Organisator Roland Full präsentierte mehrere Briefe, die an dieses historische Ereignis erinnern: einen am 3. Oktober 1990 abgestempelten Ersttagsbrief mit entsprechenden Wertzeichen im Motiv "Deutsche Einheit", einen tags zuvor abgestempelten letzten Brief unter der zu Ende gehenden Hoheit der DDR mit letzten Ulbricht-Briefmarken und eine am 4. Oktober 1990 abgestempelte Postkarte zum Tag der ersten Sitzung des Gesamt-Deutschen Parlaments in Berlin.

"Das ist ein Stück Geschichte zum Anfassen", sagt Full. Und dann zeigt er noch Beispiele von Geschäftsbriefen aus den Jahren 1990 und 1991, der Übergangszeit von erlaubten Briefmarken aus Ost und West. Full: "Pfiffige Geschäftsleute aus Westdeutschland gaben damals ihre Geschäftspost im Osten auf, weil es billiger war."


Aus der Zeit der DDR

"Wir sind das Volk" ist auf einer DDR-Briefmarke zu lesen, die offensichtlich nach dem Mauerfall und vor der Auflösung der ostpostalischen Alleinhoheit herauskam. Der aus Forchheim erstmals zu diesem Tauschtag angereiste Sammler Thomas Schmittkonz hatte sie auf seinem Ausstellungstisch. Außerdem präsentiert er alte Postkarten aus der Zeit des "Hurra-Patriotismus" zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Mit dem Spruch "Euch werden wir laufen lehren!" ist die Karikatur unterschrieben, auf der Kaiser Wilhelms Soldaten die Völker aus Frankreich, England, Russland, Japan und dem Balkan mit dem Bajonett attackieren.


Ökumenisches Team

Dass Briefmarken einem guten Zweck dienen können, ist dem Hinweis des ökumenischen Briefmarken-Teams von Dietmar Feist, Willi Stapper und Artur Hurrlein zu entnehmen. Die Marken werden sortiert, verpackt und verkauft. "Der Erlös geht konfessionell ungebunden an soziale Einrichtungen in Hammelburg", erklärt Feist.

Statt Marken wegzuwerfen, könnten diese zur Spende verwendet werden. In elf Jahren seien so 5050 Euro zusammengekommen. Das Spendengeld sei an das Bürgerspital, die Hammelburger Tafel, das Café Hoffnung, an Pater Pavel und an die Weihnachtshilfe der Saale-Zeitung gegangen. Briefmarken könnten jederzeit in den katholischen und evangelischen Pfarrämtern abgegeben werden.

"Ich bin zufrieden mit dem Tauschtag, zumindest wenn ich nach Bad Neustadt oder Schweinfurt blicke", sagt Full. Freilich hat er einkalkuliert, dass mit jungem Nachwuchs unter den Briefmarkenfreunden heutzutage kaum noch zu rechnen sei. Treu sind die Senioren, die mitunter kofferweise ihre lebenslang ans Herz gewachsenen Sammlungen herzeigen.