Die "Bad Kissingen" fliegt nicht mehr. Nach mehr als 20 Jahren im Einsatz mit annähernd 45.000 Flugstunden absolvierte die Boeing 737-300 mit der Kennung D-ABEH am 27. Oktober vergangenen Jahres ihren letzen Flug. Er führte unter der Nummer LH 9926 von Hamburg nach Berlin-Schönefeld.

Die Zukunft der Maschine ist ungewiss, verschrottet ist sie jedenfalls noch nicht. Denkbar wäre, dass sie nach gründlicher Überholung bei einer Lufthansa-Tochter, etwa German Wings, oder einer anderen Fluggesellschaft eingesetzt wird. "Seit dem 27. Oktober 2012 ist die 'Bad Kissingen' auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld abgestellt", betont Marion Fischer von der Deutschen Lufthansa AG. "Es gibt derzeit noch keine Entscheidung über den Verbleib der D-ABEH."

Das sind die einzigen offiziellen Meldungen.
"Zum jetzigen Zeitpunkt" stehe "noch kein Nachfolgeflugzeug fest, das den Namen 'Bad Kissingen' trägt". Normalerweise dürfte die Stadt damit rechnen, dass ein anderes Flugzeug auf den Namen Bad Kissingen getauft wird. So war das bislang üblich bei der Fluggesellschaft. Dort werden außer Dienst gestellte Boeing-737 derzeit durch Airbus-Flugzeuge ersetzt. Auch German Wings setzt auf Airbus.
Jörg Lademann, Luftsportbegeisterter aus Neukirchen-Vluyn in Nordrhein-Westfalen hat die "Bad Kissingen" noch lange nicht abgeschrieben. Er sieht für das Flugzeug, das an seinem Geburtstag in den Dienst gestellt wurde und von dem er ein Poster vom Cockpit in seinem Zimmer hängen hat, durchaus noch Zukunftschancen.

So kann er sich nach seien eigenen Recherchen durchaus vorstellen, dass die Maschine in absehbarer Zukunft noch einmal eingesetzt wird. Gegebenenfalls könnte sie nach Tulsa/USA überführt werden, wo eine Tochter der Lufthansa-Technik ein Ausbesserungswerk betreibt. Dort könnte ein so genannter C-Check durchgeführt werden. Bei diesem "Flugzeug-Tüv" wird fast die komplette Maschine auseinander genommen und überholt.

Modell in der Stadt

Die Lufthansa indes kann diese Version nicht bestätigen. So bleibt - momentan - die Erinnerung an die "Bad Kissingen". Sie ist beim früheren Bad Kissinger Oberbürgermeister Christian Zoll besonders groß. Zoll erinnert sich noch genau an die Flugzeug-Taufe am 29. Oktober 1992. "Das war eine kurzweilige Geschichte", sagt er.

"Wir wurden von der Lufthansa eingeladen, waren an der Maschine, die in einem Hangar stand, haben sie betreten und waren auch im Cockpit." Nach der offiziellen Taufe durch Patin Lilo Zoll hat die Stadt auch ein Modell des Flugzeuges als Präsent bekommen. "Zu meiner Zeit stand es im OB-Zimmer", betont Zoll. Auch heute befindet sich das Modell noch in städtischem Besitz. Die Patenschaft erfölgte übrigens im Zusammenhang mit dem Kissinger Sommer. "Wir haben nach der Taufe das Flugpersonal zu einem Konzert eingeladen", betont Zoll heute. Tatsächlich kam das Flugpersonal im Jahr darauf nach Bad Kissingen.


Infos:


Die Boeing 737-300 ist 33,40 Meter lang und 11,10 Meter hoch. Sie hat eine Spannweite von 28,90 Metern. Bei der Deutschen Lufthansa AG hat sie 140 Sitzplätze in 25 Reihen (Reihe 13 gibt es nicht) und zwei Klassen. Sie erreicht eine Reisegeschwindigkeit von 795 Stundenkilometern bei einer Flughöhe von bis zu 11 300 Meter (37 000 Fuß) und einer Reichweite von 2000 Kilometern bei maximaler Auslastung. Das höchste Startgewicht beläuft sich auf 57,5 Tonnen. Die Besatzung besteht aus zwei Piloten und bis zu fünf Mitgliedern der Cabin-Crew.

Die Boeing 737-300 war ursprünglich eine etwas verlängerte 737-200 mit modernen CFW-56-3-Triebwerken und einem Flightmanagement-System. Erstflug war am 25. Februar 1984. Es wurden 1113 Exemplare hergestellt. Die 737- Flugzeug-Familie ist die meistgebaute der Welt. Bislang wurden von verschiedenen Versionen über 9700 Stück montiert oder geordert.

Die Tradition, Flugzeuge der Lufthansa mit den Namen deutscher Bundesländer und Städte zu versehen, geht auf den September 1960 zurück. Damals gab es in Frankfurt die erste Flugzeugtaufe, als die "Kranichlinie" ihren allerersten Langstrecken-Jet, die damals moderne Boeing 707, in Dienst stellte. Der Jet erhielt den Namen "Berlin". Taufpate war der damalige regierende Bürgermeister Willy Brandt. red