Die Kunden kommen immer donnerstags. Mancher von ihnen läuft verstohlen die Krötengasse entlang bis zur früheren Claßen-Backstube. Dort holen sie ab, was andere zu viel produziert oder nicht verkauft haben. Woche für Woche spielt sich dasselbe Bild ab - schon seit zehn Jahren.

So lange gibt es die Tafel in Hammelburg. Viele alte Menschen gehören seit damals zu den Kunden, wie Vorsitzender Dieter Roth erklärt. Ansonsten kämen viele junge Familien oder Geringverdiener.

Seit Februar, seitdem die Hammelburger Asylbewerber keine Essenspakete, sondern Geld bekommen, gehören auch sie zu den Nutzern der Hilfsorganisation. Die Flüchtlinge haben laut Roth die Zahl der Kunden von durchschnittlich 60 bis 70 auf 75 bis 80 Menschen erhöht. Bedenkt man, dass hinter den einzelnen Personen häufig Familien stehen, versorgt die Tafel wöchentlich rund 270 Menschen.

Zentral und doch versteckt

"Die Dunkelziffer ist sicherlich noch höher", meint Ewald Hupp. Der treue Gönner und stellvertretende Vorsitzende des Vereins geht davon aus, dass viele aus Scham das Angebot der Tafel erst gar nicht nutzen. Daher ist Winfried Benner für die Räume der früheren Bäckerei Claßen dankbar. Einerseits liegen sie in der Stadtmitte, andererseits bietet der Zugang über die enge Krötengasse Schutz vor allzu neugierigen Blicken.

Als Benner die Tafel vor zehn Jahren nach dem Vorbild von Bad Kissingen gegründet hatte, war sie zunächst in einem Kellerraum im Vinzenz-Koch-Haus untergebracht. Erst 2008 zog der Verein in die Krötengasse um. Die frühere Backstube ist für Lebensmittel ideal: Sie verfügt zum Beispiel über einen Kühlraum. Im vergangenen Jahr ist ein zusätzlicher Raum im Obergeschoss dazugekommen. Das schaffte Platz für ein extra Lager für Trockenware wie beispielsweise Nudeln.

"Wir müssen uns nach den Hygiene-Vorschriften richten", erklärt Hupp. So ist unter den 25 Helfern auch ein Hygienebeauftragter, der das notwendige Wissen hat. Der sagt, was noch herausgegeben werden kann und was nicht, erklärt Roth. Es ist aber nicht so, dass alle Produkte schon das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht haben. Die Ware sei teilweise noch etliche Tage darunter, sagt der Vorsitzende. So landeten Lebensmittel bei der Tafel, nur weil ein Produzent die Verpackung falsch bedruckt hat. Ansonsten bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum ja auch nicht, dass das Lebensmittel gleich ungenießbar sei. Roth: "Wir haben Listen, welche Produktgruppen wie lange über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus genutzt werden können."

Die sechs Fahrer, die alle 14 Tage wechseln, holen die Ware in der Umgebung ab. Die örtlichen Bäcker, Metzger und Discounter unterstützen die Tafel von Beginn an, sagt Benner. Wirklich verdorbene Ware wird meistens schon bei der Abholung aussortiert, der Rest später vor dem Ausgabetag. "Wir sind nicht die Mülltonne", betont Roth. Vielmehr will die Tafel verhindern, dass noch gute Lebensmittel im Müll landen.

Dienstags führt die Tour immer nach Würzburg zu einem Gemüsegroßhändler. Außerdem sind die nordbayerischen Tafeln zu einem Logistikverbund zusammengeschlossen. Große Lieferungen werden zentral in Schwebheim an die einzelnen Einrichtungen verteilt. In dieser Woche waren es zum Beispiel 33 Paletten Joghurt.
Für solche Aktionen müssen dann Fahrer bereit stehen. Daher kann die Tafel neue Freiwillige gut gebrauchen. Zumal die älteren Helfer, die meistens Rentner sind, nach und nach aufhören.