Das noch junge Jahr begann im Euerdorfer Marktgemeinderat mit einer Ehrung und einem Abschied. Für besondere Verdienste überreichte Bürgermeister Peter Bergel die silberne Bürgermedaille an Helmut Droll. Verabschiedet wurde Kurt Hirnickel, der fast 40 Jahre im Bauhof in Diensten der Gemeinde stand.

Eigentlich zum ausgefallenen Neujahrsempfang vorgesehen, verhinderte dies "ein winziger Virus" wie der Rathausobere bedauerte, der die erste Ratssitzung für diesen Zweck nutzte. In drei wichtigen Feldern brachte sich Helmut Droll ein. Von 1971 bis 2009 vermittelte er "mit großer Leidenschaft als geschätzter Lehrer an der Euerdorfer Einhard-Schule Wissen und Werte". "Du hast viele Schüler auf ihrem Weg ins Berufsleben begleitet". Als sichtbares Zeichen für praxisnahen Unterricht nannte Bergel das Photovoltaik-Projekt auf dem Schuldach, die künstlerische Gestaltung der Weltkugel sowie das Emblem am Schuleingang.

Helmut Droll hat sich außerdem Jahrzehnte in die Dorfgemeinschaft eingebracht. Unter anderem gehörte er zwölf Jahre dem Marktgemeinderat an und war langjähriges, aktives Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr. Sein künstlerisches Schaffen umfasste Grafik, Design und Illustrationsstudien sowohl im eigenen Atelier als auch in zahlreichen Kunstausstellungen. Das breite Spektrum seiner Werke erschöpft sich in Öl- Tusche- und "gepeitschten" Bildern wie auch in Schnitzereien, gehämmerten, gesägten, gemeißelte und geschweißten Arbeiten.

Kulturehrenbrief des Landkreises

Beispiele sind der "Weg der Besinnung" am Heiligenhof, der Weg "Wein und Stein" im Ort, der Erinnerungsstein zur 1300-Jahr-Feier an der Alten Saalebrücke oder "Die Cloud" auf dem Ramsthaler Kunst-Weg. Vom Landkreis bereits mit dem Kulturehrenbrief ausgezeichnet, fügte der Bürgermeister jetzt die Bürgermedaille hinzu. Mit Dank für die Anerkennung, räumte der Geehrte ein "in Euerdorf seit 50 Jahren gefühlsmäßig angekommen zu sein". "Es gibt auch heute noch Menschen, die sich für die Gemeinschaft und Kunst einbringen. Ich bin froh, dass ich dazugehöre", unterstrich Droll, der die Auszeichnung und ein Präsent entgegennahm.

Mit Kurt Hirnickel ging nach vier Jahrzehnten Arbeitsleben ein "Insider". Als Wasserwart überwachte und steuerte er mit Argusaugen die Trinkwasseranlagen Euerdorfs und gewährleistete so die Wasserversorgung. Auch die in die Jahre gekommene Kläranlage war bei Hirnickel gut aufgehoben. "Ich glaube, dass du inzwischen jedes einzelne Bakterium auf den Tauschkörpern der Kläranlage kennst", witzelte der Bürgermeister wissend, dass der Scheidende "sich so manche Nacht um die Ohren geschlagen hat um Wasserrohrbrüche zu orten und zu beheben".

"Wir konnten uns Tag und Nacht auf dich verlassen", betonte Bergel mit dem Dank für die langjährige Treue zur Heimatgemeinde, die er mit der Dankesurkunde und einem Präsentkorb belohnte. Mit etwas Verwunderung über "die schnell verflossene Zeit" könne er auf eine abwechslungsreiche Tätigkeit zurückblicken, meinte Hirnickel, der so manche Episode aus seinem Arbeitsleben erzählen konnte.

Entscheidung über neue Kläranlage erneut vertagt

Soll der Markt eine gemeinsame Kläranlage im Bereich "Karwinkel" bauen oder es bei den bisherigen, getrennten Anlagen Standorte Euerdorf und Sulzthal belassen? Das Projekt, schon länger diskutiert, stand jetzt zur Beschlussfassung in der Sitzung des Marktgemeinderates Euerdorf an.

Ein Vergleich durch das Tiefbau-Büro Köhl zeigte auf, dass sich beide Varianten kostenneutral darstellen. Doch zeige sich die Tendenz, dass eine Kläranlage für Euerdorf (2500 Einwohnerwerte) und für Sulzthal (4500 EW) gegenüber einer "großen" Kläranlage in Euerdorf (6500 EW) - mit entsprechenden Verbindungsleitungen und Pumpwerke n - die wirtschaftlichere Variante ist.

Mehrere Räte plädierten für eine "eigenständige" Anlage, in die zu einem späteren Standpunkt Wirmsthal zurückgeholt werden kann, für den Fall, dass das Klärwerk Sulzthal zuerst fertiggestellt ist. Denn der Euerdorfer Ortsteil Wirmsthal entwässert nach Sulzthal. Für Dieter Brand, der das Problem schon seit 30 Jahren kennt, ist die Mitnahme von Wirmsthal ein "Muss".

Beschluss verschoben

Bürgermeister Peter Bergel schlug vor die Gemeinden Sulzthal und Ramsthal davon zu informieren, dass der Ortsteil "zu gegebener Zeit" wasserwirtschaftlich von Euerdorf betreut wird und will dazu eine Zweckvereinbarung aushandeln. Ein Beschluss wurde deshalb auf einen späteren Zeitpunkt vertagt.

Für die Teilnahme am kommunalen Klimaschutz-Netzwerk wirbt derzeit der Klimaschutz-Manager der Stadt Münnerstadt, Stefan Richter, der persönlich nicht anwesend sein konnte. Eine schriftliche Interessen-Bekundung war den Räten zugegangen und bildete die Basis für eine Diskussion. Christian Ehrhard vermutete eine Überschneidung vom Energie-Coaching und dem kommunalen Netzwerkaufbau. Ralf Ziegler glaubt hingegen, dass das Netzwerk im Baugebiet "Neuländer Weg" Anwendung finden könnte.

Interesse an Klimaschutz-Netzwerk

Nach Bergels Dafürhalten ist Euerdorf, den Strom betreffend, "nicht schlecht aufgestellt". Das Ratsgremium beauftragte die Verwaltung sein Interesse an der Teilnahme am kommunalen Netzwerk zu erklären. Eine Entscheidung über den Beitritt fällt später.

Zur Vorberatung über den Haushalt 2022 lag den Räten ein Entwurf des Investitionsprogramms 2021 bis 2025 vor, zu dem Änderungen und Ergänzungen einflossen. Aus dem breit aufgestellten Vorschlagsfeld seien ob des mittelfristigen Investitionsprogramms einige Beispiele genannt. Den Ausbau des Hochwasserschutzes mahnte Elmar Hofmann an, 3. Bürgermeister Michael Fell sähe gerne mehr Engagement beim Feuerwehrhaus-Neubau. Für den Unimog des Bauhofs, der über 200 000 Kilometer aufweist und zahlreiche Instandsetzungen hinter sich hat, will der Bürgermeister 100 000 Euro für ein Ersatzfahrzeug in den Haushalt einstellen lassen. Der Skaterplatz und die Straßenschäden in der Ringstraße waren weitere Themen.

Keine Einwände gab es bei den Bauanträgen. Den Antrag auf die zweite Verlängerung der Baugenehmigung für Um- und Anbauten an einem denkmalgeschützten Gebäude ließ der Rat zu. Über die Zeitdauer des Antrags entscheidet das Landratsamt. Die Errichtung eines Einfamilienhauses mit zwei Pkw-Stellplätzen in der Kissinger Straße wie auch der Teilabbruch, Umbau, und die Nutzungs- und Fassadenänderung an einem Anwesen in der Wirmsthaler Hauptstraße erhielten "grünes Licht". Mehrheitlich stimmte das Gremium für einen 50-prozentigen Erlass der Wasser- und Abwassergebühren des SV Wirmsthal für die Periode 2020/2021. Der Zuschuss beträgt 307 Euro.