Bad Kissingen — Man kennt diese Situation aus Fernseh-Serien: Da wird Köchinnen und Köchen ein Warenkorb hingestellt, prall gefüllt mit Fisch und Fleisch, allerlei Gemüse und Salatköpfen, ein paar Eiern und einem Kräutersträußchen neben der Ingwerwurzel, dazu Mandelmehl, Kuvertüre und Rum. Aus dem Warenkorb heraus soll möglichst rasch ein Menu samt Vorspeise, Suppe, Hauptgang und Dessert gezaubert werden.
Was Hausfrau und Hausmann angesichts dieser Herausforderung rasch zum Dosenöffner greifen lässt, ist Wettbewerbsstandard bei der "Bad Kissinger Stadtmeisterschaft im Gastgewerbe", die der Bayr. Hotel- und Gaststättenverband Bad Kissingen veranstaltet. Die fand nun zum 4. Mal in der Staatlichen Berufsschule Bad Kissingen-Garitz statt.
Ganz so hart wie in Fernsehserien waren die Bedingungen für die noch lernenden Service-Kräfte, Köchinnen und Köche nicht. Sie kannten bereits die Aufgaben und wussten, was auf sie zukam. Sie konnten vor dem Wettbewerb üben.
Reichlich Stress hatten die aus 39 Bewerbern 16 ausgewählten Teilnehmer am Tag der Entscheidung dennoch. Doch davon war in der mit allen technischen Raffinessen ausgestatten Küche der Berufsschule wenig zu spüren. Scheinbar gelassen konzentrierten sich die acht jungen Köchinnen und Köche auf ihre Aufgaben. Die Jury beobachtete messerscharf und kontrollierte auch, ob die jeweiligen regionalen Produkte optimal verwertet wurden.
Nachdem das Biosphärenreservat Rhön als bundesweit zweiter "Sternenpark" anerkannt wurde, weil man in der Rhön oft einen klaren Blick ins All genießen kann, hatte der Service zum Thema "Sternstunden" Schautische einzudecken und neben anderen Aufgaben auch Preise für Übernachtungen und Freizeitangebote der "Villa Rakoczy", eines virtuellen Vier-Sterne-Plus-Hotels, zu kalkulieren. Oksana Fröhling (Parksanatorium Bad Bocklet) gewann diesen Wettbwerb. "Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet", freute sie sich über die Bewertung ihrer Leistung. "Man hat ja immer so seine Zweifel, ob man wirklich gut ist." Den Gästen gefiel bereits in vorweihnachtlicher Stimmung der Schautisch von Kristin Krauße bestens, sie gewann den Publikumspreis.
Nur um die knappste Kürze eines Wurstzipfels konnte sich am Herd letztendlich Koch Philipp Müller (Parkhotel Laudensack) gegen Alexander Paul (Hotel Ullrich Elfershausen) in der Jury-Entscheidung durchsetzen. "Ich habe wie alle anderen auch heftig geübt, aus diesem Warenkorb das Beste zu machen" sagte Müller. " Wenn man in einem Sterne-Restaurant lernt, ist der Erwartungsdruck schon stark, diesen Wettbewerb zu gewinnen. "
Starken Applaus genoss Jonas Ankenbrand (Dorint Bad Brückenau). Der war nach Erkrankung eines Kochkollegen erst vier Stunden vor dem Wettbewerb spontan eingestiegen und hatte erst dann in den Warenkorb schauen könne . "Zu verlieren hatte ich nichts", sagte er. "Das war meine Chance, auf diesen Zug aufzuspringen und mal zu schauen, was daraus wird. "
Wie bei den Wettbewerben zuvor wurden elegante Preissymbole in der Berufsschule gefertigt.
Die kulinarisch gesinnte politische Prominenz würdigte den Wert sich stets qualifizierender Gastronomie als "Schlüsselfaktor" für einen Kurort. Oberbürgermeister Kay Blankenburg und Emil Müller, der für den Landkreis sprach, standen noch vor dem Hauptgang unter Termindruck. "Nach mir die Bauernente", sagte Blankenburg. "Guten Appettit!"



Die 4. Stadtmeisterschaft der Gastronomie


Teilnehmer Nach einer Vorauswahl aus 39 Bewerbungen zeigten 16 Nachwuchskräfte ihr Können. Je acht aus dem Hotel- und Restaurantfachbereich (Service), je acht Köchinnen und Köche, alle im 2. beziehungsweise 3. Lehrjahr.

Service-Aufgaben Die Nachwuchskräfte hatten "Schautische" einzudecken, eine Weinauswahl zu treffen, einen Cocktail zu mixen, eine Speisekarte zu entwerfen, den Gästen per "Flyer" ihr Hotel/Restaurant vorzustellen sowie an den Tischen der mehr als 50 Gäste die Menüs und dazu die Getränke "mit jeweiliger Ansage" zu servieren.

Köche-Aufgaben Aus einem für alle gleichen Warenkorb mussten eine kalte Vorspeise, eine Kürbissuppe, im Hauptgang "Bauernente" und ein Dessert kreiert werden.

Die Jury Die Leistungen beurteilten Fachlehrer und die Sieger der 3. Stadtmeisterschaft im Gastgewerbe.

Die Sponsoren Mehr als 30 Sponsoren haben diesen Wettbewerb mit attraktiven Preisen für die Gewinner unterstützt.

Die Sieger Service: Oksana Fröhling (Parksanatorium Bad Bocklet), Kristin Krauße (Sonnenhügel), Janine Wehner (Hescuro)

Köche: Philipp Müller (Parkhotel Laudensack), Alexander Paul (Ullrich, Elfershausen), Joscha Turbanisch (Hofmann, Schindelsee),

Publikumspreis Kristin Krauße, (bester Schautisch "Sternstunden").