"Schnellstmöglich soll jeder Einsatz abgearbeitet werden. Jeder will im Einsatz alles richtig machen. Da muss jeder Handgriff sitzen. Beim Fehlen der entsprechenden Übung und Routine wird man unsicher, und alles geht nicht mehr so flüssig von der Hand", bemängelt Feuerwehrmann Florian Weingärtner. - Seit Oktober vergangenen Jahres waren, wegen Corona und entsprechenden Hygienevorschriften, bei den Feuerwehren nur Einweisungen bis zu einer Stärke von sechs Personen zulässig, größere Übungen in Mannschaftsstärke dagegen waren tabu. Mit einem im Landkreis Bad Kissingen einzigartigen Pilotprojekt führte die Reiterswiesener Feuerwehr am Samstag eine Übung mit 20 Einsatzkräften durch, bei der Corona-Antigen-Schnelltests im Reiterswiesener Feuerwehrhaus durch den Feuerwehrarzt Michael Brendler im Fokus standen.

Warten im Garten

Das Konzept des Pilotprojektes wurde so umgesetzt: Die Übungsteilnehmer warteten vor dem Feuerwehrhaus bis zum Einlass jeder Person einzeln in den Schulungsraum. Dort wurde die Probe entnommen und die Registrierung durchgeführt. Nach der Testung verließen die Probanden im Einbahnstraßensystem den Raum, um im Garten 15 Minuten auf das Testergebnis zu warten. Bei negativer Testung konnte am Übungsbetrieb teilgenommen werden. Wäre eine Person positiv getestet worden, wären weitere Maßnahmen, wie ein PCR-Test und Meldung ans Gesundheitsamt nötig gewesen (der PCR-Test gilt als das zuverlässigste Verfahren, um einen Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus abzuklären). Doch dazu kam es - Gott sei Dank - nicht. Alle 20 Wehrleute wurden negativ getestet. Mario Fischer, der Erste, der getestet wurde, beschrieb: "Der Nasenabstrich war unangenehm. Es ging weiter in die Nase hinein, als ich gedacht hatte. Aber ich würde es immer wieder machen lassen."

Wie im realen Einsatz

Die Probenentnahme erfolgt mit einem langen Stäbchen, das tief in die Nase eingeführt wird. Das Stäbchen wird anschließend in eine spezielle Lösung getaucht. Die Flüssigkeit wird dann auf einen Teststreifen aufgetragen. Ähnlich wie ein Schwangerschaftstest forscht der Antigentest nach bestimmten Eiweiß-Molekülen, die charakteristisch für die Viren sind, und zeigt das Ergebnis auf einem Teststreifen an. Michael Brendler war der erste Hausarzt, der in Bad Kissingen Corona-Tests durchführte. Die Schnelltests brachte er aus seiner Praxis mit. "Wir arbeiten bei der Übung mit einem Hygienekonzept, wie es bei einem realen Einsatz zum Tragen kommt. Der jetzige Test soll zusätzliche Sicherheit bieten", so der Feuerwehrarzt.

Simulierter Zimmerbrand und Dekontaminierungsstation

Abstand von 1,5 Metern, Händewaschen oder das Desinfizieren der Hände sowie Mund-Nasen-Schutz sind Pflicht. "Die Sicherheit und die Einsatzbereitschaft leiden bei mangelnder Übung. Übungsmäßig haben wir einen großen Nachholbedarf. Der Test gibt uns die Möglichkeit, wieder einmal in größerem Rahmen zu üben. Wir haben bei unseren Feuerwehrleuten angefragt, wer beim Test mit anschließender Übung teilnehmen möchte", erklärte Feuerwehrkommandant Bernd Ort. Geübt wurde dann bei einem simulierten Zimmerbrand im Hotel Sonnenhügel und parallel dazu der Aufbau und Betrieb einer Dekontaminierungsstation zum Reinigen von verschmutzten Chemikalienschutzanzüge auf dem Reiterswiesener Schulhof. "Bei Übungsende heißt es nur noch 'Aufräumen und ohne Feierabendbier'. Die Kameradschaft bleibt durch Corona auf der Strecke, weil wir den Kontakt reduzieren müssen. Durch einen erfolgreichen Projektverlauf hoffen wir, später einem gemeinsamen Feuerwehrbier frönen zu können", so Bernd Ort.

Das entsprechende Hygienekonzept wurde in Absprache mit Stadtbrandinspektor Harald Albert ausgearbeitet, und die entsprechenden Genehmigungen für die Testungen beim Landratsamt Bad Kissingen, dem Gesundheitsamt und der Stadt Bad Kissingen vom stellvertretenden Kommandanten Tobias Dittrich eingeholt. Eine weitere Übung mit gleichem Prozedere solle zeigen, ob diese Übungsstrategie sich bewähre, damit auch andere Feuerwehren ihrem Leitspruch "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" optimal gerecht werden können.

Ausbildung während der Corona-Pandemie

Grundsätzlich ermöglicht die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung die Ausbildung der Feuerwehren, insbesondere auch, um die Einsatzbereitschaft und -qualität der Feuerwehren zu erhalten. Letztlich obliegt es den Kommandanten, im Einvernehmen mit der Gemeinde und in Abstimmung mit dem örtlichen Gesundheitsamt, zu entscheiden, ob und welcher Ausbildungs- und Übungsdienst zwingend erforderlich ist, und unter welchen Hygienestandards dieser unter Beachtung der örtlich vorherrschenden Infektionslage durchgeführt werden kann. Aus diesen rechtlichen Vorgaben ergibt sich, dass nur gesunde Einsatzkräfte am Ausbildungs- und Übungsdienst teilnehmen dürfen. Personen mit Anzeichen eines Infekts, wie z. B. Husten, Halsschmerzen, Atemnot, Fieber, Geschmacks- und Geruchsverlust, Durchfall oder Menschen, die in den letzten 14 Tagen Kontakt mit einem gesicherten Covid-19 Fall hatten, sich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufhielten oder sich in angeordneter Quarantäne befinden, dürfen an der Übung nicht teilnehmen.