes Gerhard erwarb Ludewig 1954 das Nachbargebäude, den früheren Ratskeller, das bis 1975 zunächst nur als Lagerraum, Schneiderei und Büro diente. Außerdem wurde das Sortiment um Herrenartikel erweitert, die in einem dritten Haus direkt am Marktplatz (heute Eiscafé l'alternativa) verkauft wurden. Erst seit 2005, nach unzähligen Umbauten, baulichen Erweiterungen und Renovierungen, kennt man das Modehaus Ludewig in seiner heutigen Form.
"Zwischen den Anfangsjahren und heute liegen Welten", vergleicht Seniorchef Gerhard Ludewig (84). Die ersten zwei Jahrzehnte nach Kriegsende waren schwierig. Man bekam kaum anständige Ware. Bad Kissingen war Grenzgebiet, verkehrstechnisch schlecht angebunden und gehörte nicht zu den umsatzversprechenden Zielen reisender Handelsvertreter. Erst als 1968 die Autobahn in Betrieb war, "kam das Wirtschaftswunder verspätet bei uns an".