Der Katzen Herr werden

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In der Faulstiegstraße/Dr.-Sell-Straße im Hammelburger Baugebiet "Am Gericht" besteht ein Problem mit Katzen.S. Standke
In der Faulstiegstraße/Dr.-Sell-Straße im Hammelburger Baugebiet "Am Gericht" besteht ein Problem mit  Katzen.S. Standke
In der Faulstiegstraße/Dr.-Sell-Straße im Hammelburger Baugebiet "Am Gericht" besteht ein Problem mit Katzen.S. Standke
In der Faulstiegstraße/Dr.-Sell-Straße im Hammelburger Baugebiet "Am Gericht" besteht ein Problem mit  Katzen.S. Standke
 
In der Faulstiegstraße/Dr.-Sell-Straße im Hammelburger Baugebiet "Am Gericht" besteht ein Problem mit Katzen.S. Standke
In der Faulstiegstraße/Dr.-Sell-Straße im Hammelburger Baugebiet "Am Gericht" besteht ein Problem mit  Katzen.S. Standke
 
In der Faulstiegstraße/Dr.-Sell-Straße im Hammelburger Baugebiet "Am Gericht" besteht ein Problem mit Katzen.S. Standke
In der Faulstiegstraße/Dr.-Sell-Straße im Hammelburger Baugebiet "Am Gericht" besteht ein Problem mit  Katzen.S. Standke
 
Die Katze Cosy, die auf der Straße aufwuchs, durch Krankheit ein Auge verlor und in Oberleichtersbach ihr Zuhause gefunden hat.Silvia Pietreck
Die Katze Cosy, die auf der Straße aufwuchs, durch Krankheit ein Auge verlor und in Oberleichtersbach ihr Zuhause gefunden hat.Silvia Pietreck
 

Für die Stadt sind die verwilderten Katzen ein Problem, das sie seit Jahren lösen will, aber nicht kann.

Erst vor zwei Wochen tappte wieder eine in die Falle. Eine Katze, die zum Tierarzt gebracht werden musste, um sie eventuell zu kastrieren, damit sie sich nicht vermehrt. Seit Jahren kämpft die Stadt Hammelburg im Baugebiet "Am Gericht", speziell in der Faulstiegstraße- und der Dr.-Sell-Straße, mit einer "Katzenflut". Um sie einzudämmen, setzt die Verwaltung Fallen ein. Mit bescheidenem Erfolg.

"Von den Anwohnern gibt es regelmäßig Beschwerden", berichtet Heike Gnerlich vom Bürgermeisteramt auf Anfrage. Das Thema Katzen beschäftige die Stadt seit einigen Jahren. Das Wohngebiet rechts der Untererthaler Straße gelte als "Brennpunkt".

Woher das Problem stammt, ist schwer zu ergründen. Ursula Boehm, Leiterin des Tierheims Wannigsmühle bei Münnerstadt, will gehört haben, dass in dem Wohngebiet ein Rentnerpaar lebe, das die Katzen füttere. Auch eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte, spricht von einem Haus, in dem es viele Katzen gebe, die sich gut vermehrten. Katzen sind schlaue Tiere: Wo es Futter gibt, versammeln sie sich.

Heike Gnerlich kennt das Gerücht von dem Rentnerpaar. "Die Leute erzählen es. Ich kann es aber nicht bestätigen und kenne keine Namen." Um den Katzen Herr zu werden, stellen Mitarbeiter des städtischen Bauhofs seit Monaten regelmäßig Katzenfallen in privaten Gärten auf, so Gnerlich. "Die gefangenen Tiere werden kastriert und dann wieder in die Nähe des Ortes, an dem sie gefangen wurden, zurückgebracht." Die Kosten dafür teilten sich Stadt und Tierheim Wannigsmühle.

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Die Fangbilanz der vergangenen Monate klingt überschaubar: Im März fand sich eine Katze in einer der Fallen, die auf Privatgrundstücken aufgestellt wurden; im April waren es zwei, im Mai und August wieder je eine. Für Juni und Juli weist die Statistik keine Fänge aus. Wobei die Fallen nicht durchgängig stehen. Und häufig finden sich Gnerlich zufolge darin bereits kastrierte Tiere. "Eine Verbesserung beziehungsweise ein Rückgang der 'Katzenflut' ist nach Mitteilung des Ordnungsamtes derzeit noch nicht zu verzeichnen."

Das Problem frei herumlaufender und auch kranker Katzen - es stellt kein spezielles der Stadt Hammelburg dar. Es besteht überall im Landkreis, ja in ganz Deutschland. Davon kann Ursula Boehm von der Wannigsmühle ein Lied singen. Und zwar seit Jahren. Ständig würden sie Anrufe wegen umherstreunender Tiere erreichen. Oder Katzen persönlich oder anonym beim Tierheim abgegeben. Jährlich kämen mehr als 1000 Tiere zusammen.

Für Boehm die einzige Lösung: eine bayernweite Kastrations- und Kennzeichnungspflicht. Laut Landratsamt in Bad Kissingen besteht für die Kommunen durchaus die Möglichkeit, so etwas anzuordnen. "Der Erlass ist nicht die Schwierigkeit, aber die Umsetzung", teilt Heike Gnerlich die Meinung der Hammelburger Verwaltung dazu mit. Der Katzen sei in den seltensten Fällen ein Besitzer zuordenbar. Wer solle also belangt werden? Und wie solle die Kastrationspflicht kontrolliert werden? "Solange es Menschen gibt, die es toll finden, streunende Katzen zu füttern, bleibt das Problem bestehen", sagt Gnerlich.

Hintergrund:

Laut der Tierschutzorganisation "TASSO - Haustierzentralregister für die Bundesrepublik Deutschland" und Deutschem Tierschutzbund leben in Deutschland rund zwei Millionen Katzen auf der Straße - wegen Futtermangels oft ausgemergelt, schwach und krank. Viele verhungern oder erfrieren gerade in der kalten Jahreszeit. Für TASSO die einzig sinnvolle und tiergerechte Lösung, um die Population der Streunerkatzen einzudämmen: die Kastration, nicht nur der frei herumlaufenden, sondern auch der Katzen mit Besitzer. Denn Freigänger und Streuner könnten sich mindestens zwei Mal im Jahr vermehren "Die Zahl der Nachkommen von nur einer Katze steigt so nach nur vier Jahren in die Tausende".