Der Strom ist ungebrochen: Mehr als 20 000 Menschen haben laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Dezember Asyl in Deutschland beantragt. Mehr als 200 000 waren es das ganze Jahr über. Etwa 630 von ihnen leben aktuell im Kreis Bad Kissingen, entweder in vier großen Gemeinschaftsunterkünften der Bezirksregierung oder in zehn dezentralen Unterkünften des Landkreises. 15 bis 20 weitere werden nach Angaben des Landratsamtes jede Woche erwartet.

Die Situation bedeutet für die Behörden vor allem eines: Neue Unterkünfte suchen, um die Asylbewerber unterzubringen. Jetzt scheint der Bezirk ein passendes Objekt in Bad Kissingen gefunden zu haben. Die ehemalige Postgarage in der Winkelser-Straße unterhalb des Ford-Autohauses. "So wie es sich darstellt, könnte das ein Objekt werden, in dem wir Asylbewerber unterbringen können", sagt Marlene Rathgeber von der Bezirks-Pressestelle. Die Stadt Bad Kissingen habe das Gebäude vor etwa einer Woche als geeignet gemeldet. Man trete jetzt schnellstmöglich in Verhandlungen mit dem Eigentümer, um das Gebäude zu prüfen.

Stadt sagt Ja zur Unterkunft

Die Stadt ist damit einverstanden, dass dort ein langfristiges Flüchtlingsquartier entsteht, betont Sozialreferent David Rybak. "Ich begrüße das. Wir können uns das vorstellen und können mit dem Standort leben", sagt er. Ludwig Sauer, seit Januar neuer Kreisgeschäftsführer der Caritas, findet eine Gemeinschaftsunterkunft dort am richtigen Platz. "Bad Kissingen ist eine große Stadt, die sicher noch Kapazitäten für Flüchtlinge hat. Von der Infrastruktur her ist das besser, als auf den Ortschaften. Das macht es auch für uns leichter", sagt er. Die Caritas übernimmt in allen Unterkünften im Landkreis die soziale Betreuung der Flüchtlinge. Dazu hat sie zuletzt mehrere Stellen neu ausgeschrieben und besetzt.

Bevölkerung früh einbinden

Die Vorsitzende des Integrationsbeirates Ana Maria Benevides Werner sieht Bad Kissingen gut aufgestellt. "Die Stimmung ist bisher sehr gut. Wir müssen die Menschen weiter positiv vorbereiten, damit sie nicht kippt", sagt sie.

Die ehemalige Postgarage bietet Platz für rund 80 Menschen. Insofern ein Mietvertrag zustande kommt, plant der Bezirk das Gebäude für mindestens fünf Jahre, eher länger, zu mieten. "Wenn wir intensiv herrichten, sind wir natürlich an einer langen Mietzeit interessiert", erklärt Rathgeber. Sie schätzt, dass eine Belegung ab Mitte 2015 realistisch wäre, grundsätzlich aber gilt: "So bald wie möglich."

"Fast 100 Luft", sagt Stefan Seufert, Asylkoordinator am Landratsamt sichtlich erleichtert. Das Landratsamt hat sich einen Puffer von 92 Betten erarbeitet: Dezentrale Unterkünfte in Reiterswiesen, Gauaschach, Riedenberg sowie Waldfenster sind bereits gemietet und werden nacheinander belegt. Darüber hinaus werden weitere Objekte geprüft, ob sie als Flüchtlingsquartier in Frage kommen.

Lösung für Jugendliche gesucht

Eines der dringlicheren Probleme ist die Frage, wo die unbegleiteten Jugendlichen untergebracht werden. Sie wohnen noch bis März übergangsmäßig im Bungalowdorf der Jugendbildungsstätte Volkersberg. Danach muss eine neue Lösung her. "Es laufen Überlegungen, die Jugendlichen im Raum Bad Kissingen unterzubringen", sagt Seufert. Dafür dass die unbegleiteten Minderjährigen in der Großen Kreisstadt unterkommen, setzt sich Sozialreferent David Rybak ein. "Ich will sie hier haben", sagt er.