"Dass Sie zu uns gekommen sind, um mit uns den Dankgottesdienst zu feiern und an der anschließenden Begegnung teilzunehmen, ist für uns eine große Ehre", sagte Wallfahrtsführer Otmar Seidl zu Bischof Friedhelm Hofmann, der sich im Rahmen der Feier in das neu angelegte Ehrenbuch der Retzbach-Wallfahrer eintrug.
"Ihr Besuch ist Ehre und Ansporn, weiterhin die Wallfahrt zu organisieren und durchzuführen sowie vor allem junge Mitchristen zur Teilnahme zu gewinnen", betonte Seidl.

Hilfe und Stütze


Das traditionelle Dankamt gestalteten die Retzbachmusikanten unter der Leitung von stellvertretendem Wallfahrtsführer Otmar Lutz. Bischof Friedhelm verdeutlichte in seiner Ansprache, dass das irdische Leben endlich sei. Mit dem Tod sei nicht alles aus, wie die Auferstehung Jesu zeige. Sein Beispiel mit der Einordnung in den Willen Gottes und mit seiner Liebe zu den Mitmenschen sollte für jeden Auftrag zur Nachfolge sein. "Seid Zeugen des Glaubens! Die Kirche braucht Glaubenszeugen", appellierte der Bischof und lobte alle Wallfahrer, die diesem Auftrag dienen. "Sie tragen das Gute in die Welt, geben sich unterwegs gegenseitig Hilfe und Stütze und bekennen Ihre Haltung", ermutigte er und fügte an: "Sie sind ein Segen für die ganze Diözese."

Neuer Chor gegründet


116 Teilnehmer hatten sich am 15. September um 2.30 Uhr in der Kirche in Oerlenbach auf den Weg gemacht.
Unterwegs schlossen sich in Ebenhausen, Poppenhausen, Kronungen, Kützberg, Obbach, Brebersdorf und Kaisten viele weitere Wallleut an. In Schwebenried zählte der Zug 323 Personen, die über Arnstein weiter nach Retzbach zogen.
Bischof Friedhelm mischte sich beim nachfolgenden Beisammensein im voll besetzten Pfarrsaal unter die Wallfahrer. Neu geschaffen haben die Wallfahrtsverantwortlichen ein Ehrenbuch, in das sich als Erster der Bischof eintrug mit dem Psalm 86 "Deine Altäre, Herr der Heerscharen, sind meine Freude". Wallfahrtsführer Seidl überreichte ihm eine besondere Mitra, die Bäckermeister Rainer Ludwig aus Brotteig gefertigt hatte.
Eingebettet in Liedstrophen, ließ Otmar Lutz die Wallfahrt mit ihren Stationen Revue passieren. Gerne reihte sich der Bischof in den neu gebildeten Chor der Wallfahrtshelfer ein und sang mit .
Schon zur Tradition geworden ist die Wallfahrtsnachlese von Monika und Otmar Lutz. In ihrem Sketch schilderten sie nach der glücklichen Rückkehr nach zwei Tagen und 100 Kilometer Fußweg ihre Eindrücke bei einem Glas Sekt. "Ich spür kee Knoche un keen Muskel mer. Ich brauch bloß noch Badewanne und Bett", stellte der Ehemann fest. "Jetz noch net; denn der Jürgen brengt dir noch dös ganze Musikzeuch", wandte Ehefrau Monika ein. Bis es so weit war, erinnerten beide an den Aufbruch mit fast mehr Musikanten als Wallleut und mit dem Segen von Pfarrer Amberg, der vom "automatischen Weckdienst des Retzbachwallführers" gerufen wurde oder an den neuen Einkaufsservice eines Begleitautos, um alles nur erdenklich Vergessene wie Hygienemittel unterwegs zu besorgen.
Fast ausgefallen wäre der Eintopf; denn die "Schüsselich seien vergesse worn" und mussten nachgefahren werden. "Auf dem Maroudewoache werde net gebat und gsunge", berichtete Monika. "Da muss halt a a Lautsprecher montiert wer", regte Otmar an.
Und die Hose des Wallfahrtsführers sei immer länger ge-worden. Grund: "Der ist gschrumpft bei der grosse Verantwortung." Bis auf die Stross hätt die Schlange mit Frauen, die aufs Kloo wollte, gereicht: "Da müsse mer uns was einfalle lasse, vielleicht a fahrbares WC wie a Dixi oder en Kloowooche." Als endlich der Jürgen den Musikkram gebracht hatte, bekannten beide trotz totaler Erschöpfung: "Hoffentlich könne mer noch racht lang mitwall!"
Der weiteren Auflockerung diente ein Musikrätsel mit Marienliedern im Polka-Takt. Das frohe Miteinander umrahmten die Retzbachmusikanten, ehe ein Film über die diesjährige Wallfahrt das Treffen abrundete.