Klassensprecherin Michaela Friedel und Irmgard Rüttiger freuen sich. Sie haben beide eine Stelle gefunden: Michaela Friedel im Seniorenzentrum Schwebheim, ihre Klassenkameradin im "Haus Waldenfels" in Bad Brückenau. Das kennt sie schon von einem Praktikum.

Sie haben sich durchgebissen. Es sei ganz schön heftig gewesen, sagt Irmgard Rüttiger. Zunächst habe sie gedacht, sie überstehe die Probezeit nicht. Bei der Ausbildung werde schon sehr viel gefordert.
Die gelernte Schneiderin war 36 Jahre in einer Bad Brückenauer Fabrik. Als die pleite machte, war sie ihre Stelle los.

"In meinem Alter hat man keine Chance mehr auf einen Job in der Industrie", sagt die 55-Jährige. Sie hat mit der Pflege totales Neuland betreten. Ihre Vermittlerin bei der Agentur für Arbeit hat sie ans bfz verwiesen. Sie hat in einem Heim zur Probe bearbeitet. Das habe ihr gut gefallen. Aber: Finanziell wird sie sich nicht verbessern.


Nur acht kamen durch

Auch Michaela Friedel, gelernte Hauswirtschaftlerin, war vier Jahre lang bei einer Leiharbeitsfirma beschäftigt. Auch sie lobt die Ausbildung im bfz als gut, würde sich allerdings noch etwas mehr Praxis wünschen.
Das eine Jahr hat von den ursprünglich zwölf "Azubis" eine ganze Menge verlangt. Einer ist krankheitsbedingt ausgeschieden, drei sind durch die staatliche Prüfung gefallen.

Zeller, der einst selbst Deutschunterricht gegeben hat, beglückwünschte die sieben Damen und einen Herrn, die erfolgreich gewesen waren. Für sie sei es eine harte Zeit gewesen: "Auf Ihre Leistung können Sie stolz sein." Sie hätten einen Beruf mit Zukunft ergriffen, der zwar Belastungen mit sich bringe, aber auch viele Chancen biete. Er sei mehr als viele andere Beschäftigungen auch Berufung und nicht nur Broterwerb. Auch wenn die Rahmenbedingungen nicht immer optimal und die Belastungen oft hoch seien.

Schulleiterin Angelika Korsalke sagte, die Teilnehmer hätten Höhen und Tiefen durchgemacht. Klassenleiterin Manuela Prokosch meinte, "Sie sind am Ziel angekommen". Sie hätten sich als Menschen weiter entwickelt, seien stärker geworden.

Außenstellenchef Peter-Wolfgang Großmann nannte eine Informationsveranstaltung über Pflegeberufe einen vollen Erfolg. Nur drei von 23 Plätzen an der Fachschule seien noch frei.