Der jüngere der beiden Angeklagten hat zudem 30 gemeinnützige Arbeitsstunden zu leisten. Darüber hinaus gilt für ihn ein Alkoholverbot von einem Jahr, das auch polizeilich kontrolliert werden soll. Bei Verstößen gegen die Bewährungsauflagen droht den jungen Männern Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Der Richerspruch fiel am zweiten Verhandlungstag. Weil vor zwei Wochen ein Zeuge nicht erschien, musste sich das Gericht nun erneut mit dem Fall befassen. Es ging um eine Schlägerei am Rande einer Feier nach einem Faschingszug vor gut einem Jahr.

Der am ersten Verhandlungstag fehlende Zeuge konnte am Dienstag nicht zu einer nachhaltigen Entlastung der Beschuldigten beitragen. Der Strafverteidiger des Hauptangeklagten hatte sich von seiner Aussage mehr Wirkung versprochen. Doch die Richterin stufte den Zeugen, der für das Gericht kein Unbekannter war, als weniger glaubhaft ein, als es die Verteidigung erhoffte.

"Schlag mit Flasche Notwehr"

Fest steht: Der Hauptangeklagte schlug seinem Opfer damals mit der Faust ins Gesicht. Der Geschädigte habe sich nicht mehr anders zu helfen gewusst, als sich durch einen Hieb mit einer Wodkaflasche gegen mehrere Angreifer zu verteidigen, führte die Richterin aus. Das Opfer habe Todesangst gehabt, daher sei es Notwehr gewesen.

So sah es auch die Staatsanwältin. Auch wenn der Hauptangeklagte nach dem Schlag mit der Wodkaflasche zu Boden ging, habe das Opfer das Maß der Notwehr mit seiner Reaktion nicht überschritten. Der Geschädigte, der seine damalige Handlung ohne Aufforderung vor Gericht sofort einräumte, sei als durchaus glaubhaft einzustufen - andere Zeugenaussagen aus dem Kreise der Angeklagten hingegen weniger.

Der Strafverteidiger entgegnete: "Es hat keinerlei Absprachen mit dem heutigen Zeugen gegeben." Bezüglich der Bewertung von Zeugenaussagen in der gesamten Strafverhandlung sah der Rechtsanwalt eine Patt-Situation. "Ist mein Mandant selbst schuld daran, dass er die Wodkaflasche auf seinen Kopf bekam und erheblich verletzt wurde?", fragte der Anwalt, wer denn letztlich Opfer gewesen sei und Todesangst gehabt habe. Aus seiner Sicht waren für seinen Mandanten nur die Tatvorwürfe Beleidigung sowie einfache Körperverletzung wegen des Faustschlages aufrechtzuerhalten.

"Kirche wieder ins Dorf stellen"

Die Richterin machte indes klar, dass sie dem Plädoyer des Verteidigers überhaupt nicht folgen konnte. "Wir wollen die Kirche wieder ins Dorf stellen", sagte sie. Der in Notwehr handelnde Geschädigte sei vor Gericht ohne Belastungseifer aufgetreten und habe rückhaltlos die Wahrheit gesagt. "Niemand hat ihm damals geholfen", konnte sie die Notsituation des Opfers nachempfinden.

Als negativ stufte sie zudem die Vorahndungen des Hauptangeklagten ein. Er hatte unter Alkoholeinfluß verschiedene Straftaten begangen.