Mit einem Abschlusskonzert ging der Bad Bockleter Musikfrühling im Kursaal zu Ende. Dabei hatte man sich noch einmal etwas ganz besonderes ausgedacht, wie der künstlerische Leiter und Dirigent Hermann Freibott betonte. Mit dem Streichtrio des zeitgenössischen Komponisten Alfred Schnittke hatte man auch ein Stück der "Neuen Musik" auf dem Programm. "Dieses ist wunderbar, für den einen oder anderen wird es jedoch auch gewöhnungsbedürftig sein. Wir wollen anregen, aber auch ein wenig aufregen", sagte Freibott mit einem Schmunzeln. "Aber die Besucher sind ja mündige Leute, die so etwas vertragen."
Und tatsächlich war das Streichtrio, das 1985 uraufgeführt wurde, ein Musterbeispiel für den durchaus als eigenwillig zu bezeichnenden Stil Schnittkes. In polystilistischer Manier waren Anklänge an berühmte Komponisten wie Schubert, Mahler und Alban Berg auszumachen. Dennoch kam hier keine Walzerseligkeit auf, sondern das Stück verblüffte mit unerwarteten Wendungen, die bis ins Komische verzerrt wurden. Dissonanzen wurden hörbar, wobei die Streicher hochkonzentriert spielten. Die Spannung des Stücks war den Zuhörern regelrecht anzumerken, harmonische Töne und scheinbar bekannte Weisen wiegten in Sicherheit, bevor sich urplötzlich Dissonanzen auftaten, die verstörend für klassisch geschulte Ohren wirken konnten. Als Ohrenschmeichler konnte man das Stück tatsächlich nicht bezeichnen, aber es zeichnete Freibott als künstlerischen Leiter der Reihe aus, dass er und seine Solisten sich auch an solch eher selten zu hörende Stücke wagten. Und die Zuhörer zeigten sich in dieser Hinsicht auch sehr offen: tosender Applaus für die gelungene Darbietung des Trios war die Folge, was zeigte, dass auch zeitgenössische Musik in Bad Bocklet gut ankommt.

Gefühlvoll und kräftig

Ganz in die klassische Richtung ging es mit dem Hornkonzert Nr. 2. in D-dur von Joseph Haydn. Diese weithin bekannte Weise gefiel dem Publikum, was nicht zuletzt am Hornisten Kristian Katzenberger lag, der es verstand, seinem Instrument eine Seele einzuhauchen und die Zuhörer zu verzaubern. Eindrucksvoll zeigte er, welchen Stimmungsumfang man mit dem Horn zaubern kann. Sehr gefühlvolle Passagen wechselten sich mit kräftigen Teilen ab, Katzenberger brillierte dabei souverän in seinem Spiel. Das Orchester wurde mit sehr viel Applaus und mit Bravo-Rufen vom Publikum belohnt.
Nach der Pause gab es die Serenade für Streicher in E-dur, Opus 22 von Antonín Dvorák. Getragen kam der erste Satz daher, mit melancholischen Anklängen, die in fröhlichere Passagen mündeten, die Stimmung wurde von den Streichern sehr gut getroffen. Schneller und temperamentvoller war das Tempo di Valse, lebhaft das Scherzo und das Larghetto sehr verträumt, so, wie es vom Komponisten gefordert wurde. Das Finale war dann noch einmal sehr lebhaft und mitreißend, der Spaß, mit dem die Streicher das Stück spielten, war ihnen regelrecht anzumerken. Mit viel Applaus und Bravo-Rufen ging das Konzert dann in eine Zugabe über.
Man darf sich auf eine Wiederholung der Reihe im nächsten Jahr freuen. "Es ist schön, dass wir die Konzerte hier in Bad Bocklet ansiedeln können", meinte Bürgermeister Wolfgang Back. Mit Hermann Freibott habe man einen fähigen Künstlerischen Leiter der Reihe verpflichtet, der durch seine guten Beziehungen und persönlichen Kontakte zu den Musikern dafür sorgen konnte, dass den Zuhörern etwas ganz besonderes geboten wurde.