Dass es den Wäldern in der Rhön nach den Dürre- und Hitzesommern der vergangenen beiden Jahre nicht gut geht, bleibt mittlerweile auch weniger aufmerksamen Beobachtern in Wald und Flur nicht mehr verborgen. Den Fichten machen die Borkenkäfer "Buchdrucker" und "Kupferstecher" schwer zu schaffen, die Kiefern leiden unter "Prachtkäfern" und "Triebsterben". Und selbst die Rotbuche - die natürliche Baumart der Rhön schlechthin - leidet vielerorts unter dem Trockenstress. Doch leiden derzeit nicht nur Wirtschaftswälder, auch die Situation in den bewaldeten Kernzonen des Biosphärenreservats Rhön ist vielerorts sehr angespannt.

Diese Situation war ein Anlass für die bayerische Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön in Oberelsbach und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bad Neustadt, gemeinsam alle Kommunen zu einem Informationsaustausch einzuladen, die im Jahr 2013 gemeindliche Waldflächen als Kernzonen in das Biosphärenreservat Rhön eingebracht hatten.

Die 1. Bürgermeisterin des Marktes Oberelsbach, Birgit Erb (CSU), ermöglichte mit der Bereitstellung der Elstalhalle, dass die Veranstaltung Corona-konform durchgeführt werden konnte.

Tobias Gerlach von der Verwaltungsstelle erläuterte zunächst, dass 14 Städte und Gemeinden von Fladungen im Norden bis Hammelburg im Süden sowie die beiden Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld seinerzeit insgesamt über 700 Hektar Wald für Kernzonen eingebracht hätten. Dies sei knapp ein Fünftel der gesamten Kernzonenfläche von circa 3900 Hektar. Die Spanne reiche von nur gut einem Hektar bis über 130 Hektar je Kommune. Die restlichen überwiegenden Kernzonenflächen, hätten der Freistaat Bayern und die Bundesrepublik Deutschland mit ihren Staats- beziehungsweise Bundeswäldern eingebracht, so Gerlach.

Umfangreiche Betreuungsleistungen

Hubert Türich von der Forstverwaltung am AELF Bad Neustadt a. d. Saale skizzierte noch einmal den seinerzeitigen Kernzonen-Ausweisungsprozess und die wichtigsten Inhalte der Kernzonen-Naturschutzgebietsverordnung sowie der zwischen dem Freistaat Bayern und den Kommunen geschlossenen Bereitstellungsverträge. Er informierte die Vertreter der Kommunen, dass in den Kernzonen zwar grundsätzlich keine Holznutzung mehr möglich sei, die Gemeinden aber noch umfangreiche Betreuungsleistungen - gegen ein vertraglich festgelegtes Entgelt - zu erbringen hätten. Beispielhaft nannte er Aufgaben im Bereich der Verkehrssicherung an Straßen und Wegen, was bei der aktuell schlechten Verfassung der Wälder eine besondere Herausforderung sei. Aber auch in den Bereichen Wegeunterhalt, Grenzmarkierung, Jagdausübung, Öffentlichkeitsarbeit oder Forschung bestünden trotz Nutzungsverzichts Aufgaben fort, so Türich.

775 Käferarten nachgewiesen

Zum Schluss des Informationsaustausches wandte Tobias Gerlach nochmals den Blick auf den eigentlichen Zweck der Kernzonen: Sie dienten nicht nur der Erholung und Umweltbildung, sondern insbesondere als regionale Referenzflächen natürlicher Waldprozesse. Über lange Zeiträume wolle man beobachten, wie sich die Baumartenzusammensetzung, der Holzzuwachs, der Totholzanteil und mit diesen Faktoren die vorkommenden Tier-, Pflanzen- und Pilzarten veränderten. Bereits die ersten Untersuchungsergebnisse belegten, dass die äußerst vielseitigen Kernzonen aufgrund teilweise früherer naturnaher Bewirtschaftung und nun ungestörter Entwicklung ein Hotspot der Artenvielfalt seien. Bisher wurden beispielsweise bereits 775 Käferarten nachgewiesen, von denen 394 Arten auf Totholz angewiesen und 140 Rote Liste-Arten seien. "In den Kernzonen konnten damit bereits über zehn Prozent der in Deutschland vorkommenden Käferarten nachgewiesen werden, obwohl die Kernzonen gerade einmal nur rund 0,0001 Prozent der Fläche der Bundesrepublik Deutschland ausmachen", stellte Gerlach begeistert fest.

Aber auch erste Auswirkungen des Klimawandels ließen sich feststellen. So seien immer mehr wärmeliebende Arten auch in den höheren Lagen zu beobachten. Auf der anderen Seite drohe ein Verlust an Arten, die an kühlere Bedingungen angepasst seien.

Exkursionen im Blick

Die Teilnehmer des Informationsaustausches kamen überein, einen solchen für die Kernzonen-Kommunen von Zeit zu Zeit zu wiederholen. Gerne griffen Verwaltungsstellen-Leiter Michael Geier und AELF-Leiter Oliver Kröner die Anregung auf, den Kernzonen und ihren "Bewohnern" dann im Rahmen von Exkursionen auch einen Besuch vor Ort abzustatten.