Pünktlich zur Eröffnung der Heiligen Pforte auf dem Kreuzberg öffnete sich auch die Wolkendecke, der Regen hörte auf und blauer Himmel kam zum Vorschein. Was für ein schönes Vorzeichen, freute sich Bischof Friedhelm Hofmann, der sich mit dem Guardian des Klosters Kreuberg, Pater Stanislaus, Pater Eberhard Sievers und Dekan Dr.
Andreas Krefft auf den Weg zur Kiliansstatue begeben hatte, um den liturgischen Teil mit einer Statio zu eröffnen.


Wo der Glaube Fuß fasste

Unterwegs wurde er von den vielen Menschen begrüßt, die sich vor dem Bruder-Franz-Haus und dem Heiligen Kilian versammelt hatten. Unter ihnen der ehemalige Guardian des Klosters Kreuzberg, Pater Martin Domogalla, und der ehemalige Dekan Pfarrer Bernold Rauch. "Herzlich willkommen im Stadtgebiet von Bischofsheim", sagte Bürgermeister Udo Baumann.
Kein Platz auf dem Kreuzberg sei besser geeignet, als die Statue des Heiligen Kilian. "An dieser Stelle, wo der Glauben Fuß fasste, beginnen wir", sagte Bischof Hofmann.
"Heilige Pforten gibt es in diesem außerordentlichen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit zum ersten Mal überall auf der Erde", erklärte der Bischof. "Zwar gab es schon früher außerordentliche Heilige Jahre, aber in all diesen Heiligen Jahren war die Heilige Pforte als einzige nur im Petersdom zu Rom."


Prozession um die Klosteranlage

Die Prozession zur Heiligen Pforte führte um die Klosteranlage. Vor dem verschlossenem Kirchenportal blieb der Bischof stehen und erinnerte an die Barmherzigkeit Gottes. Bruder Ludwig Kiesel, dem Küster der Klosterkirche, oblag es, die Türe von innen zu öffnen. Bischof Hofmann zog als erster feierlich in die Kirche ein. Es folgte das Taufgedächtnis, ist doch das Sakrament der Taufe die Eintrittspforte in die Gemeinschaft der Kirche. Jeder Gottesdienstbesucher wurde dem Ritus entsprechend mit Weihwasser besprengt, dann zog der Bischof als letzter durch die voll besetzte Kirche. Freie Plätze gab es keine mehr, bis nach vorn standen die Menschen in den Gängen, um den Gottesdienst mitzufeiern. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von den Feuerbergmusikanten aus Langenleiten.
In der Predigt sprach der Bischof über den Sinn einer Heiligen Pforte. Letztlich gehe es um das Heil des Menschen. "Gott ist getreu auch denen gegenüber, die in Schwierigkeiten des Lebens geraten sind. Er befreit aus Gefahr und Tod." In unterschiedlichen Bildern werde diese Barmherzigkeit immer wieder zum Ausdruck gebracht, wie dem des Guten Hirten.
Der von den Toten auferstandene Christus sei es, durch den die Menschen Zugang zum Vater haben. Er habe das Tor zum Himmel geöffnet. "Das sei kein frommer Wunsch oder eine Illussion, sondern durch Glaubenszeugen belegt", so der Bischof. Der Satz "Noch keiner ist von den Toten zurück gekommen", stimme nicht. "Doch Christus ist zurückgekehrt." Ihm können die Gläubigen auch heute noch begegnen, beispielsweise in der Heiligen Schrift, in den Sakramenten der Eucharistie und der Beichte und im Mitmenschen, der Hilfe brauche.


Kein Automatismus

Darum gehe es bei der Heiligen Pforte, die für Bischof Hofmann mehr als ein reines Symbol für das Erlangen der Barmherzigkeit Gottes ist. Er machte aber auch deutlich, dass mit dem Durchschreiten kein Automatismus verbunden sei und auch kein magisches Geschehen.
"Mit dem Durchschreiten der Heiligen Pforte ist ein Ablass verbunden. Das mag zunächst einige Mitchristen - erst recht in der Ökumene - irritieren. Aber im Grunde ist der Ablass eine pastorale Hilfe für die Gläubigen", sagte Bischof Hofmann.
Was es mit dem Ablass auf sich habe, das sei vielen Menschen heute nicht mehr geläufig. Er zitierte den verstorbenen Generalvikar Hillenbrand, der in einer Publikation aufgezeigt, habe, dass sich Martin Luther gegen den "Missbrauch des Ablasses durch ein regelrecht kaufmännisch organisiertes Ablasswesen im 16. Jahrhundert" wandte. In der Beichte aber werde die Schuld vergeben, der Ablass sei der Nachlass der ausstehenden Strafe für die Sünden. Hier trete die Kirche dem schuldig Gewordenen solidarisch zur Seite, trete im Fürbittgebet für ihn ein.
Bischof Hofmann erklärte zu diesem Thema den Gläubigen weiter: "Zur gültigen Ablassgewinnung - auch beim Durchschreiten der Heiligen Pforte auf dem Kreuzberg - braucht es die Umkehr zu Gott in der persönlichen Beichte, die Gemeinschaft mit Christus im Kommunionempfang und die Orientierung an der Kirche."


Barmherzigkeit erfahren

Papst Franziskus habe in seiner Predigt zur Öffnung der Heiligen Pforte am 8. Dezember des vergangenen Jahres gesagt: "Dieses Außerordentliche Heilige Jahr ist selbst ein Geschenk der Gnade. Durch diese Pforte einzutreten bedeutet, die Tiefe der Barmherzigkeit des Vaters zu entdecken, der alle aufnimmt und jedem persönlich entgegenkommt."

Die Heilige Pforte
Standorte
Im Bistum Würzburg Im Franziskanerkloster in Würzburg, in der Kapuzinerkirche in Aschaffenburg und während der Wallfahrtssaison von Mai bis Oktober in der Klosterkirche am Kreuzberg.

Besuchszeiten Die Heilige Pforte auf dem Kreuzberg kann tagsüber jederzeit und ohne eine Anmeldung besucht werden.

Beichtmöglichkeit ohne Anmeldung in der Klosterkirche ist Freitags von 17 bis 18 Uhr und Samstags von 15 bis 16 Uhr. Diese Beichtzeiten gelten im Mai bis Ende Oktober, bis zur Schließung der Heiligen Pforte am 23. Oktober.