Die Sparten standen in Reih' und Glied, wurden aber nicht benötigt. Es war ein kleiner Ruck für den Staatssekretär, aber ein großer Moment für Bad Kissingen. Um 12.13 Uhr zog Franz Josef Pschierer (CSU) am Donnerstag an einem Joystick, den Kranführer Manuel Ambruß eingestellt hatte. Mühelos liftete die Maschine ein 400 Kilo schweres Teil: Die Umgestaltung des Luit poldbads in ein Behördenzentrum hatte begonnen.

Kaiserwetter und
Marschmusik. Die Ehrengäste im Hof der Anlage strahlen mit der Sonne um die Wette. Sie waren sich über alle Fraktionen einig: Ohne den Abgeordneten Robert Kiesel (CSU) wäre das Projekt nie in Angriff genommen worden.

"Einzig realistische Lösung"
Der Vielgelobte sagte es so: "Was lange währt..." Bezirkstagsvizepräsidentin Karin Renner (CSU) meinte, auf diesen Tag habe sie 30 Jahre gewartet.

Das Engagement von Kiesel unterstrich auch Finanz-Staatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU). Der habe die realitätsnahe Lösung entwickelt. Seine Idee, "die einzig realistische", sei es gewesen, hier ein zukunftsweisendes Behördenzentrum entstehen zu lassen. Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD), der Stadtrat und die SPD-Abgeordnete Sabine Dittmar hätten das konstruktiv begleitet. Pschierer sprach von "hartem Ringen". Er lobte die Bad Kissingerin Karin Lawall, die für das Luitpoldbad 30 000 Euro gesammelt habe. Das Geld werde für die Sanierung der Jugendstilfenster verwendet.

Bad Kissingen, so der Politiker, zeichne sich durch drei Dinge aus: Es habe im Krieg keine Zerstörung wertvoller Bausubstanz gegeben, die wunderbaren Anlagen und das kulturelle Angebot seien auf höchstem Niveau.
/> Maximal 32,4 Millionen Euro
Er skizzierte die lange Geschichte des Luitpoldbads. Seit Anfang der 90er Jahre habe es Bemühungen gegeben, neue Konzepte für die ungenutzte Immobilie zu entwickeln. Zunächst sollte das Behördenzentrum 22 bis knapp 24 Millionen Euro kosten. Jetzt belaufe sich das - limitierte - Budget auf 32,4 Millionen Euro. Dieser Deckel sollte aber auf dem Topf bleiben. Pschierer: "Wenn man als Finanz-Staatssekretär nach Bad Kissingen fährt, wird das in der Regel teuer."

Innen-Staatssekretär Gerhard Eck (CSU) versicherte Pschierer, nach Angaben der Planer werde der Kostenrahmen eingehalten. 80 bis 100 Millionen Euro habe der Freistaat in Bad Kissingen investiert. Mit dem Behördenzentrum setze der Freistaat ein wichtiges Zeichen, die Investition werde die Stadt weiterentwickeln, sagte Eck.
"Hat mich graue Haare gekostet"
Das Vorhaben habe ihn einige graue Haare gekostet, sagte Robert Kiesel. Es sichere langfristig den Behördenstandort und die Arbeitsplätze.

"Franz Josef Pschierer und Gerhard Eck haben sich für uns ins Zeug gelegt", sagte OB Blankenburg. Nach Jahrzehnten werde das Prachtgebäude aus der Lethargie gerissen, ein "Stachel " mitten im Kurbereich werde jetzt entfernt.

Das Behördenzentrum sei zwar für viele eine Vernunftehe und keine Liebesbeziehung. Es sei aber eine gute Lösung, "die wir uns nicht schlechtreden lassen". Er bedauere und akzeptiere, dass Robert Kiesel nicht mehr zur Wahl antreten wird.

Auch Landrat Thomas Bold würdigte Kiesels Arbeit. Er habe seinen Auftrag erfüllt. Es sei ein Glückstag für Bad Kissingen.
Geschichte Das Luitpoldbad wurde 1868 bis 1871 errichtet und war das größte Badehaus Europas. Es ist 140 Meter lang und 80 Meter breit, hatte nach der Erweiterung 1906 236 Badekabinen. Es steht unter Denkmalschutz und seit vielen Jahren - außer dem Trakt der Spielbank - leer.

Plan Vorgesehen ist eine Erhaltung in der bestehenden Struktur. Auf 3200 Quadratmetern sollen sechs Nutzer, darunter das Vermessungsamt und die Kurverwaltung, unterkommen. Das 2005 stillgelegte Mineralbewegungsbad wird abgerissen. Es gilt als architektonische "Bausünde". Die historischen Gebäude werden umfassend saniert und energetisch ertüchtigt. Ein Blockheizkraftwerk wird die Energie liefern. ed