"Ich habe es noch nicht ganz realisiert, dass ich morgen dann weg gehe", sagt Moana Dempsey. Die 16-Jährige aus Gefäll geht als Austauschschülerin ein Jahr lang in die USA.Ermöglicht hat ihr das das Parlamentarische Patenschafts-Programm (kurz PPP) - eine Initiative des Deutschen Bundestags und des Kongresses der Vereinigten Staaten.

Die deutschen Jugendlichen sollen als "Botschafter" ihrer Heimat deutsche Werte und Kultur in den USA vermitteln. Die jungen Menschen verbringen ein Jahr im jeweils anderen Land, leben bei Gastfamlien und besuchen die örtliche Schule oder absolvieren ein Praktikum.


Plätze heiß begehrt

Die Plätze für ein PPP-Stipendium, das die meisten Kosten und die Organisation des Austauschjahres übernimmt, sind heiß begehrt. "Mein Lehrer hat mir das Programm gezeigt. Die Chancen sind ja nicht so groß. Die nehmen nur einen aus dem Wahlkreis", erklärt Moana Dempsey. Sie hat sich in einem Auswahlverfahren gegen rund ein Dutzend Mitbewerber durchgesetzt.


Engagement überzeugt die Jury

Programm-Patin für den hiesigen Wahlkreis ist die Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar (SPD). "Die letzte Entscheidung musste ich dann treffen. Mir hat bei der Moana besonders das ehrenamtliche Engagement gefallen", sagt Dittmar. Die beiden haben sich zum Kaffeetrinken in Bad Kissingen verabredet, bevor die Schülerin am nächsten Tag in den Flieger in die USA steigt .

Moana Dempsey hat gerade die zehnte Klasse am Gymnasium in Münnerstadt abgeschlossen. Sie singt im Chor und spielt Cello im Schulorchester. In den USA zu leben, war schon immer ihr großer Traum. "Mein Opa war Amerikaner. Ich habe auch Verwandte dort. Dadurch wollte ich schon immer mal da rüber", sagt die 16-Jährige. Im Januar bekam sie Bescheid, dass Sabine Dittmar sie ausgewählt hat. Dempsey erinnert sich: "Als ich die Zusage bekommen habe, hat meine Mama gleich das Heulen angefangen. Einerseits, weil sie es schade findet, dass ich gehe, andererseits, weil sie sich für mich freut."


Mutiger Schritt ins Ausland

Von der unterfränkischen Provinz geht es für die Schülerin in die amerikanische Provinz. Sie wird im Bundesstaat Idaho im Nordwesten der USA leben. "Mitten auf dem Land", sagt die Schülerin. Die vierköpfige Gastfamilie lebt in dem kleinen Ort Sand Hollow. Bis zu den nächsten Häusern sei es mit dem Auto rund eine Viertelstunde zu fahren. Der Vater arbeitet in einem Hospiz, die Mutter ist Hausfrau. Die beiden Gastgeschwister, ein 14-Jähriger und eine 16-Jährige, gehen auf die gleiche High School, die auch Moana Dempsey besuchen wird. Am 22. August beginnt die Schule.

"Ich finde es schon klasse, dass die jungen Leute so eine Chance ergreifen", sagt Sabine Dittmar. Die SPD-Politikerin findet den Mut von Moana Dempsey bewundernswert. "Ich glaube, ich hätte mich das mit 16 nicht getraut", meint Sabine Dittmar.

Vermissen wird sie vor allem ihr eigenes Zimmer in Gefäll, sagt Dempsey. In den USA wird sich die 16-Jährige zusammen mit ihrer gleichaltrigen Gastschwester ein Zimmer teilen. "Und meine kleine zweijährige Schwester werde ich vermissen", fügt sie hinzu. Die junge Gefällerin verrät, worauf sie sich am meisten freut: Amerikanisches Essen und amerikanische Betten. "Weil die einfach riesig sind und voller Kissen," sagt sie.