Der kleine Hannes Gmeinder aus Thulba ist mobil. Er findet es super, dass er ab sofort mehr Bus fahren darf. Sein Fahrausweis gilt seit dem 1. Januar das ganze Jahr über für alle Buslinien. Das heißt, dass Hannes sowie alle anderen berechtigten Schüler und Auszubildenden im Landkreis jeden Bus des Verkehrsverbundes Kissingen mobil (Kim) kostenlos nutzen dürfen. Früher war das beispielsweise den ganzen August gar nicht möglich. Hannes will in den Sommerferien mit dem Bus öfter zum Eisessen fahren, oder seine Oma und seine Freunde besuchen.

Das neue Schülernetz wurde gestern von Landrat Thomas Bold (CSU) und den Projektpartnern vorgestellt. Es ist der zweite von drei Teilen der ÖPNV-Offensive , die der Landkreis mit den Staatsbädern Bad Kissingen, Bad Bocklet und Bad Brückenau sowie dem Verkehrsverbund Kim umsetzt. "Wir müssen die jungen Leute fürs Bus fahren begeistern", sagt Bold. "Alles, was man an Mobilität zusätzlich bereit stellt, ist ein Gewinn."

Flexibler Bus fahren

Michael Schäder, Nahverkehrsbeauftragter am Landratsamt, ist zufrieden. "Unser Ziel war es, die Flexibilität von Schülern und Auszubildenden zu verbessern", sagt er. Das wurde nach zähen Verhandlungen zwischen den Partnern erreicht; auf der einen Seite die öffentliche Hand, die die Beförderung finanziert und auf der anderen Seite die Unternehmen, die die Busse betreiben. "Ich denke, dass es ein interessantes Angebot ist. Die Resonanz ist durchwegs positiv", sagt Schäder.

Torsten Steige sieht das anders. "Meiner Meinung nach werden Berufsschüler schlechter gestellt", kritisiert der stellvertretende Rektor. Das neue Schülernetz sei für normale Schüler ein sinnvolles Angebot, für Auszubildende hingegen weniger. Es gebe an der Berufsschule Klassen, die einmal pro Woche Unterricht hätten. Diese Schüler benötigten keine Monats- und Wochen-, sondern Tageskarten. Die meisten Berufsschulklassen erhalten ein- bis zweiwöchigen Blockunterricht. "Eine Schülermonatskarte besitzt im Prinzip niemand", sagt Steige. Dadurch seien Berufsschüler oft auf die ermäßigte Freizeitkarte angewiesen.

"Wir hätten gern alle in einem Boot gehabt", erwidert Schäder. Landrat Bold betont, das sei aus tarifrechtlichen Gründen nicht möglich. Das Schülernetz wäre sonst nicht von der Bezirksregierung genehmigt worden. Dennoch profitieren die Berufsschüler. Speziell für sie wurden Wochenkarten eingeführt. Außerdem zahlen sie bei der ermäßigten Freizeitkarte im Vergleich zum normalen Tarifsystem nur einen symbolischen Betrag.

Das Geld stört die Berufsschüler Fabian Remling (16), Sebastian Müller (17) und Sophie Mettendorf (17) noch am wenigsten. Allerdings brauchen sie an zwei Wochentagen mehr als zwei Stunden mit der günstigsten Verbindung von der Berufsschule bis ins Lager Hammelburg. Um Abends etwas zu unternehmen sei man ohnehin auf das Auto angewiesen. Die drei finden den ÖPNV unattraktiv. "Ich würde den Bus schon gern nutzen. Aber wenn ich im März meinen Führerschein habe, fahre ich Auto", sagt Sebastian Müller.

Mehr Mobilität für Kurgäste, Schüler und Senioren

Offensive Seit 2014 erarbeitet der Landkreis gemeinsam mit den Staatsbädern Bad Kissingen, Bad Bocklet und Bad Brückenau sowie dem Verkehrsverbund Kissingen mobil (OVF, KOB, Günter Wolf und Walter Wolf, Weltz Stadtverkehr) eine Offensive für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Zielgruppen Die Offensive besteht aus drei Teilen: Kurgäste der drei Staatsbäder dürfen im Liniennetz des Landkreises kostenlos fahren (seit Juli 2014). Für Senioren soll im Frühjahr eine ermäßigte Monatskarte vorgestellt werden, die für das ganze Netz gilt. Schüler und Auszubildende die im Linienverkehr mit Schülermonats- und Wochenkarten fahren, beziehungsweise Schüler die in speziellen Schulbussen fahren, dürfen seit 1. Januar alle Linien das ganze Jahr kostenlos nutzen. Das Angebot gilt auch für die Stadtbusse in Bad Kissingen.

Freizeitkarte Für Schüler und Auszubildende, die nicht Bus fahrberechtigt sind, gibt es die ermäßigte Schülerfreizeitkarte. Das Angebot gilt wie die Schülermonatskarte. Weitere Informationen unter Tel.: 0971/ 801 5130 und auf der Homepage des Landratsamtes.