Ein reiner Männer-Chor war bisher bei einem Konzert in der Kreuzberg-Klosterkirche noch nie zu hören. Vielleicht war das der Grund für ein "volles Haus", schließlich klagen fast alle gemischten Chöre über Männermangel. Schon das kurze musikalische "Willkommen" ließ aufhorchen. Erst danach begrüßte der Hausherr, Guardian Pater Stanislaus, die Sänger aus Oberbach, freute sich über die vielen Gäste und wünschte einen
musikalischen Genuss. Durch das Programm führte gekonnt Gerwin Kellermann.
Mit dem Titel "Jetzt kommt die schöne Frühjahrszeit" wurden die Akteure ihrem gewählten Konzert-Titel, nämlich "Frühlingserwachen", gerecht. Wehte um die Kirchenmauern auch noch ein frischer Wind, so verhieß dieses alte Volkslied den Frühling doch in naher Zukunft. Mit der Komposition "Du liebe Rhön" setzten die Oberbacher ihrem viel zu jung verstorbenen ehemaligen Klassenkameraden Egon Kirchner ein Denkmal im Programm. Der Text von Otto Nisch beschreibt die Rhön in ihrer ganzen Bandbreite: "Kurze Sommer, lange Winter, harte Arbeit, karger Lohn - aber jeder deiner Berge königlich auf stolzem Thron". Die Melodie geht unter die Haut, wenn sie so innig vorgetragen wird wie von den Oberbachern.
Das traf auch für die folgenden Beiträge zu: Das Kissinger-Hütte-Lied, komponiert von Weihbischof Helmut Bauer, der ein großer Freund der Rhön ist, und das Rennsteiglied, das inzwischen zur heimlichen "National-Hymne" in Thüringen geworden ist.
Mit einer Volksweise aus dem Alpenraum trafen die Sänger den Nerv der Zuhörer - der knappe Titel: "Andachtsjodler". Spätestens ab hier wurde das Konzert zu einer besinnlichen Andacht. Die innig und flehentlich vorgetragenen Wiederholungen hätten sich noch fortsetzen können - man mochte nur einfach zuhören und die zarten Klänge genießen.


Sehnsucht nach Frieden

Diese Stille setzte sich auch bei Gotthilf Fischers "Frieden" fort, das in die gleiche Richtung zielte: Sehnsucht nach Frieden und Harmonie - einmal für eine Stunde keine Schreckensnachrichten hören, sondern sich den Friedenswünschen hingeben. Die zarte und innige Weise "Weit, weit weg" hätte man diesen dynamischen Männern gar nicht zugetraut. Sie intonierten bei diesem schwierigen Satz mit Hingabe und Wehmut.
Dass in einer franziskanischen Kirche auch an den Heiligen Franziskus gedacht wird, muss besonders dankbar erwähnt werden. In "Fratello sole e sorella luna" wird der lateinische Text des Sonnengesangs des Heiligen gesungen vorgetragen. Franziskus' Lob auf Gottes Schöpfung gehört zum Weltkulturerbe. Er besingt darin Bruder Sonne und Schwester Mond, auch Mutter Erde und Bruder Tod. Der schwierige Chorsatz und die lateinischen Texte sind für Rhöner Kehlen keine leichte Aufgabe, aber die Oberbacher meisterten sie bravourös.
Beim anschließenden "Schönen Tag" kam die kleine Band zum Einsatz, die zurückhaltend und nur begleitend auftrat. Mit dem wohl jedem Zuhörer bekannten Lied "Untreue" - besser bekannt als "In einem kühlen Grunde", getextet von Joseph von Eichendorff im Jahr 1807, steuerte das Konzert seinem Ende entgegen. Peter Heil, seit Bestehen der Gruppe am Dirigentenpult, hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen. Er "drittelte" den Chor und verteilte die drei Teile an verschiedenen Plätzen im Gotteshaus. Das war chorisch ein kleines Wagnis, denn alle müssen sicher und gut "alleine" singen können. Doch das Experiment glückte. Dadurch kam "Farbe" in die Aufführung. Eine Strophe klang von rechts, eine Strophe von links, dann sangen alle zusammen.


Besondere Aufstellung

Diese Aufstellung blieb auch für den Schlusschor bestehen. Beim Kanon "Dona nobis pacem" sang ganz gewiss so mancher Besucher leise mit. Nun endlich durfte applaudiert werden. Eine sehr bewegende "Andacht" war zu Ende und wurde mit frenetischen Beifall belohnt. Die Zugabe "Hans blei da! - du wesst ja net wie's Weder wird" rundete den Nachmittag ab. Die gespendeten Gelder werden für kleine Sanierungsarbeiten im Eingangsbereich der Oberbacher Pfarrkirche verwendet.