Die Mutationen des Coronavirus, genauer eine von ihnen, sind auch im Landkreis Bad Kissingen spürbar auf dem Vormarsch. Wie das Landratsamt Ende vergangener Woche mitteilte, liegt der Anteil der Infizierten, die positiv auf eine Mutation des Coronavirus getestet werden, aktuell bei etwa 50 Prozent. Jeder zweite Corona-Positive im Kreis ist somit bereits nicht mehr mit der ursprünglichen Variante, sondern mit einer Mutation des Virus infiziert.

Mit Stand vom Montag, 16 Uhr, gab es im Landkreis 109 aktive Corona-Fälle, von denen 56 auf eine Mutation zurückzuführen waren, wie das Landratsamt berichtet. Bei allen handele es sich um die Variante B117. Diese ist als britische Variante des Coronavirus bekannt.

Nach positivem Corona-Test folgt der Test auf die Mutationen

Die Labore würden nicht automatisch auf Mutationen testen, sondern erst, wenn das Testergebnis positiv sei, erklärt das Landratsamt auf Anfrage. "Personen, die auf der Teststrecke in Oerlenbach positiv getestet werden, werden in dem Labor, das mit uns zusammenarbeitet, immer auch auf Mutationen getestet", berichtet eine Sprecherin weiter.

"Im Landkreis werden zudem viele Testungen dezentral durch niedergelassene Ärzte durchgeführt. Ob dort auch immer auf Varianten getestet wird, entzieht sich unserer Kenntnis. Deshalb können wir hier keine Zahl nennen."

Wie ist die aktuelle Lage hinsichtlich der Verbreitung der Mutationen im Kreis einzuschätzen? Die Verteilung der Mutationen liege im deutschlandweiten Trend, erklärt das Gesundheitsamt. Was ist für die kommenden Wochen hinsichtlich des Infektionsgeschehens zu erwarten? Gibt es eine dritte Welle? "Das ist angesichts der aktuellen Zahlen zu befürchten", heißt es dazu aus dem Gesundheitsamt.

Blick über die Landkreisgrenzen

Auch in den Nachbarlandkreisen breiten sich die Mutationen aus. Gut ein Drittel der aktuell Infizierten weise die britische Mutation auf, berichtet zum Beispiel das Landratsamt Rhön-Grabfeld auf Anfrage. Alle Tests, die das dortige Gesundheitsamt durchführt, würden auf Mutation geprüft, sobald sie ein positives PCR-Testergebnis hervorbringen, erklärt eine Sprecherin weiter.

Im Landkreis Main-Spessart liegt der Anteil der Corona-Infizierten, bei denen eine Mutation festgestellt wird, aktuell bei 75 Prozent, wie das Landratsamt auf Anfrage berichtet. "Alle Proben, bei denen es technisch möglich ist, werden auf Mutationen untersucht", erklärt eine Sprecherin außerdem.

Niedriger liegt der Wert aktuell noch bei den hessischen Nachbarn im Main-Kinzig-Kreis. "Der Anteil von nachgewiesenen Virus-Mutationen unter den Positiv-Laborbefunden bewegte sich in den vergangenen 14 Tagen im Bereich von 25 bis 30 Prozent", berichtet ein Sprecher dort auf Anfrage.

Sind die Mutationen für Kinder gefährlicher?

Im Raum steht aktuell des Öfteren auch die Frage, ob die Mutationen für Kinder und Jugendliche ansteckender beziehungsweise gefährlicher sind. "Das können wir so im Detail noch nicht sagen", erklärt die Hammelburger Kinderärztin Gabriele Khazim auf Anfrage. Die Mutationen seien ja noch ganz neu und entsprechend wenig erforscht.

Das Ansteckungsrisiko, das mit der weiteren Öffnung der Schulen und Kindergärten eingegangen wird, hält Khazim für "vertretbar". Wenn gleich man in der Praxis bereits bemerkt habe, dass mit der zunehmenden Öffnung auch wieder die Zahl der Kinder steigt, die Kontakt mit einem anderen, positiv getesteten Kind hatten.

Was das Testen betrifft, sei es im Praxisalltag oft schwierig zu entscheiden, ob ein Schnelltest ausreicht oder man doch lieber auf den verlässlicheren PCR-Test zurückgreift, berichtet Khazim. In der Fachliteratur würden die Angaben zur Treffsicherheit der Schnelltests zwischen 40 und 70 Prozent schwanken. Eine Riesenspanne.

Und: Die Tests sind immer nur für eine begrenzte Zeit aussagekräftig. "Eine große Frage, die die Kinder umtreibt, ist zum Beispiel: Kann ich am Wochenende die Oma besuchen?", erzählt Khazim. Man balanciere hier auf einem Drahtseil. Ein Kind, das heute noch fit ist, könne morgen schon ansteckend sein.

Ärzte im Vorfeld nicht optimal über kostenlose Tests informiert

Die Kosten für die Tests würden in Bayern vom Land beziehungsweise der Krankenkasse übernommen, wenn eine Indikation besteht. (Der Begriff Indikation bedeutet, dass eine medizinische Behandlung angemessen ist.) Was die angekündigten kostenlosen Tests betrifft, sagt Khazim, "wurden die Ärzte im Vorfeld nicht optimal informiert".

Und auch mit Blick auf die Selbsttests ist sie zurückhaltend. "Die Leute sind nicht ausreichend aufgeklärt und teilweise nicht in der Lage, die Tests korrekt selbst durchzuführen." Es gebe insgesamt viele Fragezeichen: "Was machen wir zum Beispiel mit den Ergebnissen der Selbsttests? Wir wissen es nicht, wie dann weiter vorgegangen werden soll."

Einen Impfstoff, der auch an Kinder verabreicht werden darf, gibt es aktuell noch nicht. "Das wurde einfach noch nicht ausreichend erforscht", erklärt die Kinderärztin. "Ich habe dazu erst heute Morgen recherchiert und gelesen, dass Studien laufen, aber es schwierig ist, Freiwillige zu finden." Es sei wichtig, auch hier Testpersonen beziehungsweise Testkinder zu finden.