Um Teresa Kuhn muss die Bundeswehr nicht mehr werben. Die 16-Jährige aus der Realschule Marktbreit geht im kommenden Jahr zur Marine. "Ich habe Praktika bei der Bundeswehr gemacht und mein Vater war beim Heer", erklärt sie ihre Beweggründe. Und die Schüler der neunten Klasse der Realschule Bad Kissingen sind an der Bundeswehr als Ausbildungsstätte interessiert, wie ihr Lehrer Andreas Reuter erklärt.
Deshalb besucht er mit den Jugendlichen den "Tag der Infanterie".

Bereits zum dritten Mal nutzt die Bundeswehr die Veranstaltung, um Nachwuchskräfte zu gewinnen. Mehr als 600 Schüler aus dem Landkreis Bad Kissingen und den Nachbarlandkreisen informieren sich über Einstiegsmöglichkeiten und Karrierewege.

Selbst wer andere Berufswünsche hat, wie Alexander Hacker vom Grimmelshausen Gymnasium in Gelnhausen, ist zumindest von der ausgestellten Technik fasziniert. Mit seinem Klassenkameraden lässt sich der Schüler das Kettenfahrzeug "Wiesel" erklären.

"Die Bundeswehr ist ein Arbeitgeber und muss sich bemühen, dass Leute zu ihr kommen", erklärt Brigadegeneral Gert-Johannes Hagemann, der neue Kommandeur auf dem Lagerberg. Auch dafür diene der "Tag der Infanterie". Da passt es gut, dass mit Ralf Brauksiepe (CDU) diesmal ein parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zu Gast ist. "Vorbehaltlos auf die Bundeswehr zugehen", würde Brauksiepe den jungen Leuten empfehlen. Die Bundeswehr könne für einige von ihnen ein Arbeitgeber sein.

Brauksiepe sieht die Bundeswehr wegen des Bevölkerungsrückgangs in einem Wettbewerb um Personal. Langfristig werde es für sie schwieriger, ausreichend qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Der Gast belegt es in seinem Festvortrag mit Zahlen: Um die Regeneration der Stärke von 185 000 Soldaten und 55 000 zivilen Mitarbeitern zu gewährleisten, benötige die Bundeswehr etwa 60 000 Bewerber. "Das ist bei zukünftigen Jahrgangsstärken von 650 000 jungen Menschen ein ambitioniertes Ziel, das die Bundeswehr in einem schärfer werdenden Wettbewerb mit der Wirtschaft erreichen will", urteilt Brauksiepe.

Der Staatssekretär nennt Weiterbildungsangebote und verlässliche Perspektiven nach der Dienstzeit als Voraussetzungen für die künftige Attraktivität der Bundeswehr. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehört für ihn auch dazu, denn damit könne sich die Bundeswehr "als guter Arbeitgeber positionieren". "Hier hat die Bundeswehr einiges unternommen, könnte aber für uns Soldatinnen und Soldaten noch einiges mehr tun", meint auch Hagemann in seiner Rede.