Wenn es ums Internet geht, macht Madlen Trümbach-Maurin keiner was vor: Die 59-Jährige klappt ganz selbstverständlich den Laptop auf, richtet mit dem Smartphone einen Hotspot ein und stellt ihre Seite www.lilazeiten.de vor. "Mich interessieren die neuen Medien, natürlich will ich meine Idee auch über Facebook und Twitter vermarkten, irgendwann soll es auch noch eine App geben", erzählt sie.
Madlen Trümbach-Maurin arbeitet seit 30 Jahren als Fach-Kosmetikerin. In Bad Bocklet hat sie seitdem ihr eigenes Studio, im Bad Kissinger Sanatorium "Uibeleisen" ist sie seit zehn Jahren parallel dazu angestellt. Und aus diesem Arbeitsalltag heraus entstand auch die neue Geschäftsidee: "Vor rund drei Jahren haben mir zwei Kundinnen direkt hintereinader abgesagt und ich hatte Wartezeit", berichtet die 59-Jährige. Zudem gebe es immer wieder kurzfristige Anfragen, für die sie aber keine Zeit hat, oder sie kann gerade nicht ans Telefon. Also dachte sich Madlen Trümbach-Maurin: "Man müsste die, die spontan Zeit haben, und die freien Plätze zusammenbringen."
Klingt einfach, trotzdem ging das Portal erst vor rund einem Monat online: "Das hat viel Zeit und Geld gekostet", blickt die Gründerin auf die Umsetzung zurück. Schließlich ließ sie ein komplettes Internet-Portal mit Kalender, Buchung und Bezahl-System programmieren. "Da steckt ein Mittelklasse-Wagen drin", fasst sie die Kosten zusammen. Geborgt hat sie sich das Geld aus der Familie: "Die glauben an mich und vertrauen mir", sagt Madlen Trümbach-Maurin und lacht.
Zudem holte sie sich professionelle Hilfe: Mit ihrem Studio in Bad Bocklet war sie zwar bereits selbständig, aber die neue Idee gilt als Geschäftserweiterung. Ein Coach berät sie in juristischen und organisatorischen Fragen. Das Portal kann nur dann auf Dauer erfolgreich arbeiten, wenn möglichst viele Studios mitmachen, das sei von Anfang an klar gewesen. Also liegt noch eine lange Durststrecke vor der 59-Jährigen.
Die Gründung stellte Madlen Trümbach-Maurin parallel zu ihrer Arbeit auf die Beine: "Ich arbeite jeden Tag sechs bis acht Stunden, und das mache ich oben drauf." Ungezählte Abende und Nächte habe sie bereits investiert. "Es ist schon anstrengend, aber es ist auch eine tolle Herausforderung", fasst sie ihre Erfahrungen zusammen. Auf alle Fälle glaubt sie an den Erfolg: "Die Idee ist gut." Zwar gebe es in Berlin schon ein ähnliches Angebot, das von finanzstarken Investoren vorangetrieben werde, aber trotzdem hofft die Bad Bockleterin, irgendwann deutschlandweit aktiv zu sein mit www.lilazeiten.de. "Ich kann erst Geld verdienen, wenn viele mitmachen."
Angefangen hat sie im Oktober zunächst mit sechs Studios. Die müssen Kontingente buchen und natürlich regelmäßig ihre freien Termine eintragen. Den Rest macht das Portal. Kunden können dort bis kurz vor dem noch offenen Termin buchen, die Bestätigung kommt kurzfristig per SMS. Auf eine Bewertung der beteiligten Studios hat sie auf dem Portal bewusst verzichtet: "Mir geht es ja nur um die Vermittlung offener Termine."
"Die ersten Schritte sind natürlich noch wackelig", fasst Madlen Trümbach-Maurin den Start zusammen. Den Standort Bad Kissingen erachtet sie aber als ideal für die Idee, weil auch viele Gäste kurzfristig Kosmetik-Termine suchen. Aktuell startet sie mit der Werbung, die erste Anzeige im Gäste-Journal hat sie bereits geschaltet, über Flyer in Hotels und Kliniken will sie an weitere Kunden kommen.
Überblick Im Rahmen des Projektes "Aufbrecher" findet am Freitag, 20., und Samstag, 21. November, die erste Existenzgründermesse in Bad Kissingen statt. Beginn ist am Freitag um 13 Uhr, Ende am Samstag um 15 Uhr im Tattersall.

Aussteller Die Besucher können sich an mehr als 20 Ständen informieren. Unter anderem stellen 13 Jung-Unternehmer sich und ihre Ideen vor. Daneben geben die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt, die Handwerkskammer für Unterfranken, der Bund der Selbständigen, der Handelsverband Bayern, die Aktivsenioren, das Finanzamt, die Gründer-Guides Bayern, die Bad Kissinger Wirtschaftsjunioren, der Markt Wildflecken und das Rhön-Saale-Gründerzentrum Tipps.

Vorträge Sascha Genders von der IHK spricht am Freitag über aktuelle Trends und Entwicklungen, und zwar um 13.30 Uhr bei der Neugründung und um 16.45 Uhr bei der Nachfolge. Ab 14.15 Uhr werden erfolgreiche Beispiele aus der Region vorgestellt. Um 15.15 Uhr erläutert Julius Graf das Dorfladen-Konzept der Firma Igros. Ab 16 Uhr spricht Wolfgang Stumpf von der HWK über einen "Fahrplan zur Betriebsübernahme im Rahmen einer Existenzgründung". Eine Änderung gibt es beim Vortrag um 18 Uhr: Anstelle von Autor Sascha Kugler berichtet der Jung-Unternehmer Marcus Beran über seine Erfahrungen. Alexander Subat, Geschäftsführer der Kissinger Verlagsgesellschaft, stellt ihm anschließend Fragen. Am Samstag folgen Vorträge von Gründercoach Albrecht Groß (10.30 Uhr), dem städtischen Wirtschaftsförderer Michael Wieden (1n der Servicestelle Frau und Beruf im Rhön-Saale-Gründerzentrum (13 Uhr). Um 13.45 Uhr stellt zum Abschluss Gründer Kai Achilles das Projekt "kaufe-es.de" vor.

Informationen Weitere Infos zum Projekt Aufbrecher, zur Messe und den Ausstellern gibt es unter www.aufbrecher.de.