Besucher, die in der Altstadt herumfotografieren, sind für Hammelburg nichts Ungewöhnliches. Aber Besucher, die die historischen Gebäude akribisch dokumentieren und mit dem Fuß sogar die Trittfestigkeit des Pflasters überprüfen, ziehen schon Aufmerksamkeit auf sich. Die auffällige Besichtigung vor wenigen Tagen bildete den Auftakt zum Ideenwettbewerbs für den Viehmarkt.

Die teilnehmenden Architekten und Stadtplaner nutzen den Gesprächstermin mit der Preisjury, um sich ein Bild von der Stadt, der Architektur und der Lage in der Landschaft zu machen. Nun sitzen sie in ihren Büros und entwerfen die künftige Gestalt des Viehmarkts.

Der Kolloquiumstermin fand aufgrund des engen Regelwerks für solch einen Wettbewerb außerhalb der Öffentlichkeit statt. Die Diskussion drehte sich um viele technische und städtebauliche Details, wie Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) aber aus der Sitzung berichten kann. Es sei nicht immer einfach gewesen, den Ausführungen der Experten zu folgen. Denn in der Jury sitzen nicht nur der Bürgermeister und sechs Stadträte, sondern auch Architektur-Professoren.

Die Entscheidung soll schließlich fachlich fundiert getroffen werden. Es geht ja um einiges: Der erste Preis ist mit 28 000 Euro dotiert, der zweite mit 14 000 Euro und der dritte mit 8 000 Euro. Außerdem kann das Priesgericht noch Anerkennungen aussprechen (insgesamt 10 000 Euro). Mehr noch: Der Wettbewerb soll einen konkreten Gestaltungsvorschlag für den Viehmarkt liefern, den die Stadt umgehend umsetzt.

Die Sanierung des Viehmarkts stellt "ein zentrales Projekt zur Attraktivierung der Hammelburger Altstadt" dar, wie es in der Ausschreibung heißt. Diese nennt mehrere Aspekte, die die Vorschläge umfassen müssen: Erhöhung der Aufenthaltsqualität, Wahl eines passenden Bodenbelags, Berücksichtigung der Bedürfnisse Behinderter, Konzept für Stadtmöblierung und Beleuchtung. "Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt", sagt der Bürgermeister. Das sei bei dem Treffen noch einmal deutlich geworden.

Bis 27. Juni haben die Büros Zeit, ihre Vorstellungen für den Viehmarkt auszuarbeiten. Dabei können sie sich an der historischen Struktur und der vorhandenen Bebauung orientieren. So können zum Beispiel die Höhe der Häuser und der Umfang der Begrünung als Anhaltspunkte dienen, entlang derer die Teilnehmer ihre Ideen entwickeln. Der Viehmarkt mit seinen Gassen hat ungefähr eine Fläche von 3500 Quadratmetern. Dazu kommt die Bahnhofstraße, über die sich die Teilnehmer ebenfalls ihre Gedanken machen sollen.

Am 15. Juli tagt das Preisgericht. Vom 17. bis 27 Juli präsentieren die Büros ihre Entwürfe in einer Ausstellung. Ab dann können auch die Bürger mitdiskutieren. Warmuth kündigt an, dass er sie bei der Umsetzung beteiligen möchte.

Das ist wichtig, will die Stadt mit der Sanierung Erfolg haben und auf Akzeptanz stoßen. Denn die vergangenen Wochen haben immer wieder gezeigt, dass die Verantwortlichen die Bürger noch überzeugen müssen, warum die Umgestaltung des Viehmarkts notwendig ist.