In 27 Jahren bei den Stadtwerken hat Manfred Zimmer zwar schon herausfordernde Jahre erlebt, an ein derart schweres wie 2020 kann sich der Geschäftsführer jedoch nicht erinnern.

Die städtische Tochter verzeichnete im vergangenen Jahr coronabedingt in all ihren Geschäftsbereichen Einbrüche, egal ob bei der Stromversorgung, bei den Parkhäusern oder im Stadtbusverkehr. "Insgesamt führt die Entwicklung dazu, dass wir für 2020 einen deutlichen Verlust erwarten", berichtet Zimmer.

Er betont, dass bisher Schlimmeres vermieden werden konnte - die Stadtwerke wollen keine Geschäftsbereiche schließen oder Mitarbeiter entlassen - allerdings hat sich das Unternehmen einen Sparkurs verordnet. "Investitionen müssen wir auf das Nötigste reduzieren. Alles, was nicht zur Erfüllung der Versorgungssicherheit notwendig ist, haben wir zur Disposition gestellt", sagt er.

Finanzierung für Neubau steht nicht

Das betrifft in erster Linie den Ersatzneubau für das städtische Hallenbad an der Kisssalis-Therme. Laut Zimmer wurde die Planung coronabedingt überarbeitet. Das Hallenbad soll im Vergleich zu früherer Plänen kleiner ausgeführt werden. Die Planung sei beendet, jedoch sei der Bau angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht finanzierbar.

Das Eigenkapital, das die Stadtwerke für die Finanzierung braucht, wird aktuell dringender benötigt, um die Verluste aus dem Coronajahr auszugleichen. Immerhin: "Wenn sich die wirtschaftliche Situation wieder stabilisiert, kann gebaut werden", kündigt er an.

Monatelang vom Netz

Wie kommt es zu dem satten Verlust? 2020 haben die Verbraucher in Bad Kissingen im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger Strom, Wasser, Gas und Fernwärme bezogen - gleichzeitig blieb der Zahl der Kunden in den Sparten ziemlich konstant. Zimmer erklärt die Verluste mit den Betriebsschließungen während des Lockdowns vor allem bei den Hotels. "Die Beherbergungsbetriebe waren monatelang vom Netz. Das Arbeiten im Homeoffice kompensiert das nicht", erläutert Zimmer mit Blick auf die Stromversorgung.

Bei der Wasserversorgung schaut es ähnlich aus: Die größten Verbraucher sind Kliniken und Hotels. Sind diese zu oder haben weniger Patienten, fließt weniger Wasser aus den Hähnen.

Beim Gasabsatz ist der Einbruch nicht nur pandemie-, sondern auch witterungsbedingt. Hier komme es je nach Winter immer wieder zu Schwankungen. "Wir haben uns in den Vorjahren schon auch auf dem jetzigen Niveau bewegt. Das sehe ich noch relativ entspannt", sagt der Stadtwerke-Chef.

Das Unternehmen versorgt inzwischen auch Kunden im Landkreis mit Strom und Gas und beliefert größere Gewerbekunden auch überregional. Das habe sich in der Krise als wichtig erwiesen. "Ohne das Geschäft außerhalb Bad Kissingens hätten wir noch stärkere wirtschaftliche Probleme. Das stabilisiert uns am Ende", meint Zimmer.

Bei der Sparte Fernwärme schlägt die sechsmonatige Schließung der Therme zu Buche. "Die Kisssalis ist unser größter Fernwärme-Abnehmer", erläutert er. Während der Schließung hat sie deutlich weniger Energie verbraucht - dass das Bad nur noch halb so viele Gäste verzeichnete, kommt als Schaden noch dazu.

108 000 weniger Parkhausbesuche

Die Parkhäuser (Zentrum und Theater) öffneten ihre Schranken weniger oft als in den Vorjahren. Das lässt sich auf die schwächer besuchte Innenstadt zurückführen. 108 000 Einfahrten fehlen im Vergleich zu 2019. "Das hat uns in dem Umfang überrascht", kommentiert er.

Keine Überraschung war hingegen, dass nicht mehr so viele Personen die Stadtbusse benutzten. Zimmer: "Da fehlen ein Stück weit die Schüler, die im Lockdown nicht mehr zur Schule gefahren sind. Aber wir merken: Der Bus hat in der Pandemie an Akzeptanz verloren." Das Minus ist aber insofern zu verschmerzen, weil staatliche Ausgleichszahlungen einen großen Teil kompensieren.

Ziel: -neutrale Wasserversorgung

Dennoch gibt es Projekte, die die Stadtwerke dieses Jahr voranbringen wollen - Stichwort Energiewende.

Da ist zum Beispiel die umstrittene Windkraftanlage auf dem Beilberg zwischen Reiterswiesen und Oerlenbach, die der Versorger schon seit längerem plant.

"Ein schwieriges Thema", meint der Geschäftsführer. Die Stadtwerke betreiben noch keine Windkraftanlage, bemühen sich aber im Sinne ihres Versorgungsauftrages darum. "Der Beilberg ist der einzige vernünftige Standort", fasst er das Dilemma zusammen.

Bereits begonnen hat das Unternehmen damit, sein Wasserwerk im Münnerstädter Talgrund mit einer Photovoltaik-Anlage aufzurüsten. "Wir wollen unsere Wasserversorgung -neutral gestalten", erklärt Zimmer.

Sukzessive sollen auch die Wasserwerke in Arnshausen und Reiterswiesen aufgerüstet werden. Die Anlagen, die das Wasser aus dem Boden holen und zu den Hochbehältern pumpen, laufen dann mit Sonnenenergie. Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch von Vorteil für die Versorgungssicherheit, wie der Stadtwerke-Chef erläutert: "Die Wasserversorgung wird autark. So schützen wir sie gegen einen längeren Stromausfall."

Die Sparten im Überblick

Strom 2020 sind 77,9 Millionen Kilowattstunden durch das Stromnetz in Bad Kissingen geflossen, 2019 waren es noch 83,8. Das ist ein Rückgang von sieben Prozent.

Gas 380 Millionen Kilowattstunden Gas wurden 2019 im Kissinger Gasnetz transportiert, 2020 waren es 360 Millionen Kilowattstunden (minus fünf Prozent).

Wasser 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser haben die Stadtwerke vergangenes Jahr gefördert, das sind fast 13 Prozent weniger als im Vorjahr (2,1 Millionen Kubikmeter).

Fernwärme Der Rückgang beträgt hier 18 Prozent. 17,8 Millionen Kilowattstunden wurden 2019 ins Netz eingespeist, 2020 waren es 14,6 Millionen.

Parkhäuser Etwa 400 000 Einfahrten zählten die Stadtwerke jeweils in den Vorjahren, 275 000 waren es vergangenes Jahr. Das ist ein Drittel weniger.

ÖPNV 36 Prozent weniger Kunden fuhren mit den Stadtbuslinien: Waren es 2019 noch 712 000 Beförderungsfälle, so sank die Zahl auf 453 000.

Therme Die Besucherzahlen in der Kisssalis halbierten sich von 409 000 auf 218 000.