Bad Kissingen — Mit fünf Grad Wassertemperatur, drei Grad Lufttemperatur und einem Wasserstand von 1,60 Meter wurden die 81 Schwimmer beim 40. Advent-Saale-Schwimmen der Wasserwacht begrüßt. Keine besonders widrigen Umstände für Teilnehmer der Jubiläumsveranstaltung - trotzdem standen 50 Helfer von Wasserwacht, Rotem Kreuz, Technischem Hilfswerk und Feuerwehr zur Absicherung bereit.
"Gott sei Dank, gab es keine Probleme", zeigte sich
Wasserwacht-Vorstand Stefan Kuhn zufrieden mit dem Verlauf. Einerseits verweist er bei seinem positiven Fazit auf die Erfahrung der 70 Schwimmer und 11 Schwimmerinnen, die zum Teil schon seit vielen Jahren am Advent-Saale-Schwimmen teilnehmen, andererseits sind es auch die guten Rahmenbedingungen, die von den Teilnehmern unisono gelobt werden.
"Für ein bisschen mehr Wasser hätte man sorgen können, dann wäre auch die Strömung etwas stärker", so ein Teilnehmer von der Bundeswehr Hammelburg, die in diesem Jahr im einheitlichen Camouflage-Outfit antraten, schmunzelnd und mit blaugefrorenen Lippen. Als größte Gruppe waren die "Hammelburger" diesmal vertreten und hatten mit einem Teilnehmer aus Eckernförde auch den Schwimmer mit der weitesten Anreise dabei. "Ich bin zur Zeit bei einem Lehrgang und da wollte ich diesen Spaß mitmachen", meinte der ausgebildete Minensucher, für den die ruhige Saale kein unüberwindbares Problem darstellte.

Von zehn bis 78 Jahren

Premiere im Saale-Wasser hatte die jüngste Teilnehmerin, die 10-jährige Tini Taillefer von der Wasserwachtgruppe Iphofen, die außerdem die größte Gruppe und mit Adolf Schmidt (78 Jahre) auch den ältesten Teilnehmer stellte. Gut eingepackt in einen dicken Neopren-Anzug freute sie sich auf die vier Kilometer lange Strecke,. Fünfmal war sie in den letzten Jahren die ganze Strecke zu Fuß mitgelaufen, während ihre Mutter Martina im Wasser war. "Tini konnte mit drei Jahren Schwimmen", so die Mutter kurz vor dem Start und gut behütet ging es auf dem Rücken schwimmend in Richtung Rosengarten und weiter zur Südbrücke.
"Wenn es nicht mehr geht oder es zu kalt wird, dann geht es in ein Begleitboot", antwortete Martina Taillefer auf eine entsprechende Frage. Stefan Kuhn betont, dass das Saale-Schwimmen kein Wettbewerb auf Zeit sein soll. Die Selbsteinschätzung ist für Stefan Kuhn besonders wichtig, denn "es bringt nichts, wenn ich noch einen Retter ins Wasser schicken muss, nur damit einer, der sich überschätzt hat, selbst gerettet wird".
Die Wasserwachtler können Ausdauer und Leistungsbereitschaft unter härteren Bedingungen unter Beweis stellen, denn schließlich könne man sich das Wetter beim Einsatz auch nicht aussuchen. Für die Wasserwacht-Taucher ist es zusätzlich die Winterpflichtübung und kann in das persönliche Nachweisheft "Fluss-Kilometer-Schwimmen" eingetragen werden.
Natürlich muss auch der Selbstschutz der Schwimmer stimmen, die auf Kälteschutz-Anzüge zurückgreifen, die mindestens sieben Millimeter stark sein sollten. Alle hoffen auf den isolierenden Effekt, wenn das eindringende Wasser sich unter dem Anzug erwärmt, wobei schon eingestanden wird: "Die ersten Minuten sind hart." Handschuhe, Füßlinge, Kapuzen und Flossen ergänzten die Ausrüstung - und manch einer sorgt mit einer rot-weiße Nikolausmütze für die passende Dekoration.
Andere vertrauen auf zwei Anzüge, die übereinander getragen werden, andere tragen eine Schicht mit Melkfett auf der Haut und wieder anderen reicht ein Becher heißer Tee vor dem Sturz in die kalten Fluten der Saale - und für letzteres haben die Helfer ausreichend gesorgt: 20 Liter Tee und 20 Liter Glühwein stehen sowohl am Startpunkt an der Unteren Saline als auch bei einem Zwischenstopp im Rosengarten für die Teilnehmer bereit.
Aber die Wärme von innen ist nur ein Aspekt, die Alexander Knaab als technischer Leiter der Aktion und Thomas Menz vom Roten Kreuz beachten. "Es wird schwieriger, aber es klappt immer noch", meint Knaab als Verantwortlicher für die Bereitstellung der Helfer. Dagegen sieht es Thomas Menz eher von der medizinischen Seite, wobei er das Risiko bei trainierten Schwimmern als gering einschätzt, "weil diese ja auch in Bewegung sind".
Der Weg zurück in das Leben geht dann - nach circa 60 bis 90 Minuten im kalten Wasser - über heiße Duschen in der Eissporthalle.
Beim anschließenden Treffen im Rot-Kreuz-Haus gab es nicht nur ein Mittagessen, sondern auch die Ehrung mit Pokalen und Urkunden und dem Bad Kissinger Brunnenglas. Den Wanderpokal für die weiteste Anreise erhielt die Wasserwacht Ortsgruppe Nittenau mit 277 Kilometer.