Die Kurstadt an der Saale lebt von ihrem Ruf als traditioneller Standort für Gesundheit, Wohlbefinden und Erholung. Die Tourismus- und Hotelbranche musste in den letzten Monaten schwere Einschränkungen hinnehmen. Die Entwicklung der nächsten Monate wird darüber entscheiden, wie lange die Hotels durchhalten.

Das Parkhotel Cup Vitalis öffnete am 30. Juni, nachdem es seit Mitte März komplett geschlossen war. "Das Hotel arbeitet viel mit Buspartnern zusammen", sagt Ute Trabert, die Hotelmanagerin. Ein Großteil der Gäste seien Stammgäste, die mit dem Bus aus ganz Deutschland anreisen. "Es hätte keinen Sinn gemacht, das Hotel aufzumachen, bevor die Busse wieder fahren", erklärt Trabert.

Am ersten Öffnungstag seien 40 Gäste per Bus angereist. Dann müsse man wieder - meist auf das Wochenende - warten, bis die nächsten Reisenden kämen. Zwischen Mitte Juli und Mitte August hätten sich bisher rund 130 Gäste für Übernachtungen im Cup Vitalis Hotel angekündigt.

Bustouristen

Auch das Hotel Frankenland bezieht einen wichtigen Teil seiner Gäste über Tagungen und über den Bustourismus. "Das ist uns alles weggebrochen", sagt Alexandra Schnell, die Geschäftsführerin. In den Bussen sei es schwer, die Abstandsregeln einzuhalten, deshalb müssten mehr Fahrzeuge fahren, um die gleiche Anzahl an Touristen zu befördern. "Aber das rechnet sich dann nicht mehr für die Unternehmen." Manche Personen hätten Angst, mitzufahren und kämen dann nicht. Zahlreiche ihrer Stammgäste seien über 70 Jahre alt und noch zurückhaltend.

"Es fehlt an Bustouristen", sagt auch Heinz Stempfle, Vorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bayern) für den Landkreis und für Unterfranken. Als Beispiel nennt er eine Reise, für die 30 Personen zugesagt hätten, dann aber schließlich nur 14 Personen kamen.

Von Tag zu Tag mehr Gäste

"Von Tag zu Tag merken wir eine stetige Zunahme von Gästeanreisen", teilt Ines Hartmann von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Staatsbad GmbH mit. Im Zeitraum vom 30. Mai bis zum 30. Juni seien der Staatsbad GmbH bis zum 2. Juli insgesamt 9639 Anreisen und 65 044 Gästeübernachtungen gemeldet worden. "Vor allem Gäste aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen sind nach Bad Kissingen gereist."

Allerdings seien nach wie vor noch nicht wieder alle Häuser (voll) in Betrieb, und fast alle Häuser lägen aktuell noch weit hinter den Vorjahreswerten zurück. "Gründe hierfür liegen unter anderem im noch sehr zurückhaltenden Buchungsverhalten vieler unsicherer Gäste und dem fehlenden Tagungsgeschäft." Ein Vergleich: Im Jahr 2019 erfasste die Staatsbad GmbH für denselben Zeitraum insgesamt 27 705 Anreisen und 160 148 Gästeübernachtungen.

Verglichen mit dem Vorjahr bleiben in vielen Hotels die Zimmer noch leer. Das Cup Vitalis hatte in der Hauptsaison 2019 rund 230 Gäste. In Spitzenzeiten kann das Hotel noch deutlich mehr Gäste aufnehmen.

"Es läuft schleppend", sagt Schnell. Das Frankenland erreiche derzeit etwa 30 Prozent der Auslastung an Gästen im Vergleich zum Vorjahr. Das entspreche etwa 100 Gästen. Im vergangenen Jahr seien zwischen 300 und 350 Gästen gekommen. An Spitzenzeiten am Wochenende um die 500 Personen.

Das Problem: "Wir arbeiten noch nicht kostendeckend. Wenn wir genauso weitermachen, wird es bald eng", sagt Schnell. Drei Monate ließe es sich wohl auf diesem Niveau noch durchhalten.

Ungewisser Blick in die Zukunft

Immerhin ein Hoffnungsschimmer: "Die Tendenz der Gästezahlen ist steigend." Bei 200 bis 220 Gästen bekomme man es einigermaßen kostendeckend hin. "Aber das sieht im Juli und August noch nicht so aus." Wenn die Besucherzahl deutlich stiege, ließe sich die Lage länger bewältigen. Das Frankenland habe Rücklagen, die eigentlich für die Sanierung des Hotels gedacht gewesen seien, nun aber für entsprechende Liquidität wichtig seien. In der Zeit der Schließung sanierten Arbeiter den Spa- und Saunabereich und das Restaurant. "Das können wir kaum bei laufendem Betrieb machen."

Bisher noch keine Entlassungen

"Es war eine traurige Zeit, das Hotel so leer zu sehen", sagt Trabert, die seit 2013 für das Cup Vitalis arbeitet. Auf ihre Mitarbeiter ist sie stolz. Diese hätten für die Öffnung in Rekordzeit das Hotel und den Außenbereich hergerichtet. Mitarbeiter aus dem Gastronomiebereich hätten auch im Garten mitangepackt. Rund 100 Mitarbeiter arbeiten regulär im Cup Vitalis. Etwa die Hälfte ist derzeit im Einsatz. Kurzarbeit gilt weiterhin. "Wir mussten keine Mitarbeiter entlassen. Wir hoffen, dass wir dabei bleiben können", sagt Trabert.

Wer der Hotelmanagerin durch die Räumlichkeiten folgt, sieht viele Annehmlichkeiten, die das Hotel bietet: Ein großes Indoor-Gradierwerk, eine Fitnessarea und eine eigene Sporthalle, Massageräume, eine Saunalandschaft, eine Trockensalz-Oase, ein 20-Meter-Sportbecken und ein 33 °C warmes Becken. Bisher noch leer.

Viel Platz in den Hotels

Es fällt der Hotelmanagerin schwer, nicht den Standard bieten zu können, den Stammgäste gewohnt sind. Die Sitzgelegenheiten im Restaurant, in der Lounge und auf der Sonnenterrasse sind deutlich ausgedünnt, um Abstand zu wahren. Im Restaurant gibt es kein Buffet, keine Blumen oder Deko-Elemente auf den Tischen. Dafür braucht es deutlich mehr Mitarbeiter, die bei der Gästezahl sonst üblich sind, die ständig alles desinfizieren.

Höhere Preise

Das bedeutet: Weniger Einnahmen durch Hotelgäste, bei gleichzeitig höheren Ausgaben für den laufenden Betrieb: Führt das zu höheren Übernachtungspreisen? "Das ist eine delikate Frage", sagt Pascal Muller, Hoteldirektor im Cup Vitalis. "Man erwartet von uns, dass wir die Preise senken, damit mehr Gäste kommen. Das machen wir nicht. Die Preise bleiben stabil."

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