Die Polizeiinspektionen in Bad Kissingen, Hammelburg und Bad Brückenau sowie die Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck haben ihre Verkehrsbilanzen für das Jahr 2020 vorgelegt. Die Corona-Pandemie hat dabei einen Trend aus den vergangenen Jahren gestoppt: "Der langjährige Vergleich zeigt, dass die Verkehrsunfallzahlen im Landkreis Bad Kissingen stetig steigen", berichtet Polizeioberkommissar Florian Heuring vom Revier in Bad Kissingen. 2020 sanken die Unfallzahlen jedoch deutlich und erreichten den tiefsten Wert seit zehn Jahren.

"Die Lockdown-Monate wirken sich deutlich auf die Unfallzahlen aus", erläutert Heuring weiter. Auf den Straßen ging es ruhiger zu. Landkreisweit hat es 559 Mal weniger gekracht und es wurden 100 Menschen weniger verletzt. Hauptunfallursachen sind Fahrfehler etwa beim Abbiegen oder Ein- und Ausfahren, gefolgt von fehlendem Sicherheitsabstand. Hauptunfallursachen für schwere Unfälle sind laut Statistik zu schnelles Fahren, Missachten der Vorfahrt und Alkohol am Steuer. In Sachen zu schnelles Fahren hat die Polizei auf dem Bad Kissinger Ostring den traurigen Spitzenreiter geblitzt: 124 Stundenkilometer statt der im Ort erlaubten 60 km/h standen auf dem Tacho. "Die Anzahl der Geschwindigkeitsunfälle ist aber leicht rückläufig", sagt der Verkehrssachbearbeiter.

Drei Schulwegunfälle in Bad Kissingen, einer in Hammelburg

Die Polizeien zogen weniger Gurtmuffel und Alkoholsünder aus dem Verkehr, registrierten weniger Unfallfluchten und zählten weniger Fahranfänger und Senioren, die in Unfälle verwickelt waren. Ebenfalls positiv aus der Sicht Heurings: Schulwegunfälle sind auch "dank der intensiven Bemühungen der Verkehrserzieher" weiterhin sehr selten. Zwar verzeichnete die Kissinger Polizei in ihrem Dienstbereich drei Unfälle mit Schulkindern (2019 war es nur einer) - alle drei gingen jedoch glimpflich aus. Im Dienstbereich Hammelburg wurde ein Schulwegunfall verzeichnet, in Bad Brückenau keiner.

Weniger Unfälle bedeuten leider nicht automatisch weniger Verkehrstote. Innerorts und auf Landstraßen verloren vier Menschen bei Verkehrsunfällen ihr Leben - ebenso viele wie im Vorjahr. Auf den Autobahnabschnitten der A7 und der A71 im Landkreis verunglückte glücklicherweise erneut niemand tödlich. Für Bernhard Meyer, Einsatzleiter der Verkehrspolizeiist das eine erfreuliche Entwicklung. "Inwieweit der Rückgang bei den Unfällen auf die geringere Verkehrsdichte während der Coronapandemie zu Buche schlägt, kann jedoch nicht genauer beziffert werden", sagt er.

Rad: Unfallzahlen seit 2017 verdreifacht

Ein wachsender Problembereich sind Fahrrad- und E-Bikeunfälle. Während 2017 erst 30 Unfälle mit Radlern und E-Bikefahrern gezählt wurden, so hat sich diese Zahl inzwischen verdreifacht: 90 Unfälle haben die drei Inspektionen bearbeitet, inzwischen ist beinahe jeder fünfte Verletzte im Straßenverkehr ein Rad- oder E-Bikefahrer. Besonders stark war die Entwicklung im Altlandkreis Bad Kissingen. Hier registrierte die Polizei bei reinen Radfahrunfällen einen Anstieg von annähernd 60 Prozent. Etwa die Hälfte sei durch Fahrfehler verschuldet worden. "Die Gefahr ist nicht unbedingt, von einem Auto erfasst zu werden", sagt Heuring. 45 E-Bikefahrer und Radler wurden verletzt, einer erlag im Nachgang seinen Verletzungen. Rund die Hälfte der Unfallbeteiligten hatte keinen Helm auf. Ein großer Teil der Unfälle wäre mit Helm glimpflicher abgelaufen.

"Es steigen immer mehr Leute aufs Rad", beschreibt Heuring den allgemeinen Trend. In der Pandemie habe sich das verstärkt. "Das Coronavirus veränderte das Mobilitätsverhalten der Menschen", sagt der Polizist. Die Kissinger Polizei plant deshalb weitere Schwerpunktkontrollen in Bezug auf den Radverkehr, aber auch Präventionsveranstaltungen wie Fahrsicherheitstrainings.

Problematisch ist, dass das Radwegenetz dem Radverkehr zum Teil nicht gewachsen ist. Heuring: "Die Infrastruktur wird auf eine Belastungsprobe gestellt. Die Kommunen stehen bayernweit vor der Herausforderung, wie sie den vorhandenen Verkehrsraum zwischen Autos, Radfahrern und Fußgängern aufteilen." Das müsse politisch diskutiert und geregelt werden.

Radweg statt Parkplätze in der Theresienstraße

Problematisch sind oft Stellen, an denen ein Radweg endet und die Radler auf die Straße wechseln. In Bad Kissingen ist so ein Beispiel die Ecke Max- und Theresienstraße. Wer in die Innenstadt will, für den endet dort der Salinenradweg, der von Norden entlang der Saale in die Stadt führt. Heuring hält es für eine Option, den Radweg durch die Theresienstraße in Richtung Innenstadt fortzusetzen. "Das kollidiert aber mit den Autoparkplätzen." Die müssten für den Radweg entfallen. Aus polizeilicher Sicht wäre das insofern sinnvoll, weil die Theresienstraße als Unfallschwerpunkt gilt. Hier werden besonders oft parkenden Autos die Außenspiegel abgefahren.

Kreisrat Tobias Eichelbrönner (Grüne) setzt sich dafür ein, das Radwegenetz im Landkreis zu verbessern. Egal ob zu hohe Bordsteinkanten, verwirrende Schilder oder Radwege, die einfach im Nichts enden. Er will das Wissen der Bürger nutzen, um Problemstellen zu identifizieren. "Es ist wichtig, den Bedarf zu kennen", sagt Eichelbrönner. Deshalb hat er auf seiner Website einen Radwegemelder eingebunden. Dort können Verkehrsteilnehmer auf einer Karte die Position markieren, das Problem beschreiben und Fotos davon schicken.

Verkehrsstatistik für den Landkreis Bad Kissingen 2020

Verkehrsunfälle gesamt 2020: 2047

Verkehrsunfälle gesamt 2019: 3606

Verkehrstote 2020: 4

Verkehrstote 2019: 4

Verletzte 2020: 461

Verletzte 2019: 561

Wildunfälle 2020: 1056*

Wildunfälle 2019: 1167*

Fahrrad-/E-Bikeunfälle 2020: 90*

Fahrrad-/E-Bikeunfälle 2019: 84*

*bei Wildunfällen und Fahrrad-/E-Bikeunfälle sind keine Zahlen der Verkehrspolizei enthalten