Der Wildfleckener Bürgermeister Gerd Kleinhenz (SPD), Landrat Thomas Bold und Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner (beide CSU) sind extra nach Berlin gefahren, um sich direkt im Verteidigungsministerium um ein geplantes "Rechenzentrum Süd" zu bewerben. "Wir hoffen vor allem auf neue Arbeitsplätze", sagt Kleinhenz. Allerdings weiß keiner so recht, was denn da wann genau kommen soll.

2016 neue Abteilung aufgestellt

Auch eine Nachfrage beim Bundesverteidigungsministerium (BMVg) bringt wenig Neues: "Die im Oktober 2016 neu aufgestellte Abteilung Cyber/Informationstechnik (CIT) im BMVg ist mit der Weiterentwicklung des IT-Systems der Bundeswehr und dem Aufbau eines Rechenzentrumsverbunds für den Geschäftsbereich BMVg beauftragt", teilt eine Ministeriumssprecherin mit. Die geplante Rechenzentrumsinfrastruktur solle "den künftigen Anforderungen an die Bereitstellung von IT-Services für den Geschäftsbereich BMVg umfassend gerecht werden". Nachfragen, was das genau bedeutet, ob es vor allem um Computer und Server oder auch um Dienstposten und Informatiker geht, ließ das Ministerium in Berlin nicht zu.

Zum Standort heißt es in der schriftlichen Antwort: "Die bundesweit laufenden, umfangreichen und komplexen Untersuchungen zur Verortung der erforderlichen Infrastruktur der Rechenzentren in Liegenschaften der Bundeswehr dauern noch an." Von einer Entscheidung im Jahr 2018 ist also in Berlin keine Rede. Stattdessen vertröstet die Sprecherin die Kommunalpolitiker: "Daher sind konkrete Aussagen zum Ergebnis der Untersuchungen mit Bezug auf mögliche Standorte zum jetzigen Zeitpunkt der Planungen leider nicht möglich."

Was die Bundeswehr genau plant, weiß auch Landrat Thomas Bold nach eigenen Worten nicht. Arbeitstitel sei Rechenzentrum Süd, die Rede sei aber auch mehrfach von Cyberabwehr gewesen. Rechenzentrum Süd kann vieles bedeuten: In Wildflecken ist bereits das Bekleidungszentrum Süd angesiedelt, das nur eines von zwei Zentrallagern der Bundeswehr ist. In anderen Bereichen gibt es Aufteilungen nach allen vier Himmelsrichtungen. Es bleibt also offen, wie viele der neuen Rechenzentren es geben wird.

Auch die Anforderungen sind unklar: Bundeswehr und Bundesregierung beschwören zwar stets die Stärkung des ländlichen Raums, IT-Fachkräfte dürfte die Truppe aber eher in Ballungsräume locken können: Strukturpolitik steht hier praktischen Erwägungen gegenüber.

Selbst die drei Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis Bad Kissingen kennen wenig Hintergründe zur Entscheidung oder halten sich bedeckt: "Ich tue natürlich alles in meiner Macht stehende, um mich für den Wahlkreis einzusetzen", betont Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) auf Nachfrage. Sie sei seit langem "an dem Thema dran", wolle aber keine Aussagen dazu machen.

"Relativ wenige Menschen"

"Soweit ich weiß, geht es da eher um ein Rechenzentrum mit relativ wenigen Menschen", berichtet die SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar. Fest stehe lediglich, dass noch keine Standort-Entscheidung gefallen sei. Sie habe aber bereits eine schriftliche Anfrage gestellt und hofft auf konkrete Aussagen des Verteidigungsministeriums Anfang Januar.

Keine Infos zu den Plänen der Bundeswehr hat die Grünen-Bundestagsfraktion, berichtet Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann. Selbst die Verteidigungsexperten würden keine Details kennen.