Edwin Fella weiß, worauf es ankommt. Sein guter Ruf als Baumschnittexperte war vermutlich auch ein Grund für die große Resonanz auf den Kurs des Bund Naturschutz (BN). Einige Interessierte kamen sogar aus Bad Brückenau, Hausen und Fridritt zur Streuobstfläche des BN bei Untererthal (siehe auch Infokasten).

Früher hatte jede Gemeinde Streuobst, und das war ein guter Verdienst. Obst wurde bis nach Frankfurt verkauft. Most und Schnaps brachten sichere Einnahmen. Durch die Flurbereinigung gingen in Hammelburg Tausende Bäume verloren.

Seit etwa 15 Jahren werden wieder viele Obstbäume gepflanzt, etwa als Ausgleichsmaßnahmen, aber dann nicht mehr genug gepflegt. Die Bäume vergreisen, Äste brechen ab. "Je besser der Baum gepflegt wird, desto älter wird er und bietet den unterschiedlichsten Tieren Lebensraum. Nur auf alten Bäumen mit Baumhöhlen kann der Steinkauz nisten", erklärte BN-Ehrenvorsitzender Ulf Zeidler.

Ziel sei, das Wissen um die Baumpflege an die Jungen weiterzugeben. "Nutzung und Erhalt der Kulturlandschaft fördert auch die Artenvielfalt", machte Zeidler deutlich.

Edwin Fella unterstützt das Anliegen der Naturschützer. "Auf Chemie kann im Streuobstbau verzichtet werden. Vögel und Fledermäuse fressen genügend Insekten. Mit Nistkästen am Baum kann man dies fördern", erklärt er. Nistkästen und Bausets für Höhlenbrüter können bei der BN-Kreisgruppe erworben werden.

Der engagierte Baumexperte sprach über das richtige Werkzeug, das Kalken der Stämme als Frostschutz, die richtige Sorten- und Standortwahl. Er zeigte sogar, wie ein aus einem Apfelkern gezogenes Pflänzchen richtig veredelt wird. "Wichtig ist der Erziehungsschnitt am jungen Baum, denn damit wird die Grundlage für die Stabilität und den Ertrag gelegt", so Fella.

"Es ist kein Hexenwerk"

Die Anordnung und der Winkel der späteren Tragäste wird in jungen Jahren festgelegt. "Es ist kein Hexenwerk. Es gilt nur ein paar Grundregeln zu beachten," ermuntert Fella, tätig zu werden. Alles wachse dem Licht entgegen. Das müsse beim Erhaltungsschnitt älterer Bäume berücksichtigt werden. Wasserschosse, das sind Sommertriebe aus altem Holz einer mehrjährigen verholzten Pflanze, sollten am besten während der Wachstumsperiode gerissen werden.

Wenn ein Baum nicht trägt, kann das viele Ursachen haben. Er kann zu stark geschnitten, zu tief gepflanzt sein. "Manche Sorten zeigen das Phänomen der Alternanz, tragen in einem Jahr sehr viel, im nächsten gar nicht", weiß Fella. Durch Ausdünnen der Blüten und Sommerschnitt könne diese Erscheinung gemildert werden.
Nach der Theorie war die Praxis angesagt. Eine Teleskopsäge erleichtert das Arbeiten. So kann vieles vom Boden aus gemacht und die Unfallgefahr verringert werden.