Auf eine lange Geschichte kann Thulba zurückblicken. Erstmals taucht der Ort als "villa Tulba" in einer mittelalterlichen Schenkungsurkunde der "Magd Christi" Mima auf. Und für das Jahr 816 ist die erste Kirchenweihe vermerkt.
Pfarrer Karl Theodor Mauer wusste bei seiner Führung in der Propsteikirche auch kuriose Geschichten zu berichten. "Einmal sollten auf Verlangen der Obrigkeit zahlreiche Heiligenfiguren entfernt werden. Das sorgte für Ärger bei den Kirchenbesuchern, die daraufhin das sonntägliche Klingelbeutelgeld verweigerten", erzählte Mauer. Zum Glück durften die Figuren dann bleiben.
Schon 1127 überließen der fuldische Ministeriale Gerlach von Herlingsberg und seine Gemahlin Regilinde dem Fuldaer Abt Heinrich I. ihre Güter zur Gründung eines Klosters. Besetzt wurde dieses mit Benediktinerinnen. Parallel wurde eine romanische Basilika gebaut. "Der Bauernkrieg 1525 bedeutete das Ende des Klosters in Thulba. Die 13 Nonnen wurden vertrieben", schilderte der Geistliche. Das Kloster, das in 52 Orten, von der Rhön bis Gramschatz, Güter und Rechte besaß, wurde nach Fulda verlegt, Thulba wurde Propstei.
Die neben der Kirche befindliche Propstei wurde 1701 von Propst Friedrich von Buttlar errichtet. Nach 101 Jahren wurde mit dem Hochstift Fulda auch die Propstei Thulba säkularisiert und der letzte Propst verließ Thulba. "Die Hälfte der Propstei erhielt der Bayerische Staat als Pfarrhaus, der übrige Teil wurde zur Schule der politischen Gemeinde", führte Pfarrer Mauer weiter aus.

"Nicht mehr von oben herab"

Auch die Kirche wurde im Bauernkrieg zerstört. Doch Propst Otto Heinrich von Calenberg ließ sie im Stile der Zeit 1629 wieder errichten. Wiederholt nahmen in der Folgezeit Pröpste Veränderungen am Gebäude oder an Einrichtungen vor. Aus dieser Zeit sind noch zwölf Kapitelle erhalten, die vor der Kirche zu sehen sind. Auch die wertvolle Kanzel aus 1590 war schon einmal an der Michaelskapelle und wurde wieder zurückgeholt. "Sie ist jetzt nur noch ein erhaltungswürdiges Schmuckstück in der Kirche, denn der Pfarrer will nicht mehr von oben herab auf seine Gläubigen einreden", erklärte der Geistliche.
Sehenswert ist auch der Taufstein von 1610. Neben den Sandsteinfiguren Maria und Josef sind die Grabsteine von Pröpsten erhalten. In der neueren Zeit kamen ein Tabernakel sowie Altar und Ambo hinzu. "Sie passen sich gut mit den farbigen Fenstern im Altarraum und dem Radleuchter mit den acht Wappen über dem Altar in die wuchtigen Gemäuer des Gotteshauses ein", unterstrich der Pfarrer.
Stolz erzählte er von der Geschichte der wertvollen Kleidung der Geistlichen: "Schon die Pröpste haben diese bei ihren kirchlichen Feiern getragen." Heute benutzt sie bei Hochfesten auch Pfarrer Mauer.

Besondere Monstranz

Erstaunt waren die Gäste über die wertvollen historischen Kelche, die er aufgebaut hatte. Zu diesen kirchlichen Schätzen gehört auch die außergewöhnliche Monstranz. Auch diese besonderen Stücke stammen aus der Zeit der Pröpste.
Irmgard Heinrich dankte dem Pfarrer für den interessanten Vortrag, den die Senioren-Union organisiert hatte.