Eugen Albert hatte 2019, in der Vorausschau auf die Kommunalwahl 2020, offen gelassen, ob er noch einmal auf der Liste der Freien Wähler für den Kreistag antritt. Auch nach 23 Jahren in diesem Gremium lägen ihm noch viele Kreisprojekte am Herzen, allen voran der Bau des neuen Münnerstädter Berufsbildungszentrums, sagte er.

Dann wollte es der damals 72-Jährige doch noch einmal wissen und trat bei der Kreistagswahl an. Inzwischen sitzt er seit nahezu 26 Jahren in diesem Gremium und brachte vor allem auch in Schulangelegenheiten sein Fachwissen ein. Schließlich war Albert lange genug Lehrer und leitete zuletzt bis 1996 die Nüdlinger Schlossbergschule.

Auch überregional im Gespräch

1996 begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt als Bürgermeister in Münnerstadt. Seit 1990 hatte Albert schon im Stadtrat gesessen. 1996 wurde er auch erstmals in den Kreistag gewählt. Der Münnerstädter war zudem überregional zeitweise politisch im Gespräch, als ihn die Freien Wähler des Landkreises 2008 zum Direktkandidaten für die Landtags- und Bezirkstagswahlen nominiert hatten.

Lange Jahre war Albert Vorsitzender der Freien Wähler im Altlandkreis und der Kreisvereinigung der Freien Wähler. 2016 stellte er sich nicht mehr zur Verfügung. Jetzt entschied der 75-Jährige also, dass auch im Kreistag Schluss ist. "Die Bischöfe gehen auch mit 75 Jahren in den Ruhestand", sagte er am Montag im Gremium, als er sich bei seinen Kolleginnen und Kollegen für die Zusammenarbeit und das "freundliche Miteinander" bedankte.

Waldemar Bug kam 2002 in den Kreistag

Im März dieses Jahres hatte Waldemar Bug (ÖDP) in der Kreistagssitzung angekündigt, dass er sein Mandat niederlegen wird. Bug saß seit 2002 im Kreistag. Damals war er kurz zuvor von der CSU zur ÖDP gewechselt und hatte sich auf der Liste der Wählergemeinschaft Waldfenster nominieren lassen.

Vor der Kommunalwahl waren ÖDP und die nicht organisierte Wählergruppe Parteifreie Umweltschützer auf Kreisebene gemeinsam aufgetreten und hatten, zur Überraschung vieler, gleich einen Sitz im Kreistag erobert. Bug kandidierte auch mal für den Landtag. Später wurde er Kreisvorsitzender der ÖDP. Von 2008 bis 2020 war er Bürgermeister von Burkardroth. Ihm gelang es, die Kommune im Jahr 2013 schuldenfrei zu machen. Inzwischen ist Bug auch einer der stellvertretenden Vorsitzenden der unterfränkischen ÖDP.

Er habe Jahrzehnte für seine Sache gekämpft und sei oft enttäuscht gewesen über so manche Entscheidung, die im Gremium fiel, sagte der 67-Jährige seinerzeit nach der März-Sitzung des Kreistags. Seiner Ansicht nach müsse der Landkreis mehr fürs Klima tun, denn es genüge nicht, Photovoltaikanlagen auf ein paar Dächer zu montieren. Vielmehr müsse man beispielsweise zusehen, das Thema Windkraft voranzutreiben, und dafür plädieren, dass die 10-H-Regelung bald fällt.

Landkreisehrenzeichen in Gold

Auch am Montag richtete er erneut einen Appell in Sachen Klima an alle: "Wir wissen und spüren es tagtäglich", sagte er in Bezug auf Hitze und Waldbrände. Eigentlich sei es bereits fünf nach zwölf. "Wir haben die Uhr schon überdreht", sagte Bug und mahnte: "Tut was!" - Landrat Thomas Bold überreichte zum Abschied an beide Kreisräte das Landkreisehrenzeichen in Gold. Für Albert und Bug neu vereidigt wurden am Montag im Kreistag Andreas Trägner (Freie Wähler, Münnerstadt) und Norbert Schmäling (ÖDP, Oberthulba). Beide sind mit der Kommunalpolitik schon längst vertraut. Schmäling war bis 2008 politisch noch nicht aktiv gewesen. Dann trat er bei der Landratswahl 2008 für die Listenverbindung von Grünen/BfU/ÖDP überraschend gegen Amtsinhaber Thomas Bold (CSU) und Hermann Grollmann (Bürger mit Grollmann) an. Er erreichte damals achtbare 19,6 Prozent. Zudem war Schmäling 2008 Landtagskandidat der Grünen. 2014 bis 2020 saß er schon einmal eine Wahlperiode lang im Kreistag. Doch die Wählerstimmen reichten 2020 nicht aus. Er schied aus. Jetzt rückt Schmäling auf der Liste für Waldemar Bug nach. Der 63-Jährige ist auch Geschäftsführer des Bürgerwindparks Langes Schiff und er führt die Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz an.

2. Bürgermeister in Münnerstadt

Andreas Trägner ist seit 2008 im Münnerstädter Stadtrat. Er engagierte sich früh bei den Freien Wählern Münnerstadt und war dort von 2015 bis 2021 Vorsitzender. Mitte 2017 wurde er, als Michael Kastl sich aus dem Stellvertreter-Amt zurückzog, zum 2. Bürgermeister der Stadt gewählt. Bei der Kommunalwahl 2020 trat er für die Freien Wähler als Bürgermeisterkandidat an. Gewählt wurde dann Michael Kastl. Trägner wurde schließlich im März 2020 zum 2. Bürgermeister gewählt.

Landrat Bold hatte noch eine Nachricht parat: CSU-Fraktionschef Siegfried Erhard (Oerlenbach) gab jetzt sein Amt an Martin Wende (Hammelburg) weiter. Isolde Krapf