Im Mittelpunkt stand der Umbau seines Elternhauses, dem der Garitzer bildhafte Alltagsszenen rund um Nachbarn, Architekt und Handwerker entlockte und die den 1200 Gästen im Kurpark nicht unbekannt waren.

"Das fühlt sich gut an", so sein von einem breiten Grinsen begleiteter Begrüßungssatz, und dem folgte das neue Programm "Verrückt nach Müller". Die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen bestimmte den Anfang des Programms, wobei Michl Müller die neuen Rituale mit ihren witzigen Komponenten in den Vordergrund stellte: Selbstgenähte Masken aus Unterhosen mit Eingriff für die Nase, veganes Kochen mit einer Ergänzung durch Spießbraten-Brötle, Thermomix-Zaubern mit italienischem Brotaufstrich, Kochkäse und Eierlikör.

Home-Office oder Allerheiligen auf dem Friedhof?

Das Homeoffice mit seinen Videokonferenzen erinnerte ihn an Allerheiligen auf den Friedhof, wenn der Lautsprecher defekt ist und nur noch Wortfetzen zu hören sind, und die Hygieneregeln brachten für Männer eine neue Erfahrung: nach dem Pieseln die Hände waschen. Auch das TV-Programm bekam sein Fett weg, das - egal ob "Shopping-Queen", "Perfektes Promi-Dinner" oder "Bauer sucht Frau" - nur mit einem gewissen Promille-Wert zu ertragen sei. Mit sichtlichem Vergnügen, unterstützt durch Mimik und Gestik, schmückte er diese Alltagsszenen aus und erreichte damit unmittelbar das Zwerchfell der Gäste. Etwa mit einer bildhaften Sequenz aus dem Friseursalon und dem überdrehten Spruch "Ist es so angenehm?", wenn das zu heiße Wasser über die Kopfhaut fließt, oder seiner pragmatischen Empfehlung für den Martinsumzug: "Wenn die Stäbe für die Laterne 1,50 Meter lang sind, hält man die Abstände ein."

Immer wieder griff er zur Belustigung der zahlreichen älteren Gäste auf Kindheitserinnerungen zurück, wenn Oma als Gesundheitsministerin der Familie vor Hämorrhoiden warnte und er damit "Schnapspralinen von Sarotti" verband oder die Wurstanschnitte aus der Metzgerei als "Wundertüte" bezeichnete und vor denen mit dem gezackten Rand warnte: "Da hatte die Verkäuferin schon reingebissen."

Wenn der Umbau des Elternhauses traumatisiert

Der Rest des über dreistündigen Programms war den traumatischen Erfahrungen aus dem Umbau des Elternhauses gewidmet. Dazu nutzte Müller die dörfliche Sicht mit dem typischen Verhalten, wenn zum Beispiel die Nachbarn im Container mit den entsorgten Gegenständen noch Nützliches finden oder der Bauschutt-Container sich wundersamerweise über Nacht füllt oder dem Kissinger Bauamt "ein Arbeitstempo wie eine tote Schildkröte" bescheinigt wird.

Diese Bauarbeiten boten ihm einen wundervollen Rahmen, den er ausgiebig und humorvoll füllte - egal ob es um die Lieferung der Fenster ging, die in drei Wochen versprochen war und die sich um mehr als ein Jahr verzögerte, oder die Diskussionen um Fließbetonboden, Kloschüssel mit Touchscreen oder Lichtschalter, die per Handy programmierbar sind und damit eigentlich überflüssig wären.

Dübel, Mörtel und Boschhammer

Wie in seinen bisherigen Programmen nutzte Müller Protagonisten wie den "unkonventionellen Architekten Rudi", der die Seele der Hauses erspürte und immer neue, kostspielige Ideen aus dem Hut zauberte, die drei Bauarbeiter Dübel, Mörtel und Boschhammer, die im Sekundentakt Wände einreißen und an anderer Stelle wieder hochziehen, oder einer Verputzerkolonne, die ein buddhistisches Schweigegelübde abgelegt hatte und tagelang nicht zu sehen war.

Immer wieder nutzte Müller seine humorvollen Schilderungen als Bauherr für elegante Überleitungen. Die Küchenplanung verband er mit einem Bekenntnis zur Rowenta-Kaffemaschine und deren Vorteile gegenüber den kommunizierenden Kaffeevollautomaten, die nach 20 Minuten Zischen und Gurgeln einen Espresso fabrizieren. Letztlich wurde Müllers Umbau doch kein zweiter Berliner Flughafen, denn er ließ das Publikum an der Einweihungsfeier teilnehmen, bei der man alle Genannten und alle Anekdoten im Schnelldurchlauf nochmals erleben durfte.

Ein Medley zum Abschluss

Nicht nur der Schlusspunkt war eines seiner neuen Lieder, vielmehr hatte Müller die weiteren strategisch gesetzt und so konnte sich das Publikum warmklatschen zu "Männer, die bügeln, sind sexy" oder "Du bist mei Unnerhos" oder "Ich und mei Akkuschrauber". Dem begeisterten Schlussapplaus folgte noch ein Medley aus dem großen Fundus des Comedian, und die Müller-Fans stimmten bei "Vollwärmeschutz der Liebe" oder die "Fleischereifachverkäuferin" lauthals ein.