Zwei Taschenlampen werfen diffuses Licht in den dunklen Flur. Nur der reflektierende Aufdruck "Polizei" auf den Rücken der T-Shirts wird von dem wenigen Licht reflektiert. Mit der Hand an der Waffe öffnen zwei junge Bundespolizisten die Türe. Sie haben Informationen, dass auf dem Gelände des Hauptbahnhofes Würzburg Bunt- und Altmetall gestohlen werden soll. Eine bewaffnete Person wurde in einem Lagerraum gesichtet. Die suchen sie. Plötzlich wird es laut: Der Einbrecher steht vor ihnen. Er ist vermummt. Er bedroht Simon Haußmann und Felix Müller mit einem Brecheisen. Plötzlich richtet er eine Schusswaffe auf die beiden. "Waffe weg, oder ich schieße", rufen sie gleichzeitig. "Ich bring euch alle um", kommt als Antwort. Der Einbrecher wird von zwei Schüssen im Oberarm getroffen und geht zu Boden. "Ihr Schweine", stöhnt er. Die Azubis legen ihm Handschellen an, legen ihn in die stabile Seitenlage und geben ihrer Dienststelle den Vorfall durch, die dann Notarzt und Rettungswagen verständigen.

"Okay. Was müssen Sie noch machen?" fragt Polizeihauptmeister Oliver Scholz. "Die Täterwaffe sichern." Es war eine von sehr vielen Situationen, die die Auszubildenden üben. Den "Einbrecher" spielte ein Polizist. Der "Tatort" war ein Kellerraum des Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrums Oerlenbach. Bei dieser Übung wurde Haußmann benotet. "Die beiden haben das gut gemacht", sagt Scholz. Haußmann strahlt Ruhe und Besonnenheit aus. "Ein bisschen aufgeregt ist man vorher schon", gibt er zu. "Man überlegt, was alles auf einen zukommen kann", sagt er.


Auf alles vorbereitet


Die Polizeimeisteranwärter (PMA) sollen möglichst gut auf jede erdenkliche Situation vorbereitet werden, die ihnen in ihrer Laufbahn und bei der Streife widerfahren kann. Für die Übung werden keine echten Waffen benutzt, sondern rote Pistolen ohne Munition. Polizisten auf Streife haben ja nicht jeden Tag einen Einbrecher vor sich, sagt Polizeihauptkommissar Norbert Kaiser, der Lehrgangsleiter. Aber sie sollen so gut vorbereitet werden, dass sie in gefährlichen Situationen nicht erst lange nachdenken müssen, wie sie zu reagieren haben. Es soll ein automatisiertes Handeln abrufbar werden. Dennoch muss jede Situation einzeln bewertet werden. "Wir bereiten sie auf den Ernstfall vor", sagt Kaiser.

Echte Waffen haben die PMA auch: Und die müssen gepflegt werden, damit sie im Notfall einsatzbereit sind und gut funktionieren. Der Raum, in dem die Waffen gereinigt werden, ist groß und sehr hell. Es riecht wie in einer Autowerkstatt - nach Öl. Simon Haußmann zerlegt seine Maschinenpistole, eine MP 5, Christine Derra zerlegt ihre Pistole, eine P30 . Das geht ganz fix. Jeder Handgriff sitzt, und in null Komma nichts liegen neun Teile vor Haußmann. Die Pistole wird in vier Teile zerlegt. Christine Derra zieht eine Reinigungskette durch den Lauf der Pistole. Das sind aufgefädelte Metallkugeln, am Ende ist ein Reinigungsdocht, aus Stoff. Normalerweise dauert die Reinigung etwa eine Dreiviertelstunde. "Meistens ist man schneller", sagt die junge Auszubildende. Es komme auch darauf an, wie viele Schuss abgegeben wurden, erklärt Kaiser. Je mehr geschossen wurde, desto mehr Rückstände bleiben in der Waffe, und desto länger dauert das Reinigen. Nach Gebrauch wird die Waffe gereinigt und eingeölt. Dann kommt sie in die Waffenkammer. Wird sie benötigt, muss das Öl wieder entfernt werden. "Sonst raucht‘s beim ersten Schuss", sagt Kaiser. Inzwischen bauen die beiden Azubis ihre Waffen wieder zusammen.


Wenn der Castor kommt ...


Christine Derra bereitet sich schon auf ihre nächste Übung vor. Sie muss mit einigen anderen aus ihrer Klasse an die Bahngleise fahren. Ausgangssituation: In einer Woche soll der Castor-Transport dort vorbeikommen. Die Auszubildenden müssen sich die Strecke einprägen, genau anschauen, damit sie wissen, wie sie wo auf Gefahren reagieren können. Sie laufen Teile der Gleise ab und prüfen, ob dort etwas liegt, das Castor-Gegner als Hindernis auf die Gleise legen könnten, erklärt Ausbilder, Polizeioberkommissar Albert Kirchner. Karten helfen bei der Orientierung. Christine Derra und ihr Kollege Markus Fuchslechner laufen auf den Ebenhäuser Bahnhof zu. Neben den Gleisen entdecken sie Beton-Kanal-Teile. Mit einem Frontlader könnten die auf die Gleise gelegt werden. Die beiden haben die Gefahrenstelle erkannt. Ausbilder Kirchner ist zufrieden.

Seit Beginn ihrer Ausbildung begleitet die Saale-Zeitung Christine Derra und Simon Haußmann. Wer sich für die Ausbildung interessiert, hat am 7. Oktober Gelegenheit, sich zu informieren. Dabei stellt sich die Bundespolizei allgemein vor und im Besonderen natürlich das Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum Oerlenbach.