Soviel steht fest: Um Geld geht es ihnen nicht. Seinen Stundenlohn sollte ein Winzer der Genossenschaft besser nicht ausrechnen. "Es ist für mich vor allem ein Hobby, das mir große Freude macht", bekennt Gregor Schmid und schwärmt von der schönen Landschaft, dem tollen Ausblick ins Saaletal und natürlich dem Wein. Seiner Frau und ihm ist es gelungen, diese Freude an die Töchter weiterzugeben. Denn diese bewirtschaften nun auch einen Teil der Familienweinberge.
"Der Funke der Begeisterung ist übergesprungen", freut sich Christiane Schmid.

An Johannes Martin erinnert

Die Gästeführerin nimmt bei der Exkursion am Samstag die Genossenschaftswinzer in den Blick. Sie erinnert an Johannes Martin, der in Hammelburg vor rund hundert Jahren mehrere Genossenschaften begründete: für Wohnungsbau, Zimmerei und Weinbau. Auch die Raiffeisenbank geht auf die Initiative zurück. "Die Winzer geben einen Teil der Arbeit ab, wie das Pressen der Trauben oder den Ausbau der Weine. So wird es ihnen aber möglich, die Tradition zu erhalten und zu pflegen", erläutert Christiane Schmid.

Ihre Familie hat für Wanderer im vorigen Jahr eine Hütte errichtet, das "Wengertshäusle am Gommersberg". Hier können sie Rast machen und ins Tal schauen. "Wenn wir zum Arbeiten im Weinberg sind, reden wir dann auch mal mit Touristen und beantworten Fragen", erzählt Gregor Schmid.
Seine Frau führt die Gruppe zu einem alten Weinberg. Hier reifen die "1er-Trauben". Bei diesen Stöcken erfolgt nach der Blüte ein Rückschnit auf nur eine Traube pro Trieb. "Die Erntemenge fällt geringer aus, aber der Geschmack ist umso intensiver", erklärt die Fachfrau.

Josef Merz berichtet von einer über hundertjährigen Weinbau-Tradition in seiner Familie. "Als Kinder sind wir ja fast im Weinberg aufgewachsen", betont er. Heutzutage sei die Arbeit durch den Einsatz von modernem technischen Gerät einfacher geworden. "Aber früher war es eine ganz schöne Schinderei", erinnert sich der Hammelburger. Stolz ist er auf die "wunderbare Lage" seiner Anbaufläche.

"Jede freie Minute im Weinberg"

Einen rund 40 Jahre alten Weinberg bewirtschaften Elisabeth Assmann und ihr Mann Thomas Meindl im Nebenerwerb. Wegen der recht engen Zeilen ist das sehr arbeitsintensiv. "Ich bin jede freie Minute im Weinberg. Da spare ich mir das Fitnesscenter", scherzt Assmann. Ihr geht es vor allem auch darum, die besondere Landschaft des Ofenthals zu erhalten.

Eine Besonderheit ist auch die historische, aus Steinen errichtete Hütte. "Die werden wir renovieren. Da kommt noch ein Dach drauf", sagt sie. Auch für Assmann ist die Arbeit in erster Linie Hobby. "Den Pflanzenschutz übernehmen zum Beispiel Profis. Und die Kosten hierfür fressen die Einnahmen fast auf", macht sie deutlich.
Von den 26 Teilnehmern der Tour kommt etwa die Hälfte aus Hammelburg und Umkreis, die anderen zum Teil von weiter her, Großostheim, Schweinfurt und sogar aus dem Allgäu.

Aus dem hessischen Breidenbach bei Marburg sind Sandra und Jürgen Feiter mit von der Partie. "Das ist einfach eine tolle Gegend hier. Der Wein ist gut. Trocken, aber nicht sauer", betont Feiter, der von 1995 bis 1998 Soldat auf dem Lagerberg war. Auf die Exkursion aufmerksam wurde er durch die Internetseite der Stadt. "Ich schaue hier immer wieder mal, was los ist", sagt er.

Susanne Volkheimer, Produktmanagerin von "Frankens Saalestück", wandert ebenfalls mit und ist begeistert: "Menschen, die Weinbautradition, Originale wie sie hier leben, und gewachsene Weinkulturland-schaften. Das ist eine Weinbergshüttenwanderung der authentischen Art." Sie hofft, dass es noch viele weitere solcher Veranstaltungen gibt und lobt: "Ich kann nur sagen: Toll gemacht und weiter so!"