Die Stadt Bad Kissingen entscheidet am Mittwoch, der Landkreis ist schon weiter: Der Kreistag hat mit fünf Gegenstimmen Landrat Bold beauftragt, den viel diskutierten Antrag auf die Erweiterung des Biosphärenreservats Rhön zu unterzeichnen.

Vorausgegangen war wieder einmal eine längere Debatte, die Gotthard Schlereth (FW) so zusammenfasste: "Viele (Kreisräte) gehen von verschiedenen Informationsständen aus, leider." Sie drehte sich um die Frage, ob bei
der mit dem Antrag verbundenen Ausdehnung der Kernzone die Belange der Kommunen auch berücksichtigt würden.

Bold verwies auf die Aussagen von Regierungs-Vizepräsident Andreas Metschke. Danach würden gemeinsam mit den Kommunen alle Probleme gelöst. Der Landkreis habe keine Gründe, "das nicht zu vollziehen." Metschke stehe im Wort.

Walter Gutmann (CSU) vertraut zwar der Regierung, ist aber dennoch skeptisch. Vor allem Oberwildflecken wäre betroffen. Er würde vor einer Unterschrift unter den Antrag gerne die verlangten Korrekturen in der damit verbundenen Verordnung sehen. Deren Entwurf nannte Gutmann "geradezu amateurhaft". Er müsse überarbeitet werden. Eine Unterzeichnung sei jetzt verfrüht. Dieser Ansicht sei auch Sandro Kirchner (CSU), sagte Gutmann. Otto Funck (FW) teilt die Bedenken. Die von Wildflecken genannten Probleme seien noch nicht gelöst, so Alfred Schrenk (SPD).

Bold zeigte durchaus Verständnis. Nach Angaben von Metschke werde kein Weg in den neuen Kernzonen aus der Nutzung herausgenommen. Auch ein Ausbau der Infrastruktur sei weiter möglich, antwortete er auf die Frage von Richard Fix (Grüne/ BfU), was aus dem Radweg nach Euerdorf werde. Dieser Bereich, so Kay Blankenburg (SPD), werde aus der geplanten Kernzone herausgenommen, der Weg sei "damit in trockenen Tüchern". Das habe ihm Abteilungsdirektor Bertram Eidel (Regierung) gesagt.

"Für mich nicht akzeptabel"

Gotthard Schlereth sagte, er verstehe zwar die Skepsis, bat jedoch um Vertrauen für die Regierung. Der vorgegebene Zeitrahmen für die Antragstellung müsse eingehalten werden. Sonst gehe ein Jahr verloren.

Bei dieser Sitzung stellte sich Bold demonstrativ vor Oberregierungsrat Thomas Schoenwald. Dem Juristen war im Zusammenhang mit den geplanten Windrädern im Roßbacher Forst vorgeworfen worden, er habe "vorsätzliche Rechtsbeugung" begangen. Diese Rufschädigung und Verleumdung, so Bold, "ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel." Dafür bekam er Beifall von allen Kreistagsmitgliedern.

Noch eine gute Nachricht: Finanziell ist in diesem Jahr beim Landkreis alles im grünen Bereich. "Wir liegen im Soll", sagte Kämmerer Peter Schläger.