"Unsere Arbeit wird in diesem Jahr durch die Corona-Infektionswelle nachhaltig und massiv beeinträchtigt", klagte Palliativmediziner und Vorsitzender des Bad Kissinger Hospizvereins, Reinhard Höhn, zu Beginn der diesjährigen Mitgliederversammlung.

Kontaktsperre und Abstandsregel machen die bei der Sterbebegleitung notwendige Zuwendung, Nähe und Berührung fast unmöglich. Die persönliche Begegnung ist, wenn überhaupt, nur durch einen einzigen, zuvor bestimmten Hospizbegleiter eingeschränkt möglich. Deshalb hält der Verein seine Kontakte mehrheitlich durch Briefe, Telefonate, Kinderzeichnungen und Gartenkonzerte aufrecht und übernimmt im Auftrag der Angehörigen Botengänge zu Ärzten und Apotheken. Darüber informierte Höhn die etwa 50 Anwesenden des fast 280 Mitglieder starken Vereins, dessen Mitarbeiter und Hospizbegleiter seit der Vereinsgründung im Jahr 1994 Sterbende und deren Angehörige im Landkreis auf Wunsch unterstützen.

2365 Stunden Sterbebegleitung

Die corona-bedingte Kontaktsperre war auch der Grund, weshalb die eigentlich im Frühjahr anzusetzende Mitgliederversammlung erst jetzt im katholischen Pfarrzentrum nachgeholt werden konnte. Wichtigste Tagesordnungspunkte waren der Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden, mit anschließender Bilderschau über die Höhepunkte des Jubiläumsjahres 2019, sowie die Neuwahl des Vorstands, dem in den kommenden drei Jahren vier neue Funktionsträger angehören.

Im vergangenen Jahr begleiteten die 52 ausgebildeten Hospizbegleiter in 2365 Stunden 89 Sterbende auf ihrem letzten Weg, von denen bis Jahresschluss 39 verstarben. Außerdem wurden zwei Trauerbegleitungen durchgeführt. Im Vereinsbüro (Kapellenpfad 3, Bad Kissingen) wurden 62 Personen zu Patientenverfügungen beraten. Im Februar 2019 erhielten acht neue Hospizbegleiter ihre Abschlusszertifikate. Im Mai begann ein neuer Kurs, dessen zehn Absolventen im März 2020 ihren Abschluss machten. Aktuell läuft bereits wieder ein Kurs mit neun weiteren Teilnehmern, und "auch für den nächsten Hospizbegleiter-Kurs haben wir schon wieder Voranmeldungen", berichtete der Vorsitzende unter dem Applaus der Mitglieder.

Mehr Teilnahme an Supervisionen gewünscht

Trotz des vielstündigen persönlichen Engagements der Hospizbegleiter und -begleiterinnen ist der Vereinsvorstand mit deren freiwilliger Teilnahme an den Supervisionen nicht zufrieden. "Leider nehmen nicht alle aktiven Helfer daran teil", klagte Vorsitzender Höhn. Supervisionstreffen helfen den Teilnehmern, ihr Handeln bei der Sterbebegleitung zu überdenken sowie die Qualität ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit zu sichern und zu verbessern.

In seinem Rechenschaftsbericht erinnerte der Vorsitzende auch an die verschiedenartigen Veranstaltungen - von Lesungen über Kabarett und Kino bis zu Ausstellungen - anlässlich der Feier des 25-jährigen Vereinsjubiläums, deren hohe Besucherzahlen gezeigt hätten, "dass wir ein gutes Händchen hatten".

Hohe Auszeichnung für Norbert Paulus

Vor der turnusmäßigen Vorstandswahl für die folgenden drei Jahre würdigte Reinhard Höhn die Verdienste von Schatzmeister Norbert Paulus, der nach 15 Jahren auf eine erneute Kandidatur verzichtete. Paulus erhielt nicht nur ein humorvoll formuliertes, aber von aufrichtigem Dank geprägtes "Arbeitszeugnis" seines Vorsitzenden, sondern wurde auch vom Bayerischen Hospiz- und Palliativverband mit einer Urkunde und der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

In der anschließenden Vorstandswahl wurde Rosi Bollwein zu seiner Nachfolgerin gewählt. Neu in den Vorstand kamen auch Klaus Bils als Beisitzer sowie als neue Kassenprüfer Peter Holzheimer und Klaus Wehner. In ihren Ämtern bestätigt wurden Reinhard Höhn als Vorsitzender, die evangelische Pfarrerin Christel Mebert (2. Vorsitzende), Karin Kächele (Schriftführerin) sowie Anke-Monika Schultheiß und Diakon Christoph Glaser als Beisitzer. "Sie haben richtig gewählt", bedankte sich abschließend der Vorsitzende für die jeweils einstimmige, von den Mitgliedern mit Handzeichen durchgeführte Personenwahl.