"Ein Hirsch manifestiert noch kein Heimatgefühl, eher eine Freude an Kitsch. Oder sagen wir: einen schmerzfreien Umgang mit Motiven, die an den Geschmacksnerven kitzeln. Ruth Grünbein hat jedenfalls keine Hemmungen, einen Hirsch unter Palmwedel zu stellen, einem Mops Flügel zu verleihen und Affen von einem Chandelier baumeln zu lassen", hieß es vor vier Jahren in der "Süddeutschen Zeitung". Die Schweinfurter Künstlerin stellt eineinhalb Dutzend ihrer allesamt ziemlich großformatigen Werke unter dem Titel "Heimat" ab Samstag, 8. September, in den Ausstellungsräumen des Deutschordensschlosses aus. Der Verein der Museumsfreunde Münnerstadt, der jedes Jahr drei Ausstellungen organisiert, hat die 65-jährige Künstlerin nach Münnerstadt geholt.

Mini-Weißwürste im Vogelnest

Die Bilder zeigen tatsächlich oberbayerische Heimatmotive, aber in mehr oder weniger ironisierender Sichtweise. Da stechen zum Beispiel Mini-Weißwürste im Vogelnest auf weiß-blauem Rautenmuster ins Auge. "Kuckuckswürste" hat die Künstlerin dieses 90 mal 130 Zentimeter große Bild genannt. Überhaupt - "je größer, desto besser", sagt sie über ihre Leinwand-Formate, und "ich kann mir auch drei mal fünf Meter vorstellen. Ich kann nicht an einem Tisch oder an einer Staffelei arbeiten. Ich brauche große Wände."

Auch die Parole "Mia san mia!" hat sie großflächig auf Leinwand gebannt. "Das finde ich durchaus nicht überheblich", sagt die bekennende Fränkin dazu. Das Oktoberfest in all seinen Facetten darf selbstverständlich nicht fehlen. Schlichtweg "Wies'n" hat sie ihre 180 mal 200 Zentimeter große Interpretation genannt. Für Ruth Grünbein fast schon kleinformatig ist der an einen Wolpertinger erinnernde Hase mit Geweih, der 'nur' 90 mal 60 Zentimeter misst und den Titel "born in bavaria" trägt. Der bayerische Löwe ist selbstverständlich auch mit von der Partie. Auf 120 mal 90 Zentimeter Leinwand brüllt er dem Betrachter "Heimat" entgegen. Nicht zu vergessen ist das Alpenpanorama mit echten Gardinchen aus Stoff.

Katalog zeigt etwa 45 Bilder

Die eineinhalb Dutzend Bilder, die ab Samstag im Deutschordensschloss gezeigt werden, sind nur Teil einer größeren Serie zum Thema "Heimat" von Ruth Grünbein. Der sehenswerte Katalog, der bei der Ausstellung ausliegt, zeigt etwa 45 Bilder.

Ruth Grünbein wurde 1953 in Schweinfurt geboren. Studienaufenthalte in New York und Venedig haben ihren Stil mit geformt. Sie hat seit 1996 an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen. Weitere Informationen über sie gibt es auf ihrer Internetseite www.ruthgruenbein.de.

Eröffnung am 8. September

Die Ausstellung wird am Samstag, 8. September, um 19 Uhr im Deutschordensschloss eröffnet. Über die Künstlerin und ihr Werk spricht Georg Seifried, Mitglied im Vorstand des Museumsvereins. Die Ausstellung ist bis zum 30. September freitags bis sonntags, jeweils 14 bis 17 Uhr, zu sehen. Eintritt frei.