Das Problem ist bei vielen Leuten noch nicht angekommen. "Wenn wir das jetzt nicht in den Griff bekommen, in zehn Jahren schaffen wir das nicht mehr", sagt Bürgermeister Wolfgang Borst (CSU) aus Hofheim bei einem gut besuchten Infotreff im Rathaus Münnerstadt zum Thema Revitalisierung der Altortskerne und Vermarktungschancen der Altstadt Münnerstadt. Immer mehr Häuser in Ortskernen stehen leer. Wird jetzt nicht gehandelt und die Häuser verkauft und wieder bewohnt, so sterben die Ortskerne aus, prognostiziert Borst. Er hat für Hofheim und die Ortsteile bereits gegengesteuert und gab Münner stadt Tipps, wie die Stadt ein Aussterben der Ortskerne verhindern können. Borst ist Vorsitzender der Gemeindeallianz Hofheimer Land.

"Bei uns ist ein Einwohnerrückgang um knapp zwölf Prozent prognostiziert", so Borst. Das bedeute, weniger Einwohner und damit mehr leer stehende Häuser. Er empfiehlt zunächst eine qualitative Bestandserfassung, aus der hervorgeht, wie viele Häuser leer stehen. Der nächste Schritt sei die Vermarktung von Leerstand und Baulücken und schließlich das Verhindern von künftigen Leerständen.

Erfassen mit Foto und Daten

Zunächst werden die Häuser mit Foto und Daten erfasst. Neubaugebiete wurden in Hofheim keine mehr ausgewiesen oder sogar zurückgenommen. Eigentümer der Häuser wurden befragt, ob sie zum Verkauf bereit wären. Schließlich habe der Stadtrat den Ortskern als Fördergebiet ausgewiesen und Flyer mit den Verkaufsobjekten erstellt. "Bauen und Renovieren im Ortskern muss günstiger sein als ein vergleichbares Objekt im Siedlungsgebiet", sagt Borst. So könne man Leute motivieren in den Ortskern in ein leer stehendes Gebäude zu investieren. So gibt es für Interessenten eine Erstberatung mit einem Architekten. Hauskäufer im Ortskern bekommen 50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche an Fördergeld von der Kommune. Bauschutt wird von der Kommune entsorgt und eine zusätzliche Förderung gibt es noch für Familien mit Kindern, vorausgesetzt ein Haus stand drei Monate, leer und wird für mindestens fünf Jahre genutzt. Dadurch konnte Hofheim mit ihren Ortsteilen 97 Maßnahmen mit 525.000 Euro fördern. Es gab den Fall, dass ein altes Gebäude von der Gemeinde gekauft, abgerissen und der Bauplatz dann verkauft wurde.

Um künftigen Leerstand zu verhindern, muss Wohn- und Lebensqualität im Ort gesichert werden, sagt Borst.Bürger müssen in die Gemeinde eingebunden werden, die persönliche Bindung an den Wohnort muss gestärkt werden. Eine lebendige Ortsmitte könnte zum Beispiel mit Gemeinschaftshäusern entstehen. Bei der Daten-Autobahn für alle, sie ist das Schlüsselkriterium, "sind wir noch nicht so weit, wie ihr in Münnerstadt", sagt Borst. Auch Einkaufen im Ort muss möglich sein. Dafür gab Borst ein Einzelhandelsgutachten in Auftrag, um zu sehen, was fehlt.

Bevor Fragen gestellt werden konnten, erläuterte Bürgermeister Helmut Blank (CSU), was Münnerstadt schon getan hat. So werden keine neuen Baugebiete mehr ausgewiesen. Ein Einzelhandelsgutachten ist in Auftrag gegeben. Auf Antrag von Stadtrat Fabian Nöth sollen Fördermittel zur Ortskernrevitalisierung in den Haushalt gestellt werden. Eine Breitbandverkabelung ist vorhanden. Besitzer von leer stehenden Häusern seien befragt worden, mit dem Ergebnis, dass sie nicht verkaufen wollen, sagte Blank. Weitere Infos: www.hofheimer-land.de