Nur wenige der grob geschätzt 360 000 Untertanen lassen sich blicken, als Michaela Seufert auf Staatsbesuch in den Garten geht. Mit Rauchspender und Schutzkleidung ausgestattet, zieht die 35-Jährige einen Wabenrahmen aus dem Kasten, um dennoch einige ihrer Bienen zu zeigen. Wegen des Regens sind die meisten Flüge gestrichen. Die Tiere bleiben überwiegend in ihren Behausungen.

Das passt sogar ganz gut, wie Alexander Seufert erklärt. Denn so können sich die Bienen darauf konzentrieren, den Honig zu verarbeiten, ihn zu verdicken. "Honig sollte man ernten, wenn es geregnet hat", sagt Alexander Seufert. Und bei der Familie steht gerade die Erntezeit an. Damit wartet der größte Brocken Arbeit auf sie. "An dem Tag, an dem der Honig geerntet wird, klebt alles", sagt Michaela Seufert.

Die Zahl der Völker wächst

Das Ehepaar weiß schon über jedes Detail bestens Bescheid. Dabei betreibt es seine Hobbyimkerei erst im zweiten Jahr. Im vergangenen Jahr legten sich die beiden ein Bienenvolk zu. "Mein Opa hat geimkert, daher kenne ich es noch aus meiner Kindheit", erzählt die 35-jährige Krankenschwester. Er habe zunächst daran gedacht, sich Hühner anzuschaffen, meint ihr Mann. Aber um die müsse man sich jeden Tag kümmern. Bei den Bienen reicht es, wenn man einmal pro Woche die Wabenrahmen kontrolliert. Das braucht aber auch seine zwei bis drei Stunden.

Denn aus dem einen Bienenvolk sind in diesem Frühjahr zwölf Völker geworden. Jedes zählt ungefähr 30 000 Individuen, wie Michaela Seufert berichtet. Die Familie hat die Bienen eines anderen, erkrankten Imkers bei sich aufgenommen.

Martin Holzinger, Vorsitzender des Hammelburger Imkervereins, lobt diese Hilfsbereitschaft. Für ihn ist es mittlerweile nichts Außergewöhnliches, dass sich gerade jüngere Leute für die Bienenhaltung interessieren. So gebe es auch in Diebach zwei Jungimker. Erst neulich hätten bei ihm zwei Frauen angefragt, wie sie in das Hobby einsteigen könnten.

Alexander Seufert muss ebenfalls nicht lange überlegen, um einen Beleg für die Beliebtheit des Hobbys zu finden: "In meiner Abteilung sind wir jetzt zu dritt." Klar, dass es in der Mittagspause vor allem ein Thema gibt, wie der 38-jährige Elektroingenieur meint.

Blumen für die Bienen pflanzen

Die Motive, so Holzinger, seien unterschiedlich. Es gehe um die Natur und den Erhalt der Bienen. Die Erzeugung von Honig sei nicht das vorrangige Ziel - auch wenn es ein schönes Nebenprodukt ist. Alexander Seufert: "Man hat immer ein Mitbringsel parat." Es sei ein ruhiges Hobby, für das man Geduld brauche. "Wer verschwitzt und gestresst an die Kästen geht, wird gnadenlos bestraft", sagt Holzinger. Von dem einen oder anderen Bienenstich können die Jungimker erzählen. Aber eigentlich merkten sie von den Bienen wenig, obwohl die Kästen am Rande des Hausgrund stücks stehen. Den beiden drei und sechs Jahre alten Söhnen machen die Bienen keine Angst.

Dort im Garten gibt es Rasenflicken, auf denen Weißklee wächst, und ein Beet mit verschiedenen Feld- und Wiesenblumen wie Mohn, Kornblume oder Malve. Alles Pflanzen, die den Bienen Nektar oder Pollen liefern. Solche Flecken wünscht sich Holzinger den Bienen zuliebe auf vielen Grundstücken, vor allem auch auf öffentlichen Grünflächen.

Als Imker sehe man die Natur mit anderen Augen. Man lerne ständig dazu, meint Alexander Seufert. Er ist sich mit seiner Frau einig: "Wir hätten schon früher mit dem Imkern anfangen sollen."