Mehr als 30 Personen kamen auf die Streuobstfläche des Bund Naturschutz bei Untererthal, um von Edwin Fella, dem einzigen staatlich geprüften Gartenpfleger im Landkreis, mehr über den fachgerechten Baumschnitt zu erfahren. Fünf Reihen Hochstammbäume wurden 1997 von der BN-Kreisgruppe auf der 0,7 Hektar großen BN-eigenen Fläche gepflanzt. Dabei setzte der Bund Naturschutz auf Sortenvielfalt und regionale Sorten. Von der Guten Grauen und Mollebusch bei den Birnen bis zur Goldparmäne, dem Münnerstädter Apfel und der Schafsnase bei den Äpfeln.


Viele Bäume vergreisen

Früher hatte jede Gemeinde Streuobst, und das war ein guter Verdienst. Obst wurde bis nach Frankfurt verkauft. Most und Schnaps brachten sichere Einnahmen. Durch die Flurbereinigung gingen in Hammelburg Tausende von Bäume verloren. Aber seit etwa 20 Jahren werden wieder viele Obstbäume gepflanzt, etwa als Ausgleichsmaßnahmen, aber dann nicht mehr ausreichend gepflegt. Die Bäume vergreisen, Äste brechen ab. Je besser der Baum gepflegt wird, desto älter wird er und bietet den unterschiedlichsten Tieren Lebensraum, lernten die Teilnehmer. Nur auf alten Bäumen mit Baumhöhlen kann der Steinkauz nisten.
"Wir wollen den Jungen zeigen, wie solche Bäume gepflegt werden und dass Nutzung und Erhalt der Kulturlandschaft auch die Artenvielfalt fördert", erklärt BN-Vorsitzender Franz Zang. So plant die BN-Kreisgruppe, Sämlinge von alten Sorten aufzuziehen und später zu veredeln.
"Auf Chemie kann im Streuobstbau verzichtet werden. Vögel und Fledermäuse fressen genügend Insekten. Mit Nistkästen am Baum kann man dies fördern", unterstützt Fella das Anliegen der Naturschützer.
Vom richtigen Werkzeug, der richtigen Sorten- und Standortwahl wusste der engagierte Baumexperte viel zu berichten. Er zeigte sogar, wie man ein aus einem Apfelkern gewachsenes Pflänzchen richtig veredelt. Wichtig ist der Erziehungsschnitt am jungen Baum, denn damit wird die Grundlage für die Stabilität und den Ertrag gelegt. Die Anordnung und der Winkel der späteren Tragäste wird in jungen Jahren festgelegt.
"Es ist kein Hexenwerk. Es gilt nur ein paar Grundgesetze zu beachten", ermuntert Fella, "So wächst alles dem Licht entgegen. Das muss beim Erhaltungsschnitt der älteren Bäume berücksichtigt werden. Wasserschosse reißt man am besten während der Wachstumsperiode." Wenn ein Baum nicht trägt, kann das viele Ursachen haben. Er kann zu stark geschnitten, zu tief gepflanzt sein. Manche Sorten zeigen das Phänomen der Alternanz, tragen in einem Jahr sehr viel, im nächsten gar nicht. Durch Ausdünnen der Blüten und Sommerschnitt kann diese Erscheinung gemildert werden.
Anschließend ging es an den Baum und in die Praxis. Eine Teleskopsäge erleichtert das Arbeiten. Vieles kann vom Boden aus gemacht werden und verringert so die Unfallgefahr.
Zur Belohnung und auch als Ansporn für daheim, sich weiter mit Obstbäumen und deren Pflege zu beschäftigen, hat Fella eine Tombola vorbereitetet. Vom frisch veredelten Sämling bis zur mehrjährigen Goldparmäne gab es wertvolle Preise, die die stolzen Gewinner über den gesamten Landkreis verteilt, mit nach Hause nahmen.


Beim Schneiden helfen

Wer sich noch etwas mehr mit Baumschnitt beschäftigen und die Kreisgruppe bei der Arbeit in Untererthal unterstützen möchte, kann gerne beim Schneiden helfen. Bäume sind noch genügend vorhanden. Am Donnerstag, 9. März, ist dazu ab 9 Uhr ganztags Gelegenheit. Info über bn-badkissingen@gmx.de und Tel.: 09741/938 32 40 oder 0160/506 21 77. Bei Regen wird der Termin verschoben.