Die Gastfreundschaft ist Anne und Lisa Vogel quasi in die Wiege gelegt. Schon ihre Ururgroßeltern Kilian und Barbara Heim bewirteten die Besucher im "Goldenen Stern" in Pfaffenhausen. "Sie haben das Anwesen 1903 aus einer Insolvenz ersteigert", hat Anne herausgefunden, die sich mit der Geschichte ihrer Familie und des Gasthauses beschäftigt hat.

Zur Gaststätte gehörte damals noch eine Landwirtschaft. Sie wurde aber schon in der nächsten Generation abgegeben, weil die viele Arbeit nicht zu bewältigen war. Zwischen 1935 und 1938 übernahmen Fridolin und Berta Schaupp das Gasthaus. "Wann genau, wissen wir leider nicht, es gibt keine Unterlagen mehr", berichtet Anne Vogel.

Vom Lagerberg ins Gasthaus

Mit der Ansiedlung der Bundeswehr nahm die Zahl der Gäste merklich zu, die Soldaten hatten es nicht weit vom Lagerberg. "Es gab einen Kicker und Spielautomaten, und einige kamen auch zum Mittagessen hierher", hat Lisa von ihrer Großmutter erfahren. 1963 wurde das alte Gebäude abgerissen, neu gebaut, das Anwesen komplett renoviert. 1972 wurde das Gasthaus um einen Festsaal erweitert, 1973 kamen die Gästezimmer hinzu.

"Als es in Hammelburg noch die Onkologie gab, haben hier auch Angehörige von Patienten aus dem Ausland übernachtet, zum Beispiel aus Dänemark oder Holland", weiß Anne Vogel. Heuer sind es oft Durchreisende, die auf der A7 unterwegs sind und Station machen.

Größere Gesellschaften

1975 übernahmen Oskar und Elfriede Schaupp den Betrieb. Besuchten in den Jahrzehnten zuvor fast nur die Männer aus dem Ort den "Goldenen Stern", so fanden in den 70er Jahren zunehmend auch Familienfeiern statt. "Die Leute hatten jetzt mehr Geld und konnten es sich leisten", hat Anne sich berichten lassen. So gab es im Festsaal nicht selten größere Gesellschaften mit über 100 Gästen. Im Saal traf sich ebenso die katholische Jugend zu Tanzkursen. "In den 80er Jahren war das Gasthaus auch der Jugendtreff im Dorf", erzählte Mutter Gudrun den Töchtern. Die jungen Leute haben hier gern auch Tischfußball gespielt. Eine besondere Ehre wurde dem Gasthof 1989 zuteil. Da ließ sich der Weihbischof nach der Altarweihe in der Kirche bewirten.

Theater gespielt wurde im "Goldenen Stern" ebenfalls. Ab Ende der 90er Jahre führten die Laienspieler vom Lederhosenstammtisch im Saal ihre Stücke auf. Seit 1996 können die Gäste auch draußen sitzen, der neue Biergarten wurde eröffnet.

Bekannt ist das Lokal für sein gutbürgerliches Essen. Bis 1995 wurde sogar noch vor Ort geschlachtet. Die Hausschlachtungen gibt es heute nicht mehr, doch die Hausmacher Wurst für die Gäste wird immer noch selbst produziert. Küchenchef ist Günther Vogel. Der Schwiegersohn der Schaupps übernahm den Betrieb 2006. "Die beliebten Knobelinen stellt er nach einem Geheimrezept her, das von Generation zu Generation mündlich weitergegeben wird", betont Anne Vogel.

Neben den Familienmitgliedern haben schon immer Frauen aus dem Ort in der Gaststätte geholfen. Auch die Großmutter arbeitet noch mit. "Und Opa ist der Entertainer. Er kennt viele Leute, erzählt Geschichten von früher und hat immer einen Spruch parat", schmunzelt Enkelin Lisa. Der Großvater ist bekannt und beliebt, und wenn die Einheimischen sich im "Goldenen Stern" treffen wollen, dann sagen sie meist einfach "Wir gehen zum Oskar".

Ob Anne und Lisa eines Tages in die Fußstapfen ihrer Vorfahren treten, steht noch in den Sternen. Derzeit studieren beide BWL in Bamberg. Anne war früher bei FAG in der Personalabteilung tätig, ist momentan für das Studium freigestellt, würde auch gern wieder bei FAG einsteigen. Doch wer weiß, was die Zukunft bringt. "Wir hängen auch mit Herzblut an dem Gasthaus. Wir haben wunderschöne Stunden mit unseren Stammgästen erlebt. Viele kennen uns ja noch aus der Zeit, als wir in den Windeln lagen", schildert sie ihre gemischten Gefühle.

Jubiläum soll gefeiert werden

Entscheiden müssen sich die jungen Frauen auch noch lange nicht, heuer machen sie sich erstmal über das Jubiläum Gedanken. Die 110-jährige Geschichte des Gasthauses soll nämlich mit einer Reihe besonderer Angebote auch gebührend gefeiert werden.