"Es grünt so grün, wenn Garitz Blumen blühen - Olé". So schmetterte es bis spät in die Nacht im Kolpingheim in Garitz. "Schuld" an dieser tollen Stimmung waren Clemens Behr und Gerhard Hippeli, die beim "Wirtshaus-Singen" der Kolpingsfamilie bekannte Gassenhauer aus den Kehlen der 70 Gäste kitzelten. Sie trafen dabei durchaus auf den "Gefällt-mir-Nerv" der Anwesenden.
Es war das zweite Mal, dass die Kolpingsfamilie Garitz zu einem
"Wirtshaus-Singen" einlud und die von den Menschen grundsätzlich willkommen geheißene Art der Unterhaltung nutzte. Kolpingvorsitzender Heiner Fuchs versprach den Besuchern eingangs einiges: "Heute kommt Stimmung in die Bude." Er sollte recht behalten.

Die beiden Akteure

Garanten hierfür fand er in den benachbarten Kolpingsfamilie: Clemens Behr mit der Gitarre ist Kolpingsbruder aus Bad Königshofen und ehemaliger Bürgermeister daselbst sowie Gerhard Hippeli mit dem Akkordeon und Vorsitzender der Kolpingsfamilie Bad Neustadt. "Richtiges Wirtshaus-Singen ist eigentlich ohne Noten", so Gerhard Hippeli zu der traditionellen Form. Dabei sollen die Musikanten durch das Vorsingen zum Mitmachen animieren und gleichzeitig alte Geschichten musikalisch weitergeben.
Von dieser ursprünglichen Form ist man mittlerweile weit abgerückt. Heute geht es um die Geselligkeit, die sich im gemeinsamen Singen widerspiegelt. Meist sind die Melodien bekannt, die Texte eher weniger oder nur bruchstückhaft. Aber man hatte vorgesorgt: Auf den Tischen lagen das rote Heft "Wirtshauslieder" der Arbeisgemeinschaft Fränkische Volksmusik und das Heftchen "Singen mit Spaß" - Volkslieder & Gassenhauer. Auf einenm Täfelchen an den Wand hinter den beiden Musikanten wurde die Seite bzw. die Nummer des nächst gesungenen Liedes geschrieben, so dass jeder einstimmen konnte.

Gassenhauer und andere

Mit C-Dur und den Strophen ein bis drei von "Horch, was kommt von draußen rein" startete man in das Abendprogramm und schon nach fünf Minuten war die versprochene "Stimmung in der Bude". Danach kamen Seite 44 mit "In einem Dörflein so klein" und Seite 54 "Kommt die schöne Frühjahrszeit", dazwischen wurden fränkische Geschichten eingeflochten, Fragen zum Rhöner Dialekt gestellt (was heißt "Dessingähäldjung") und auch der eine oder andere Witz trug zur Unterhaltung der begeisterten Gäste bei.
Lied an Lied reihte sich aneinander, wobei es auf Textsicherheit und akkurat gesungenes zweigestrichenes C weniger ankam. Dazwischen ein "Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit" und einige Anekdoten über das spielerische, immer wieder humorvolle Gegeneinander der Geschlechter. Es sind Allerweltstexte über die liebe Schwester, den Floh, die Sehnsucht nach der Heimat - teilweise Nonsens, teilweise "Leierkasten-Moritaten", die einen belehrenden Kern haben. Für Clemens Behr müssen es beim Wirtshaus-Singen keine hochtrabenden Texte sein, aber sie müssen eingängig und mit einem guten Refrain versehen sein.

... und immer wieder ein Prosit

Und so ging es mit "An grauer Städte Mauern", "Das alte Försterhaus", "Das alte Haus von Rocky Docky", "Fliege mit mir in die Heimat", "Heimweh" (Brennend heißer Wüstensand) und "Wasser ist zum Waschen da ....." - dazwischen gab es immer wieder ein "Prosit der Gemütlichkeit" sowie ein kräftiges "Olé", die die Stimmung noch weiter in die Höhe trieb.