Seit Jahren ist der Kissinger Kabarettherbst ein fester Bestandteil der städtischen Kulturszene und Anziehungspunkt für die Fans der humorvollen "Kleinkunst". Mit dem TV-bekannten Comedian "Harry G" startete die diesjährige Veranstaltungsreihe. Der Wahlmünchner enttäuschte seine Fans nicht, die sich über Schlüpfriges zu Junggesellenabschieden, Witziges zu Wellness-Hotels oder Bekanntes zur sozialpädagogischen Kindererziehung bestens amüsierten.

Ein ausverkaufter Regentenbau, das waren vor Corona mehr als 1000 Gäste - jetzt waren es aufgrund der Corona-Regeln nur 300 Zuschauer, die im Max-Littmann-Saal die Bühnenkunst von Markus Stoll alias Harry G und sein Programm "Hoamboy" verfolgten. Denkbar schlechte Rahmenbedingungen für einen Künstler, der vom direkten Kontakt mit dem Publikum und von der unmittelbaren Ansprache der ersten Reihe lebt - und der trotzdem dankbar war für den herzlichen Willkommensapplaus "bei meinem ersten Hallentermin seit 18 Monaten".

Mit dem für Harry G typischen Homburger-Hut auf dem Kopf, mit Jeans und T-Shirt und einem flotten Mundwerk im schnoddrigen Dialekt der bayrischen Hauptstadt schmetterte der Comedian ein "Servus" in den Saal, bevor er über die Corona-Regeln kalauerte: Wieso wird ein bayrisches Wirtshaus, als "nicht-systemrelevant" geschlossen, wo es doch das bayrische System repräsentiert? Wieso wird Mallorca mit dem "Ballermann" zum Risikogebiet, wenn dort selbst zu Nicht-Corona-Zeiten ein "Hochrisikogebiet" sei, um den Covid-19-Viren ein Bogen machen würden?

Von Sangria zur Latte-Macchiatto-Mutter

Von den imaginären Bildern von Touristen, die aus Eimern Sangria saufen, war es nicht weit zum Themenblock der nächsten 45 Minuten, der sich leicht unter dem Motto "30 Halbe und 90 Kurze" zusammenfassen lässt. Dazu griff Harry G auf die bekannten Bilder zurück, die im Rahmen von Junggesellenabschieden in den Fußgängerzonen für Heiterkeit oder für Unverständnis sorgen: Auftritt im Hühnerkostüm, Kondomverkauf aus dem Bauchladen, Kleiner Feigling bis zum Abwinken und ein Facebook-Post mit der speienden Braut. Ähnliches derb betrachtete der Künstler einen Wellness-Urlaubs, den die Frau des Hauses gegen den Willen des Gatten bucht. Genussvoll lässt sich über die körperlichen Defizite beim gemeinsamen Saunabesuch ablästern, bevor es um die Stressbewältigung einer Grundschullehrerin geht, die von ihrer "2b" und vier Wochenstunden aufgezehrt wird und dringend Entspannung vom Masseur Giovanni braucht, bevor dieser ihre Muskeln und Verspannungen lockert. Die "Latte-Macchiato-Mutter" lässt er bildhaft an ihrer Ein-Kind-Familie verzweifeln und schiebt süffisant hinterher: "In der Oberpfalz gilt man mit einem Kind als unfruchtbar."

Kinder im Allgemeinem sind immer ein dankbares Thema und der Comedian präsentierte auch hier die bekannten Schablonen mit brüllenden Kindern alá "Mini-Hitler" oder dem Feuerwehrmann Sam, mit dem man die Zeit dem Abholen vom Kindergarten und dem Zubettgehen problemlos überbrücken kann. Gleiches gab es bei Birte mit den "fünf i", einer Sozialpädagogin mit Sprößling Söhnke, Lastenfahrrad und alternativen Erziehungskonzepten.

Jeans und schlüpfrige Werbeslogans sorgten ebenso für Lacher wie ein Ausflug in die Online-Welt mit Lieferando und einen gelungenen Sketch zur telefonischen Bestellung bei einem Chinesen mit Hähnchen süß-sauer.

Das Erfolgs-Rezept von Harry G liegt in den Randgebieten des menschlichen Handelns. Mal ist er polternd-gehässig, mal unter der Gürtellinie, mal den Alkoholpegel als Maß der Dinge betrachtend. Aber immer begleitet er seine Texte mit einem spitzbübisch-schelmischen Lächeln, das dem Gesagten das Anzügliche nimmt und ein geschlechterübergreifendes Lachen möglich ist. Harry G steht für inszenierte Comedy mit ausgefeilten Texten, mit Mimik und Gestik, die zur Kunstfigur passen, mit wenig Raum für Spontanität. Dies merkte man am Ende des Auftritts, der corona-konform nach 75 Minuten mit der angekündigten "Zugabe" endete. Die Zugabe sollte spontan wirken, war aber nur eine Ansammlung von Stichworten, die irgendwo im Nirwana verschwanden. Vielleicht war daran das abrupte Ende des Abends Schuld, vielleicht war es ein Ausrutscher beim ersten Abend von Harry G´s neuer Tour. Trotz allem bedankten sich die Gäste für einen kurzweiligen Abend mit herzlichem Applaus.