Mike Richter ist so ziemlich alles, was Brigitte Meyerdierks (CSU) nicht ist: Er ist ein Mann, vom Militär, Familienvater, evangelisch und parteilos. "Nur mit Freien Wählern, die sich um die Kommune und nichts anderes kümmern, kann man eine Gemeinde aktiv gestalten", ist der 41-Jährige überzeugt. Deshalb sei er für die Parteilose Wählergruppe - FW Freie Wähler (PWG) angetreten und engagiere sich auch in seiner Heimatgemeinde Sinntal für die Bürgerliche Wählergemeinschaft (BWG).


Richter will in Oberzell bleiben

Dort wird übrigens am 4. September gewählt. Doch gegen Amtsinhaber Carsten Ullrich (SPD) wollte Mike Richter nicht kandidieren. Der Grund: Von 2011 bis zur Kommunalwahl im März 2016 gehörte Mike Richter zum Gemeindevorstand. Das Gremium verantwortet zusammen mit dem Bürgermeister alle politischen Entscheidungen der vergangenen Wahlperiode. Sich nun mit Ullrich über Themen zu streiten, die gemeinsam beschlossen worden seien, erschien ihm nicht sinnvoll. "Für ihn nicht, für mich nicht und am wenigsten für die Gemeinde Sinntal", begründet Richter.

Die Brückenauer freilich sehen das mit gemischten Gefühlen. "Ein Preuße!" Damit könne er gut leben, sagt Richter, von seinem Grundstück sei es keine drei Kilometer bis zur Landesgrenze. Das Haus, in dem auch seine Eltern leben, gehöre in dritter Generation der Familie. "Der Weg zum Rathaus von Bad Brückenau ist kürzer als zum Rathaus in Sterbfritz", sagt er. Dass der Oberzeller nicht in die Kurstadt ziehen will, stößt vielen Brückenauern auf. Doch Richter bleibt konsequent: "Ein Umzug kommt frühestens in der zweiten Wahlperiode in Frage."

"Wenn ich Bürgermeister werde, bin ich für Bad Brückenau da", lässt Richter keine Zweifel aufkommen. Von seinen Ämtern in der Gemeinde Sinntal trete er im Falle eines Wahlsieges zurück, das sei längst abgestimmt. Auch die Bundeswehr würde ihn vom Dienst freistellen. Den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft der Oberzeller Vereine gäbe er ab.


Schlüsselpersonen ins Boot holen

Die Kernforderung seiner Kandidatur ist sein Führungsanspruch. "Führung muss man gelernt haben, Verantwortung für Menschen und Material zu übernehmen", sagt der Berufssoldat. "Da scheint's ein bisschen zu zwicken." Den Stadtrat wolle er viel mehr in Entscheidungen einbinden und alle Fraktionen auf einen einheitlichen Informationsstand bringen, um eine breite Meinungsbildung zu ermöglichen. "Ich stehe dafür, dass jeder in einer Fraktion seine eigene Meinung vertreten darf", sagt Richter.

Aber nicht nur den Stadtrat, auch die Vereine will Richter besser integrieren und die Menschen in der Stadt ins Gespräch bringen. "Dann geht vieles einfacher, so wie ich das bei uns geschafft habe", sagt Richter und erzählt von der Bürgerwette der Kinzigtal Nachrichten Mitte August. In nur vier Tagen habe er 24 Stationen (gefordert waren zehn) für das lebendige Heimatmuseum auf die Beine gestellt - mitten in der Urlaubszeit.

Mike Richter will die Stadt bekannter machen. Schnell soll ein Konzept zur Belebung der Innenstadt ausgearbeitet werden, heißt es in seiner Wahlbroschüre. "Es gibt Städte, die das geschafft haben", sagt Richter und nennt als Beispiel Hofheim in Unterfranken und Bad Münstereifel. "Das kann man nicht erzwingen", ist er sich der sensiblen Situation bewusst. Er wolle reden, Ideen sammeln und das Potenzial von Schlüsselpersonen gezielt fördern.


Motivator und Macher

Seine Ideen präsentiert er mit einer Spur Verbissenheit. Erst wer ihm länger zuhört, merkt, dass Mike Richter es im Grunde gut meint. Sich selbst beschreibt er als Motivator und als Macher. Alle Stimmen zu hören und dann eine Entscheidung zu treffen, gehöre zu seinen Grundsätzen. "Ich bin jemand, zu dem die Menschen schnell Vertrauen fassen", sagt er. Nicht umsonst sei er auf Anhieb zum Personalratsvorsitzenden des Bereichs Truppenübungsplatzkommandantur Süd in Wildflecken gewählt worden, noch neu in der Abteilung. Für eine reibungslose Organisation zu sorgen, sei seine Stärke. An einer Stelle aber hakt es: "Ich bin kein Spezialist in Sachen Technik. Da brauche ich Hilfe", gibt Richter offen zu.

Was Amtsinhaberin Brigitte Meyerdierks gut kann? "Sie ist überall präsent", antwortet Richter. Und Claudio Kleinhans? "Ich finde es mutig, dass er mit 23 Jahren Bürgermeister werden will", sagt Richter. Dass sein Auftritt beim Wahlforum der Stadtratsfraktion FDP/ Freie Bürger floppte, erklärt er so: "Es gab nur zwei Möglichkeiten. Entweder wird das Ferienprogramm für die Kinder abgesagt oder ich komme eben nur kurz." Ersteres sei für ihn nicht in Frage gekommen.


Zur Person: Mike Richter

Lebenslauf Mike Richter wurde am 22. April 1975 in Bad Brückenau geboren. Er stammt aus und lebt in Oberzell, ist verheiratet und hat eine Tochter. Richter lernte zunächst Groß- und Außenhandelskaufmann und machte die Meisterschule zum Personalfachkaufmann. Seit 1995 arbeitet er als Berufssoldat bei der Bundeswehr. Seit 2015 ist er als Kompaniefeldwebel und Personalfeldwebel im Bereich der Truppenübungsplatzkommandantur Süd, Wildflecken, eingesetzt.

Kommunalpolitik In der hessischen Nachbargemeinde Sinntal ist Richter seit zehn Jahren aktiv. Von 2006 bis 2011 saß er in der Gemeindevertretung, von 2011 bis zur Kommunalwahl im März 2016 im Gemeindevorstand. Danach wechselte er erneut in die Gemeindevertretung, führt die Fraktion der Bürgerlichen Wählergemeinschaft (BWG) an. Zudem engagiert er sich als Ortsvorsteher von Oberzell, ist stellvertretender Vorsitzender der Gemeindevertretung Sinntal und gehört dem Ältestenrat an.