Einen satten Volltreffer hatten der Obereschenbacher Vereinsring und der Musikverein mit Wolfgang Krebs gelandet. Der aus vielen TV-Sendungen bekannte Kabarettist bewies sich in seinem Soloprogramm "Können Sie feiern?" als genialer Parodist bayerischer Ministerpräsidenten, allen voran Edmund Stoiber und Horst Seehofer. Aber auch Günther Beckstein, Markus Söder und Kanzlerin Angela Merkel bekamen ihr Fett weg.

Vorsitzender Thomas Reuter hatte nicht zu viel versprochen. Die mit 150 Zuschauern ausverkaufte Eschenbach-Halle war der Ort ausgelassener Heiterkeit mit hintergründigen Ansätzen von Tiefsinn für zwei Stunden.

Was das Publikum an Krebs so sehr faszinierte, das war die zum Greifen nahe Verkörperung von Stoiber, Seehofer und Co. Da stimmte alles: von der Perücke über den Anzug bis hin zum passenden Gesichtsausdruck, der Körperhaltung und dem täuschend echten Tonfall der Stimme. Einschließlich der gezielt witzigen Versprecher: "Kandesbunzlerin" (statt Bundeskanzlerin) oder "Buddhistisches Standesamt" (statt statistisches Bundesamt).

"Ich finde es superklasse", sagt Zuschauer Thomas Söder. Ihm gefielen vor allem die Stimmen, die Krebs gekonnt nachmachte. "Wenn man die Augen schließt, meint man, den Stoiber vor sich zu haben", sagt er. Zuschauer Peter Wischgoll: "Viele Gags von Krebs kannte ich schon aus den Bayern-3-Sendungen, aber es waren auch eine Menge neue dabei", meint er. "Es hat sich für mich gelohnt, heute von Morlesau in die Eschenbach-Halle zu kommen".

Nicht bereut hat es Franz Miller, die Kabarett-Vorstellung zu besuchen: "Ich wusste, dass Krebs so wandlungsfähig ist. Am meisten schätze ich seine politischen Rundumschläge." "Der Krebs ist sein Geld wert, und wir genießen diesen Abend", sagt Gerhard Hopp. Zwischen Laptop und Lederhose entdeckte Krebs als Stoiber seine heimliche Liebe zur bayerischen Dichtung à la Wolfratshausen bis hin zum Poetry-Slam über den Berliner Flughafen. Dort dürfe man ruhig das gelbe Band des Herbstes durchschneiden.


Der Bayerntest

Als Seehofer nahm Krebs das Flüchtlingsthema werbewirksam für den nächsten Wahlkampf in Besitz und stellte sich in der dunklen Nacht leuchtend wie eine helle Kerze dar. Da hatte Kronprinz Söder kaum eine echte Chance, sich erfolgreich zu behaupten. Auf der Strecke blieben auch Alexander Dobrinths Maut und die Monster-Stromtrasse. Krebs bewies, dass er blitzschnell auch die Merkel und den Beckstein machen kann.

Seltener sieht man Krebs in der Rolle vom Rosen streuenden Schlagersänger als "Lady Gaga der bayerischen Musik" oder als betrunkenen Urbayern mitten im Dorfleben. Außerdem setzte Krebs sich dafür ein, dass nicht nur die ausländischen Flüchtlinge, sondern auch die Franken in ihren Familien Deutsch sprechen sollten. Der Applaus tobte. Klar, dass da noch Zugaben fällig waren. Die Obereschenbacher haben jedenfalls ihren Bayern-test bestanden.