Es wird in Zukunft weniger Menschen geben, die in Nüdlingen leben. Und: Die Bewohner Nüdlingens werden im Durchschnitt älter sein als jetzt. Das ist die Prognose für das Jahr 2033. Dies könne nur durch Zuwanderung oder mehr Babys kompensiert werden. Geschieht dies nicht, drohen leerstehende Häuser und Wohnungen. Sollten in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren keine passenden Strategien entwickelt werden und geplante Veränderungen nicht umgesetzt werden, so zeichnet sich für den Ortskern und die Neubaugebiete der 70er Jahre in Zukunft eine "substanzgefährdende Situation" ab.

Diese Prognose gaben die Städteplanerinnen Christiane Wichmann und Leonie Kuhn vom Architektur- und Ingenieurbüro Perleth aus Schweinfurt im Rahmen einer Auftaktveranstaltung zum ISEK. "ISEK", das ist die Abkürzung für die etwas sperrige Bezeichnung "Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept". Oder wie es Joachim Perleth vom Architektur- und Ingenieurbüro beschreibt: "Vorplanen, um nicht hinterher zu stolpern und reagieren zu müssen."

Der Wandel in der Bevölkerung, in der Wirtschaft, bei der Digitalisierung und beim Klima betrifft auch Nüdlingen. Die Gemeinde ist auf staatliche Förderung angewiesen, um diesen Wandel mitgehen zu können. "Den erforderlichen Umbauprozess kann die Gemeinde aus eigener Kraft und ohne hinreichende Förderung von außen nicht meistern", macht Städteplanerin Christiane Wichmann ergänzend deutlich.

Das Projekt wird vom Staat gefördert

Von der Städtebauförderung des Bundes und der Länder gibt es finanzielle Hilfe für das Projekt. Im Juni kam der Förderbescheid der Regierung von Unterfranken, Nüdlingen beim ISEK zu fördern. Im Juli beauftragte die Verwaltung das Architektur- und Ingenieurbüro. Dieses trug bis jetzt erste Grunddaten zusammen.

Ende November gab es eine Auftaktveranstaltung, die das Ziel hatte, die Menschen über das ISEK-Projekt und dessen Prozess zu informieren und mit Bürgerinnen und Bürgern Ideen und Visionen für die Zukunft Nüdlingens zu entwickeln. Es galt 2G plus für die Anwesenden, deshalb wurde die Veranstaltung für die Bürger, die nicht teilnahmen, aufgezeichnet und auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht.

Auftaktveranstaltung

Die Anwesenden schrieben auf Plakate, die an Stellwänden in der Schlossberghalle hingen, was ihnen in Nüdlingen besonders gut gefällt und was ihnen fehlt. Themen waren: "Gebauter Raum", "Lokale Ökonomie", "Freizeit, Kultur und Tourismus", "Dorfgemeinschaft und Daseinsvorsorge", "Verkehr" und "Ökologie". Im März sei eine weitere große Bürgerbeteiligung geplant, ein "Marktplatz der Ideen", kündigte Wichmann an.

Die Gemeinde hat zwei Vertiefungskonzepte beim Büro in Auftrag gegeben: Den Saint-Marcel-Platz und den Bereich beim Gasthaus Stern sollen die Planer genauer analysieren, um Entwicklungsmöglichkeiten für einen gesellschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt im Ort zu prüfen.Auch der Verkehr im Ort soll einer vertieften Analyse unterworfen werden.

Sanierungen von der Steuer absetzen

Das genaue Sanierungsgebiet stehe noch nicht fest, sagte Wichmann. Es gibt aber eine örtliche Einschränkung: "Es geht nur um Nüdlingen, Haard ist nicht dabei." Wenn die genauen Gemarkungsgrenzen am Ende des Prozesses feststünden, gebe es eine große Informationsveranstaltung für Bürger, kündigte sie an. Bis dahin sollten sich die Menschen mit größeren Sanierungen gedulden, denn nur wenn die entsprechenden rechtlichen Vereinbarungen mit der Gemeinde im Rahmen von ISEK getroffen seien, könnten die Bürger im Sanierungsgebiet die Sanierungen zu großen Teilen von der Steuer absetzen.

Ideen und Vorschläge erwünscht

Bürgermeister Harald Hofmann (CSU) sagte am Schluss der Veranstaltung: "Das war die Auftaktveranstaltung. Es ist nicht das Ziel heute Abend, alle Punkte zu diskutieren." Er bat die Anwesenden: "Seien sie bitte Multiplikatoren. Sprechen Sie in Ihrem Bekanntenkreis darüber, mit Ihren Nachbarn, im Verein."

Man sei offen für jede Idee und er nannte selbst ein Beispiel: "Links geht eine Rolltreppe auf den Wurmerich rauf, rechts geht eine Rolltreppe runter. Für Ältere wäre es bestimmt nicht schlecht." Ob man das realisieren könne, sei die Frage, aber er wünsche sich, dass die Bürger die Gemeinde und das Büro mit Anregungen zum ISEK überschütteten.

Das sind die Stichworte, die bei der Befragung der Bürgerinnen und Bürger Nüdlingens zusammengekommen sind:

Nüdlingen: Was den Bürgern gut gefällt

 • bestehende Wiese und Ackerfläche am westlichen Ortseingang / Ackerflächen am nord-westlichen Ortsrand

 • Mehrgenerationenhaus im Oberweg

 • Kindergarten

 • Parkplatz am Friedhof

 • Sportheim des TSV Nüdlingen

 • südlicher Weg "Wurmerich" Richtung Naturfriedhof

 • Freizeitanlage "Schenkgasse-Kochgasse"

 • Hofmann-Fruchtsäfte

 • Seniorengerechte Wohnanlage mit Tagespflege (Ümpfigstraße)

 • Grüngutsammelstelle

 • Spiel- und Freizeitplatz Lehmgrube

Gebauter Ort

 • große Möglichkeit der Naherholung

Lokale Ökonomie

 • gute Versorgung für täglichen Bedarf

Verkehr

 • Dazu fiel den Bürgerinnen und Bürgern nichts Positives ein.

Ökologie

 • Photovoltaik und Windkraftnutzung

 • Öko-Nische an der Schule

Freizeit, Kultur und Tourismus

 • Bücherei / Kulturreihe der Bücherei

 • Kneippanlage

 • schöne Wanderwege

Dorfgemeinschaft und Daseinsvorsorge

 • viele Vereine, große Auswahl

 • Musikvereine und Chöre

 • Kindergarten und Schule im Ortskern

Nüdlingen: Hier sehen die Menschen Handlungsbedarf

 • Ortsdurchfahrt Kissinger Straße und Münnerstädter Straße

 • Baulücke im Gewerbegebiet Am Sinnberg / in der Ümpfigstraße

 • Obere Mühle

 • Brachflächen zwischen Oberweg und Riedweg / westlich des TSV-Geländes / westlich der Schlossberghalle / zwischen Robertsgäßchen und Hindenburgstraße / zwischen Haardstraße und Mühlgasse / zwischen Hohlweg, Heßgraben und Mühlgasse

 • Fußweg zwischen Hochstraße - Bergstraße - Oberweg / kreuzender Fußweg in der Kochgasse / Weg zwischen Am Bödelein und Hohlweg

 • Ackerfläche am nördlichen Ortsausgang östlich der Haardstraße

 • Burgstall Hunberg

 • Grundschule

 • Kreuzungen zum Gewerbegebiet am westlichen Ortseingang / am östlichen Ortseingang / Kreuzung Kapellenstraße - Wurmerich / Kreuzung Kissinger Str. - Wurmerich - Kochgasse

 • Kirchplatz

 • Feuerwehrhaus

 • Saint-Marcel-Platz

 • ehemaliges Einkaufszentrum in der Schenkgasse

 • westliches Quartier Ümpfigstraße - Haardstraße

Das fehlt Bürgern / Das finden sie in Nüdlingen negativ

Gebauter Ort

 • Ortsdurchfahrt, zu wenige Parkmöglichkeiten

 • Ortsbild im Kern ("graue Städtemauern") / Inaktiver Ortskern mit niedrigem Nutzungswert / Wohlfühlplätze

 • Flüsterasphalt im Wurmerich

 • Leerstände beseitigen / höhere Förderung der Revitalisierung von Leerständen (Zuwachs von Familien) (Wohneigentum)

Lokale Ökonomie

 • Gewerbegebiet zu Fuß schlecht zu erreichen; auch die Lebenshilfe

 • fehlende Möglichkeiten/Flächen für Gewerbebetriebe

 • schlechte Internetverbindung (privat/Gewerbe)

 • Kleingewerbe stärker unterstützen

Verkehr

 • verpasste Umgehungsstraße / Durchgangsverkehr der B 287 und KG 17 raus aus Nüdlingen / Kreisverkehr Ortseinfahrt (Bad Kissingen und Münnerstadt) zur Verkehrsberuhigung

 • Parken oft nur an der Straße mit erheblicher Verkehrsbehinderung möglich / Wohngebiet, Ecke Aschacher Weg (Neubau großes Mietshaus) Parksituation in der Kreuzung

 • für Berufstätige ungeeignete Busverbindung nach Bad Kissingen, Bad Neustadt und Münnerstadt

 • Vorfahrt für Radfahrer / Fahrradweg nach Bad Neustadt und Münnerstadt

 • Car-Sharing

Ökologie

 • Kopierer fehlt (Münzkopierer)

 • Freiflächen-Photovoltaik / Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden

 • Energetische Sanierung innerorts schwierig -> Nahwärmenetz / Energieautarkie fehlt

 • Kläranlage Schlossberghalle

 • Neue Schule

Freizeit, Kultur und Tourismus

 • Jugendraum oder Jugendzentrum / Konzerte für Jugend

 • öffentlicher Grillplatz / "lebendiger" Dorfplatz

 • Veranstaltungszentrum

 • Wohnmobilstellplatz

 • Kleinkunstbühne Radwegführung im Ortskern

Dorfgemeinschaft und Daseinsvorsorge

 • in nächster Zeit Ärztemangel / Hausärzte mit moderner Ausstattung (z.B. Kommunikation)

 • Funklöcher

 • Kommunikation zwischen Kindergarten und Schule (bauliche Nähe)

Nüdlingen: Das ist den Bürgern außerdem wichtig

 • Erweiterung Baugebiet bei Aschacher Weg (eben, ortsnah)

 • in Neubaugebieten Photovoltaik und Zisternen vorschreiben

 • Anbindung nördlicher Landwirt über Straße bei Kläranlage

 • Co-Working-Space, zum Beispiel Alte Schule/Stern

 • Gewerbe-Ring

 • Verkehrsführung teilweise ändern / Einbahnstraßen und Gehsteige fehlen / mehr Radwege / Überquerung der Hauptstraße beim Tegut

 • Aufklärung und Infos über Überschwemmungsgebiete in der Ortsmitte

 • Flächen sparen

 • Innenentwicklung vor Neubaugebieten im Außenbereich

 • Infotafel/-blatt für/über Veranstaltungen - fester Platz am Rathaus (nicht jeder hat Internet)

 • (Teil-)Reservierung freier Wohnungen der neuen Altenwohnungen (per Warteliste)

Online-Vortrag

 Auf der Internetseite von Nüdlingen lässt sich der Vortrag  im Nachhinein ansehen. Dort findet sich auch eine ausführliche Dokumentation der Veranstaltung. Wenn Bürgerinnen und Bürger noch Anregungen haben, können sie sich bei der Gemeinde oder beim Büro Perleth melden: info@nuedlingen.de oder leonie.kuhn@architekt-perleth.de, Tel.: 09721/ 67 519 138